Seit ihrem Super-Bowl-Einzug 2022 stellt man sich bei den Cincinnati Bengals die Frage, ob Quarterback Joe Burrow und seinem Team der große Wurf gelingt.
Diesem Ziel hechelt das Team jedoch seither hinterher, in den vergangenen zwei Jahren gelangen sogar nicht einmal der Playoff-Einzug, obwohl die Offense zuletzt Traum-Zahlen produzierte. Die Frage ist daher: Wird es in diesem Jahr wieder besser?
Bengals verpassten im Vorjahr trotz starken Zahlen die Playoffs
Vergangene Saison startete Cincinnati wieder einmal mit unnötigen Niederlagen in die Saison, ehe Burrow und die Offense ins Rollen kamen. Doch der Schlussspurt kam zu spät - das Team verpasste die Playoffs denkbar knapp.
Und das, obwohl die Offense spektakulär war: Joe Burrow warf mehr Yards als jeder andere Quarterback, Ja'Marr Chase dominierte als NFL-Leader in allen Receiving-Kategorien, und Hendrickson sammelte die meisten Sacks. Ein historisches Versagen.
Doch hinter all dem Glanz verbarg sich ein altbekanntes Problem: die Trenches. Die O-Line erlaubte eine Pressure Rate von über 30 Prozent - Platz 27 von 32 Teams. Gleichzeitig fehlte defensiv neben Hendrickson Konstanz im Pass Rush und in der Secondary.
Bengals haben neuen DC
Zac Taylor geht in seine siebte Saison als Head Coach. Dan Pitcher bleibt Offensive Coordinator und begleitet Burrow ins zweite Jahr mit eigener Handschrift als Playcaller.
Die größte Veränderung gibt es in der Defense: Lou Anarumo ist weg, Al Golden übernimmt. Nach drei Jahren bei Notre Dame bringt er frische Impulse in die NFL und hat die klare Aufgabe, die anfällige Unit zu stabilisieren.
Bengals-Offense mit Star-Power, aber Sorgen in der O-Line
Die Bengals setzen weiterhin voll auf ihre Superstars. Burrow, Chase und Tee Higgins bilden eines der gefährlichsten Trios der Liga, kein Team investiert mehr Geld in seine beiden Top-Wide Receiver. Beide Stars haben langfristige Verträge unterschrieben, was der Offense Kontinuität und Schlagkraft garantiert. Ergänzt wird das Ganze durch Mike Gesicki, der als Receiving Tight End wichtige Matchup-Vorteile bringt.
In der Offensive Line bleiben große Baustellen. Amarius Mims geht in sein zweites Jahr und soll sich als fester Right Tackle etablieren, während Rookie Dylan Fairchild wohl früh als Starter auf der Guard-Position ran muss. Aber insgesamt bleibt die Line klar in der unteren Tabellenhälfte. Der Vorteil: Burrow gehört zu den besten Quarterbacks unter Druck - nur Lamar Jackson spielte in solchen Situationen 2024 besser.
Im Backfield tragen Samaje Perine, Chase Brown und Rookie Tahj Brooks die Last - kein Elite-Trio, aber solide genug, um die Offense variabel zu halten. Am Ende hängt jedoch alles an Burrow, Chase und Higgins. Sie machen die Bengals auch hinter einer schwachen Line zu einem Playoff-Kandidaten. Die Frage ist nur: Wie lange kann Burrow das Niveau unter ständigem Druck aufrechterhalten - und wie lange hält sein Körper das durch?
Defense
Die Defense bleibt die große Unbekannte. Trey Hendrickson ist der Fixpunkt - der Sack-Leader hat nach langem Streit seine verdiente Gehaltserhöhung bekommen. Um ihn herum ist vieles unklar: Sheldon Rankins, Germaine Pratt und Mike Hilton sind weg, Sam Hubbard hat seine Karriere beendet. Hoffnung liegt auf Erstrundenpick Shemar Stewart, der ebenfalls spät ins Camp kam, und auf Myles Murphy, der nach schwacher Rookie-Saison den Durchbruch schaffen muss.
Die Secondary wirkt durchschnittlich. Mit DJ Turner, Cam Taylor-Britt und Dax Hill stehen drei solide Starter zur Verfügung, doch keiner gilt als verlässlicher Passverteidiger gegen den gegnerischen Nummer-1-Receiver. Auf Safety bilden Geno Stone und Jordan Battle ein Duo, das schon gute Leistungen gezeigt hat, aber konstanter werden muss. X-Faktor könnte Ex-Erstrundenpick Hill sein, sofern er endlich verletzungsfrei bleibt.
Unterm Strich: Hendrickson ist der Superstar, alles dahinter ist eine Baustelle. Golden soll neuen Schwung in die Unit bringen und dafür sorgen, dass die Schwächen kaschiert werden.
Was ist die Hoffnung der Bengals für die neue Saison?
Die Bengals sind ein paradoxes Team: offensiv mit dem vielleicht besten Dreigestirn der NFL, defensiv aber voller Fragezeichen. Burrow, Chase und Higgins können alleine Spiele entscheiden. Doch wenn die O-Line weiter wackelt und die Defense erneut schwächelt, reicht auch ein MVP-Burrow nicht für einen tiefen Playoff-Run - das hat die vergangene Spielzeit deutlich gezeigt.
Das Ziel für 2025 ist klar: Playoffs - und mit Burrow ist dort alles möglich. Dafür muss das Team endlich konstant abliefern und darf nicht wieder erst im November heißlaufen. Die Offense muss dafür ihr absurdes Niveau halten, sonst wird es in der AFC nicht für mehr als eine Statistenrolle reichen.
Am Ende bleibt es für die Bengals der Ritt auf der Rasierklinge - zwischen historischer Offense und einer Defense, die jede Hoffnung im falschen Moment zunichtemachen könnte.