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Colts eine Top-5-Offense? Chargers ein Titelkandidat? Die Prognose für die Überraschungsteams

kicker

Indianapolis Colts

Die bisherigen Gegner: Dolphins, Broncos, TitansDie nächsten drei Gegner: Rams, Raiders, Cardinals

Warum ist der 3-0-Start überraschend? Die Giants bereuten den Vertrag, den sie Daniel Jones nach seiner besten Saison gegeben hatten, sehr schnell. Nach Indianapolis kam er als teure Absicherung, sollte Anthony Richardson nicht zeigen, dass er bereit ist, als Starter zu übernehmen.

Er war nicht bereit.

Doch als die Colts die Entscheidung verkündeten, den in New York aussortierten Jones starten zu lassen, wirkte das wie ein verzweifelter Move, um sich halbwegs im Mittelmaß zu halten. Die beste Chance, zumindest die eigenen Jobs zu retten.

Der Kader ist gut, aber selbst optimistischste Colts-Fans dürften das, was wir bislang von Jones sehen, nicht erwartet haben. Indianapolis hat über die ersten drei Wochen der Saison nicht nur statistisch eine Top-3-Offense, sondern diese Offense macht mehr Spaß als alle Colts-Offenses seit dem Ende der Andrew-Luck-Ära.

Welche Fragen stehen noch im Raum?

Wie funktioniert die Offense in negativen Game Scripts - und inwieweit kann die Defense diese gegen Top-10-Offenses verhindern?

Das sind die Schlüsselfragen rund um die Colts. Viel wird derzeit über die Offense um Daniel Jones gesprochen, die Defense, die nun mit Mike Hilton verstärkt wurde, aber hatte bislang einen vergleichsweise angenehmen Start in die Saison - und hat in diesen Spielen fraglos ihren Teil beigetragen. Mit den Titans und den Dolphins waren zwei der drei bisherigen Gegner Teams, die voraussichtlich im nächsten Draft sehr hoch picken werden.

Gegen die Titans führte Indianapolis nach einem frühen Pick Six von Cam Ward bereits, bevor die Offense überhaupt zum ersten Mal das Feld betrat. Diese Führung gaben die Colts nie wieder ab, zur Halbzeit stand es 20:6 und früh im dritten Viertel dann 27:6. Gegen Miami stand es nach zwei frühen Dolphins-Turnovern Mitte des zweiten Viertels schon 17:0, auch hier stand die Offense keinen einzigen Snap im Rückstand auf dem Platz.

Gegen Denver war es zwar ein enger Schlagabtausch, doch zu keinem Zeitpunkt lag Indianapolis mehr als acht Punkte im Rückstand.

Die Colts-Offense macht bislang sehr viel Spaß, aber wie robust ist Indianapolis hier, wenn man mal gegen ein Playoff-Kaliber-Team in der zweiten Hälfte mit zehn Punkten hinten liegt? Was, wenn es aufs Dropback Passing Game ankommt? Dieses Szenario haben wir noch nicht gesehen, daran aber werden sie sich messen lassen müssen, wenn es Richtung Playoffs geht.

Die umfassendere Frage wäre: Wie lange kann Daniel Jones diese Schlagzahl aufrechterhalten? Doch ich denke, dass das direkt mit der eingangs gestellten Frage zusammenhängt.

Denn Jones spielt gut, keine Frage. Aber er spielt in erster Linie gut, weil die Umstände gut sind und für ihn arbeiten. Ganz im Gegensatz zu seiner Giants-Zeit.

Deshalb wäre ein Jones-Einbruch mehr ein Symptom für andere Probleme. Wir wissen, dass Jones diese Offense im Zweifelsfall nicht über einen längeren Zeitraum tragen kann. Also muss die primäre Frage nicht lauten, wann Jones einbricht, sondern eher, wie lange die Colts dieses bis dato so fantastisch funktionierende Gesamt-Ökosystem aufrechterhalten können.

Fazit: Wie stark sind die Colts wirklich?

Die Colts haben in den ersten drei Spielen ein Mal gepuntet, das hat es in der modernen NFL noch nie gegeben. Die Offense ist Top-3 in Expected Points Added pro Play und in Success Rate, und im Gegensatz zu einem Strohfeuer wie den Saints aus der vergangenen Saison scheint die Colts-Offense viel mehr Substanz zu haben.

Insbesondere mit Blick auf die eigene Division bin ich zuversichtlich bei den Colts. Die Texans sind bis dato eine große Enttäuschung, Jacksonville spielt solide, aber offensiv noch sehr inkonstant. Und der Schedule für Indianapolis ist machbar.

Zu den Top-Teams in der Conference fehlen mindestens zwei Stufen. Aber Indianapolis hat eine sehr reelle Chance auf ein Playoff-Ticket.

