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49ers im Verletzungswahnsinn - das ewige "Next Man Up"-Motto auf dem Prüfstand

kicker

Eine Einblendung des übertragenden Senders FOX während der 26:15-Niederlage der 49ers bei den Houston Texans verdeutlichte wieder einmal das wohl größte Problem der 49ers der letzten Jahre: 2017 übernahm das Duo aus General Manager John Lynch und Head Coach Kyle Shanahan in San Francisco. Seitdem verpassten Stammspieler dort unglaubliche 2036 Partien aufgrund von Verletzungen.

Historie

In den knapp neun Jahren waren die beiden in genau 140 Spielen verantwortlich - macht also ungefähr 14 verletzte Spieler pro Partie. Kaum überraschend, dass kein Team auch nur annähernd so viele Ausfälle zu verkraften hatte.

Deswegen ist es umso erstaunlicher, dass kein Team seit 2017 öfter im NFC Championship Game stand als die 49ers: In vier der acht Spielzeiten schaffte man es trotz aller Verletzungen bis ins Conference Game und zweimal sogar bis in den Super Bowl, wo man aber jeweils gegen die Chiefs den Kürzeren zog. Zudem zählte man vor fast jeder Spielzeit der letzten Jahre meist zum erweiterten Favoritenkreis.

Aktuelle Saison

Nach acht Jahren mit vielen Ausfällen kann man bei Shanahan eine gewisse Resignation feststellen, wenn es zu neuen Verletzungen kommt. Als Linebacker Dee Winters im dritten Viertel bei den Texans zu Boden ging und behandelt werden musste, schwenkte der Regisseur von FOX mit der Kamera auf den leidgeprüften Head Coach. Sein Gesichtsausdruck konnte man als eine Mischung aus Frustration, Niedergeschlagenheit und Hilflosigkeit interpretieren.

Kein Wunder, denn es war in dieser Partie nicht der erste Ausfall: Defensive Tackle Jordan Elliott und Defensive End Sam Okuayinonu mussten mit Knöchelverletzungen genauso wie Winters aus dem Spiel genommen werden, Defensive Lineman Alfred Collins konnte nach kurzer Behandlungspause zumindest wieder zurückkehren.

Im Anschluss an die Partie versuchte sich ein sichtlich enttäuschter Shanahan in seiner Pressekonferenz an einem Ausblick: "Wir werden sehen. Hoffentlich nichts Längeres. Zwei Knöchelverletzungen, die nicht wie die schweren aussahen. Dee Winters Knie ist nur eine Entzündung - sowas ähnliches. Hoffentlich wird es bei ihm gehen."

Den philosophischeren Ansatz wählte direkt im Anschluss sein Running Back Christian McCaffrey: "Es ist die NFL. Jeder hat das Jersey aus einem Grund und jeder ist aus diesem Grund im Team: Sie können uns helfen, Spiele zu gewinnen. Natürlich nervt es, wenn wir Spieler verlieren. Du willst nie einen verlieren und vor allem keinen aus dem engen Kern, aber es ist eine Next-Man-Up-Mentalität."

Ein Gefühl, das der Ausnahme-Running-Back nur zu gut kennt. Bereits vor seinem Draft 2017 gab es Bedenken, dass er aufgrund seiner Statur (180 cm, 95 kg) und seines Spielstils mit vielen Catches womöglich Verletzungsprobleme in der NFL bekommen könnte.

In Carolina verpasste er den Großteil von zwei seiner fünf Spielzeiten, bei den 49ers blieb er bis auf die Vorsaison bislang verschont. Lediglich vier Partien absolvierte er 2024 - am Ende musste Shanahan deshalb sogar bereits seinen fünften Starting Running Back aufs Feld schicken.

Gerade McCaffrey ist aber einer der wenigen Stars der 49ers, die es in diesem Jahr noch nicht erwischt hat: Defensive End Nick Bosa fehlt seit Week 4 und wird in dieser Saison nicht mehr spielen. Linebacker Fred Warner verletzte sich vorletzte Woche schwer, ein Comeback ist diese Saison mehr als unwahrscheinlich. Quarterback Brock Purdy stand überhaupt nur zweimal auf dem Feld. Der letztjährige Erstrundenpick Ricky Pearsall verpasste den kompletten Oktober, Tight End George Kittle bereits fünf Spiele - und Wide Receiver Brandon Aiyuk hat in dieser Saison noch gar nicht gespielt.

Und das waren auch nur die Stars: Insgesamt standen seit Saisonbeginn 25 verpasste Einzelspiele (Out) und 89 Ausfälle aufgrund Verweilens auf der Injured-Reserve-Liste zu Buche.

Woran liegt es?

Zwei Erklärungsansätze lassen sich im Zusammenhang mit der Verletztenmisere immer wieder finden: Strength and Conditioning Coach Mike Nicolini könnte womöglich das Training falsch strukturieren und so zu der Verletzungsflut beitragen. Allerdings war der von 2021 bis 2024 in gleicher Funktion bei den New York Jets tätig und ist damit allenfalls für die aktuelle Spielzeit als Faktor anzusehen.

Stattdessen könnten die Verletzungen an den Verpflichtungen von General Manager John Lynch liegen. In diesem Jahr befindet sich der Altersschnitt des Teams im Ligavergleich aber nur im (hinteren) Mittelfeld und bei den zuletzt ausgefallenen Spielern lassen sich auch kaum Parallelen erkennen, die eine erhöhte Verletzungsgefahr wahrscheinlicher werden ließen.

Fazit

Vielleicht ist es tatsächlich einfach Schicksal, das in San Francisco härter zuschlägt als anderswo - und immer wieder langfristige Verletzungen mit sich bringt. Umso beeindruckender ist es, wie erfolgreich die 49ers seit der Übernahme durch das Duo Shanahan und Lynch geblieben sind. Das Motto "Next Man Up" scheint dort sehr gut zu funktionieren.

Mit einer Bilanz von 5-3 liegt man zwar aktuell nur auf Platz drei der NFC West, aber trotzdem immer noch auf einem Playoff-Platz. Viele Spieler sollten sich aber nicht mehr verletzen, wenn es noch mit einer erfolgreichen Saison klappen soll. Ansonsten droht erneut eine Enttäuschung wie im Vorjahr, als man die Endrunde von der Couch aus verfolgen musste.

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