Texans bleiben das Maß der Dinge
Mit zwei Divisionstiteln in Folge und je einem Playoff-Sieg haben die Houston Texans ihren Status als neuer Platzhirsch im Süden der AFC gefestigt. Und doch herrscht Aufbruchsstimmung: Nach dem Rauswurf von Bobby Slowik übernimmt Nick Caley als neuer Offensive Coordinator. Quarterback C.J. Stroud geht in sein drittes Jahr - das jedoch ohne Laremy Tunsil und Kenyon Green, dazu mit fast komplett neu formierter O-Line.
Im Passspiel sind Stefon Diggs sowie John Metchie III weg, der vergangene Saison übel verletzten Receiver Tank Dell ist noch bis Saisonende verletzt, doch der Kader hat sich in der Breite sogar verbessert: Nico Collins bleibt die klare Nummer eins, flankiert von Neuzugang Christian Kirk sowie den Rookies Jayden Higgins und Jaylin Noel. Damit wirkt die Receiver-Gruppe tiefer und flexibler als im Vorjahr. Sorgen macht dagegen das Backfield: Joe Mixon verpasst mindestens die ersten vier Spiele, Nick Chubb fand in der Preseason nicht zu alter Form. So liegt die Verantwortung zunächst auf Dameon Pierce und Rookie Woody Marks.
Auf der anderen Seite hat sich wenig verändert - und das ist ein gutes Zeichen. Die Defense blieb weitgehend zusammen und stellte 2024 die sechstbeste Einheit der NFL. Unter Head Coach DeMeco Ryans bildet sie auch 2025 wieder das Rückgrat, angeführt von Will Anderson Jr., Danielle Hunter und Jalen Pitre. Somit bleibt die fast komplett neu formierte Line das große Fragezeichen. Sollte sie erneut wackeln oder gar noch schwächer auftreten, droht die Offense trotz vorhandener Qualität ins Straucheln zu geraten. In diesem Fall könnte das Rennen um den Divisiontitel deutlich enger werden, als viele erwarten.
Neue Ära in Jacksonville
Nur 4-13 in Vorjahr, doch die Jacksonville Jaguars haben die Reset-Taste gedrückt. General Manager James Gladstone und Head Coach Liam Coen bilden das jüngste Führungsduo der Liga. Franchise-Quarterback Trevor Lawrence soll im neuen System endlich konstant liefern. Helfen soll ihm ein spektakulärer Neuzugang: Travis Hunter, Heisman-Trophy-Gewinner und Two-Way-Star aus Colorado, für den Jacksonville im Draft aggressiv hochgetradet hat. Dazu kommt mit Brian Thomas Jr., der auf 1282 Yards als Rookie kam, ein Top-Receiver. Und auch mit Neuzugang Tim Patrick ist zu rechnen.
Der neue Head Coach Coen hat im Vorjahr die Offense der Buccaneers von Rang 23 auf Platz 3 katapultiert. Vor allem die Running Backs Bucky Irving und Rashaad White profitierten hier deutlich - und auch Quarterback Baker Mayfield bekam ein leichteres Spiel. In Jacksonville soll nun dasselbe Konzept Travis Etienne, Tank Bigsby und Rookie Bhayshul Tuten in Szene setzen - und Lawrence endlich mehr Stabilität verleihen. Defensiv vertraut man auf den Pass Rush um Josh Allen und Travon Walker, während in der Secondary die Rückkehr von Tyson Campbell enorm wichtig ist.
Fazit: Jacksonville ist unberechenbar. Der Kader ist spannender geworden - nur Spielmacher Lawrence muss nun eben zeigen, dass er mehr ist als eine große Verheißung.
Die Indianapolis Colts und die QB-Frage
In Indianapolis hängt fast alles an der Quarterback-Frage. Daniel Jones hat sich im Camp gegen Anthony Richardson durchgesetzt - eine Überraschung, die zeigt, dass die Coaches Richardson nicht vertrauen. Jones bekommt eine letzte Chance, seine Karriere neu zu beleben. Rundherum stimmen die Waffen: Running Back Jonathan Taylor ist fit und soll wieder als Motor glänzen. Mit Rookie Tight End Tyler Warren, Michael Pittman Jr. und Josh Downs gibt es genug Anspielstationen. Auch die O-Line um den österreichischen Left Tackle Bernhard Raimann bleibt eine Stärke.
Defensiv sorgt der neue Coordinator Lou Anarumo für frischen Wind, verstärkt durch Charvarius Ward und Camryn Bynum in der Secondary. Ein möglicher Breakout-Kandidat ist Laiatu Latu. Der 2024 an Position 15 gedraftete Edge Rusher soll im zweiten Jahr endlich für die dringend benötigte Durchschlagskraft im Pass Rush sorgen. Dennoch: Vier Jahre ohne Playoffs, GM Chris Ballard und Head Coach Shane Steichen stehen unter großem Druck, nur ein positiver Record könnte sie noch retten.
Titans setzen alles auf Ward
Nach dem 3-14-Debakel im Vorjahr steht nun der große Neustart an: Mit dem First Overall Pick holten die Tennessee Titans Quarterback Cam Ward. Der Rookie hat im Camp vor allem nach dem Saison-Aus von Will Levis sofort das Zepter übernommen, bringt Leadership, Tiefenpässe und neue Energie. Unterstützt wird er von einem neugestalteten Umfeld: Tony Pollard soll das Laufspiel tragen, vor allem im Hinblick auf den verletzten Tyjae Spears. Im Receiving Corps stehen mit Calvin Ridley und Tyler Lockett zwei erfahrene Stützen bereit. Dazu kommt Rookie Elic Ayomanor als physischer Empfänger, während Wards College-Kumpel Xavier Restrepo aus dem Practice Squad für Chemie im Slot sorgen könnte.
In der Defense steht wie immer Jeffery Simmons im Zentrum, flankiert von L'Jarius Sneed und Roger McCreary in der Secondary. Problem bleibt die dünne Tiefe. In der Preseason deutete sich an: Ward soll früh viel Spielzeit bekommen, die Titans wollen die neue Ära schnell einläuten. Mehr als eine Entwicklungssaison ist zwar kaum drin, doch ein paar Überraschungen sind nicht ausgeschlossen.