Los Angeles Chargers

Die bisherigen Gegner: Chiefs, Raiders, BroncosDie nächsten drei Gegner: Giants, Commanders, Dolphins

Warum ist der 3-0-Start überraschend? Weil die Chargers die Offseason auffallend passiv angegangen sind und ein Team, das letztes Jahr insbesondere defensiv deutlich über seinem individuellen Level gespielt hat, auf dem Papier eher schlechter wurde.

Das, und die Art und Weise, wie die Chargers spielen. Nicht nur, dass sie defensiv bislang die zu erwartende Regression abwenden konnten: Die Offense, die spätestens mit dem Omarion-Hampton-Pick klar auf Kurs schien, das Run Game jetzt doch wieder in den Fokus zu rücken, hat auf eindrucksvolle Art und Weise an das angeknüpft, was wir letztes Jahr im Laufe der Saison gesehen haben: Das Passing Game steht eindeutig im Fokus. Hier gewinnen die Chargers bislang ihre Spiele.

Welche Fragen stehen noch im Raum?

Ist die individuelle Qualität um Justin Herbert herum gut genug, damit das Passing Game die Chargers die Saison über trägt?

Quentin Johnston scheint einen Sprung gemacht zu haben, während Keenan Allen zumindest bislang zeigt, dass er noch etwas im Tank hat. Das sind erste Erkenntnisse nach drei Wochen - ob das über die nächsten drei Monate so bleibt, ist eine andere Frage. Und angesichts der Schwachstellen in der Offensive Line und der Abhängigkeit vom Passing Game dürfen sich die Chargers hier keine Leistungseinbrüche erlauben.

Auf der defensiven Seite bin ich einerseits beeindruckt davon, wie viel die Coaches aus dieser Unit herausholen. Gleichzeitig war das schon das Thema letztes Jahr, und später in der Saison haben gegnerische Coaches mehr Antworten gefunden. Wenn das dieses Jahr wieder passiert, fehlt vermutlich abermals die individuelle Qualität, um das zu kompensieren.

Fazit: Wie stark sind die Chargers wirklich?

Wenn Justin Herbert das Level, das er in den ersten drei Wochen hatte, über die ganze Saison aufrechterhalten kann, dann können die Chargers so ziemlich jedes Team schlagen.

Doch ist das viel verlangt. Die Defense kam gegen Denver bereits mit einem blauen Auge davon, in erster Linie, weil Bo Nix viele Bälle und darunter mehrere Shot-Play-Gelegenheiten verfehlte. Bessere Quarterbacks werden das noch mehr bestrafen, und auch die Offensive Line bekam gegen den starken Broncos-Pass-Rush ihre Grenzen aufgezeigt.

Mit drei Division-Siegen zum Auftakt sind die Chargers erst einmal in einer sehr komfortablen Position. Und keines der anderen drei Teams in der AFC West macht bislang den Eindruck, dass man eine zeitnahe Leistungsexplosion erwarten müsse. Auch wenn zumindest bei den Chiefs ein Run an irgendeinem Punkt in der Saison nie auszuschließen ist.

Die komfortable Führung in der Division in Kombination mit einem qualitativ eher überschaubaren AFC-Wild-Card-Kandidatenfeld macht die Chargers für mich in der Prognose zum Playoff-Team. Doch auch nicht mehr: Um in der Postseason wirklich Alarm zu machen, fehlen den Chargers die individuellen Difference-Maker auf allerhöchstem Level.

San Francisco 49ers

Die bisherigen Gegner: Seahawks, Saints, CardinalsDie nächsten drei Gegner: Jaguars, Rams, Buccaneers

Warum ist der 3-0-Start überraschend? In erster Linie angesichts der Ausfälle. Brock Purdy hat die vergangenen beiden Spiele verpasst, genau wie George Kittle. Brandon Aiyuk fehlt noch, Jauan Jennings war zuletzt nicht dabei und die Guards Spencer Burford und Ben Bartch sind auf Injured Reserve. Zudem verletzten sich im Spiel gegen Arizona die Edge-Rusher Nick Bosa und Mykel Williams. Bosa wird entgegen der ersten, positiveren Berichte nun doch die gesamte restliche Saison verpassen.

Ein Argument für eine gute 49ers-Saison war immer der - im Vorfeld der Saison - leichteste Schedule in der NFL. Das hat sicher auch über die ersten Wochen geholfen. Die Saints sind ein sehr machbarer Gegner, Arizona hat auch seine Probleme und kam ebenfalls sehr angeschlagen nach San Francisco und die Seahawks-Offense war in Week 1 noch ausgesprochen wacklig.

Doch zu sehen, wie San Francisco trotz der Ausfälle Spiele gewinnt, spiegelt einen anderen Vibe wider als das, was die 49ers in der vergangenen Saison an den Tag gelegt haben.

Welche Fragen stehen noch im Raum?

