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Cam Ward und die Bürde des Nummer-eins-Picks

kicker

Kaum eine Frage ist in der NFL so wichtig zu beantworten wie die, ob man seinen Franchise-Quarterback gefunden hat oder nicht. Somit stand auch in Nashville, Tennessee die Evaluation von Rookie-Quarterback Cam Ward ganz oben auf der Prioritätenliste für diese Saison.

In der Theorie wurden dafür richtige Schritte unternommen - von der Offensive Line bis zum Coaching. Jetzt, nach vier Spieltagen, tun sich allerdings Fragezeichen auf, allen voran, inwiefern man die Leistungen des jungen Spielmachers überhaupt bewerten kann.

Ward findet klare Worte nach Texans-Pleite

Eines ist sicher: Von Plattitüden und leeren Phrasen scheint der 23-jährige Cam Ward bereits nach vier Spieltagen genug zu haben. Nach der 0:26-Niederlage gegen den Divisionrivalen, die bis dato sieglosen Houston Texans, machte der junge Quarterback jedenfalls keinen Hehl aus seiner Unzufriedenheit: "Wir sind schei**", konstatierte er auf der anschließenden Pressekonferenz.

Von fallengelassenen Bällen, über fehlender Abstimmung auf dem Feld bis hin zu eklatanten Strafen, welche die Titans in noch schwere Down-Situationen brachten - nichts schien bei den Titans zu funktionieren. Ergo, in Summe stand am Ende kein erzielter Punkt auf der Anzeigetafel. Ward nahm die Hauptschuld auf sich, wie es sich für einen echten Anführer gehört. Wie es die Verantwortlichen in Nashville von ihrem Franchise-Quarterback erwarten.

Muss Ward schon jetzt um einen Platz bangen?

Nichtsdestotrotz birgt die aktuelle sportliche Situation ein gewaltiges Risiko - und die Stimmung von Ward ist es nicht. Es ist die Gefahr, dass man zum Ende der Saison kein fundiertes Urteil fällen kann, ob der Nummer-eins-Pick des vergangenen Drafts nun langfristig die Antwort auf der Quarterback-Position ist oder nicht.

Es ist das Risiko, dass man ein Jahr des wertvollen Rookie-Vertrags verschwendet hat und obendrein in der Offseason - wahrscheinlich mit neuem Regime - vor der Grundsatzfrage steht, ob die neuen Verantwortlichen Ward denn überhaupt ein weiteres Jahr geben oder ob man im Draft, wo man eventuell wieder sehr hoch draften darf, erneut von vorne anfängt - mit einem neuen Spielmacher.

Unwahrscheinlich? Ja. Unmöglich? Keinesfalls. Ex-Arizona-Cardinals-Quarterback Josh Rosen kann dazu ein ganzes Album verfassen.

Denn so unfair es erscheinen mag, bleibt die NFL eine ergebnisorientierte Liga. Und gewinnen die Titans mit Ward ihre Spiele nicht, welchen Grund hätte ein neues Regime an den Altlasten der Vorgänger festzuhalten?

Der Stuhl brennt: Brian Callahan ist angezählt

Stichwort "Altlasten": Der heißeste Stuhl in der NFL dürfte aktuell der von Brian Callahan sein. Angetreten im Januar 2024 galt der 41-Jährige als verheißungsvoller Cheftrainer. Jetzt, 18 Niederlagen später, etabliert sich zunehmend die Perspektive, dass er zwar ein guter Positions-Trainer ist, es aber an den Qualitäten für einen fähigen Head Coach mangelt.

Exemplarisch dafür steht eine Spielszene vom vergangenen Wochenende: Im dritten Viertel und bei einem Punkt Rückstand fängt Titans-Receiver Elic Ayomanor einen 21-Yard-Pass an der Seitenlinie. Sein Körper geht out of bounds, doch nicht bevor ein Ellbogen im Feld landet. Laut Regelwerk ausreichend für einen vollständigen Pass. Die Unparteiischen entscheiden allerdings auf incomplete. Callahan - mit der Möglichkeit, die rote Flagge zu werfen und die Entscheidung zu challegen - bleibt untätig. Die Titans verlieren später das Angriffsrecht und Houston zieht im letzten Viertel davon. Eine Schlüsselszene.

Als Callahan auf der Pressekonferenz von einem Reporter mehrmals auf die Situation angesprochen wird, kristallisiert sich heraus: Der Titans-Cheftrainer war sich der Regel nicht bewusst, war davon ausgegangen, ein Ellbogen wäre nicht ausreichend. Fatal! Seither hat der 41-Jährige seine Aussagen zwar als "Versprecher" deklariert und betont, er habe die Regel gekannt, gestärkt hat das seine Position allerdings nicht.

Allgemein wirkt vieles unglücklich und wenig überzeugend, was derzeit an der Seitenlinie der Titans passiert. Somit dürfte die Frage nicht länger sein, ob Tennessee bald einen neuen Head Coach haben wird, sondern lediglich wann - wenig förderlich für die Evaluation eines jungen Quarterbacks.

Titans und das Problem der Kaderzusammenstellung

Insbesondere, wenn man mittlerweile mehrere Argumente finden kann, dass auch der Rest des Rosters eine faire Bewertung von Ward kaum zulässt. Der 23-Jährige hat in seinen Auftritten vielversprechende Ansätze gezeigt, kämpft aber nicht nur gegen die gegnerische Defense, sondern auch die Umstände seines eigenen Teams.

Die Titans kassieren so viele Strafen wie kein anderes Team. Sie geraten dadurch immer wieder in lange Downs. Folge? Das Laufspiel, das mit Runningback Tony Pollard gut funktionieren könnte, wird limitiert. Ward muss sich derweil noch mehr Zeit kaufen, da seine Passempfänger längere Routen laufen müssen.

Weniger problematisch wäre all das, könnte der Titans-Quarterback zumindest auf eine starke Offensive Line oder überdurchschnittlich gute Receiver vertrauen. Beides ist jedoch nicht der Fall. Während sich die O-Line-Starter in Tennessee sehr gut lesen, fehlt es dahinter an qualitativer Tiefe. Aktuelle Verletzungssorgen belegen das. Hinzu kommt ein Wide-Receiver-Kern, der zwar solide ist - Rookie Elic Ayomanor stellte seine Klasse bereits unter Beweis - , dem es an der ganz großen Qualität jedoch fehlt.

Übersetzt bedeutet das: Entweder fehlt Ward die Zeit, durch seine Reads zu gehen, oder - wenn er die Zeit bekommt - bleibt der Faktor, dass seine Passempfänger länger brauchen, um anspielbar zu sein. Das Problem der Kaderzusammenstellung, welches bereits unter Ran Carson bestand, scheint auch unter dem aktuellen General Manager Mike Borgonzi nicht behoben zu sein.

Evaluation von Ward extrem schwierig

Nun ist die Vergleichsmenge noch gering: Wie bereits erwähnt, liegen erst vier Spieltage hinter dem Team. Trotzdem: Die Evaluation von Rookie-Quarterback Cam Ward fällt zum jetzigen Zeitpunkt schon mal schwer.

Sei es das Coaching, das wenig vorteilhaft ist, die Verletzungssorgen in der Offensive Line sowie die dahinter fehlende Qualität, oder auch der nicht vorhandene Nummer-eins-Receiver in Nashville, der das Leben eines jungen Spielmachers vereinfachen kann.

Cam Ward trägt die Bürde des Nummer-eins-Picks und die Titans täten gut daran, dafür zu sorgen, dass man zum Ende der Saison um einiges schlauer ist, was seine Qualitäten anbelangt, als momentan.