Neben dem obligatorischen "Wann kommt welcher verletzte Spieler zurück?" steht hier die Ceiling-Frage im Vordergrund. Sprich: Was ist nach oben noch möglich?

Die Defense macht in den ersten Spielen wieder unter Robert Saleh einen völlig anderen Eindruck: Mehr Physis, mehr Speed, mehr Gradlinigkeit. Das hebt das ganze Team spürbar an. Die Offense war bislang noch gar nicht wirklich "komplett" auf dem Platz, insofern haben wir da nicht einmal eine Sample Size, mit der man nach drei Wochen irgendwie arbeiten kann.

Mit diesen Aspekten im Hinterkopf ist der 3-0-Start umso beeindruckender. Und er gibt ein wenig mehr Sicherheit, ehe jetzt einige stärkere Gegner warten.

Es ist eine langweilige, wenig analytische Antwort. Aber die größte Frage spezifisch bei den 49ers lautet: Bekommen wir dieses Team irgendwann im Laufe der Saison mal auf 100 Prozent? Sind alle Stars - Bosa nun leider bereits ausgeschlossen - und Leistungsträger irgendwann gleichzeitig auf dem Platz?

Weil dann kann dieses Team auch in der Postseason gefährlich sein.

Fazit: Wie stark sind die 49ers wirklich?

Ich bin mir relativ sicher, dass wir die beste Version dieses Teams noch nicht gesehen haben. Gegen Seattle setzte die Defense eine erste Duftmarke ab, diese Unit kann sich im Laufe der Saison noch steigern. Auch wenn jetzt der Verlust von Bosa erst aufgefangen werden muss, und das ist auch mit dem ganz weiten Blick schon Richtung Playoffs ebenfalls eine herbe Schwächung. Insbesondere da braucht man seinen Superstar-Pass-Rusher.

Die Offense hatte Ansätze, verlor aber Kittle früh im Spiel und Purdy hatte eine Achterbahn-Partie, mit Highlights, aber auch klaren Lowlights. Auch hier muss man von einer Steigerung im Laufe der Spielzeit ausgehen, wenn das Waffenarsenal sich wieder füllt und auch Purdy wieder bei 100 Prozent ist.

Ich gehe davon aus, dass San Francisco bis zum Ende um diese Division mitspielt mit einer reellen Chance, die NFC West zu gewinnen. In den Playoffs sehe ich die 49ers - sofern nicht weitere Leistungsträger ausfallen - definitiv.

Tampa Bay Buccaneers

Die bisherigen Gegner: Falcons, Texans, JetsDie nächsten drei Gegner: Eagles, Seahawks, 49ers

Warum ist der 3-0-Start überraschend? Ähnlich wie bei den 49ers, vor allem aufgrund der Verletzungen. Unter anderem Tristan Wirfs, Chris Godwin, Luke Goedeke, Cody Mauch, Jalen McMilan, Calijah Kancey und gegen die Jets musste auch Mike Evans verletzt raus: Das ist eine nicht nur lange, sondern auch eine prominent besetzte Liste.

Dass die Bucs ihre Saison dennoch mit drei Siegen eröffnet haben, unterstreicht, wie gut die Gesamtqualität in diesem Kader ist - und wie hoch der Standard in Tampa Bay mittlerweile ist.

Welche Fragen stehen noch im Raum?

Baker Mayfield hatte bislang in dieser Saison eine gehörige Portion Turnover-Glück, und ein Stück weit geht das mit seiner Spielweise einher. Selbst in seiner ansonsten statistisch fantastischen vergangenen Saison warf Mayfield 16 Picks. Das muss man zu einem gewissen Grad in Kauf nehmen, auch wenn es die Bucs das eine oder andere Spiel noch kosten wird. Aktuell kreiert Mayfield mit seiner Spielweise auch viel für die Offense.

Ich schaue bei den Bucs vor allem auf die Line of Scrimmage. Die Offensive Line spielt aktuell mit drei Backups, zumindest die beiden Tackles sollten in halbwegs absehbarer Zeit zurückkommen. Kann diese Line dann auch ohne Mauch ihr Vorjahres-Level erreichen? Das würde der Offense sehr viel mehr Stabilität geben. Das Run Game ist noch nicht da, wo es letztes Jahr war.

Und kann die Defensive Line genug Pass-Rush kreieren? Bisher war das der Fall, aber auch mit einer gewissen Inkonstanz. Ohne Kancey wird auch das nicht einfacher.

Das sind Themen, die mittel- und langfristig im Laufe der Saison beantwortet werden müssen. Diese Fragen sind aber entscheidend, wenn es darum geht, ob die Bucs auch in den Playoffs ein ernsthaftes Wörtchen mitreden können.

Fazit: Wie stark sind die Buccaneers wirklich?

Tampa Bay hatte holprige Momente über die ersten drei Wochen, sieht aber dennoch wie das klar beste Team in der NFC South aus. Die Division sollte nur über die Bucs gehen, und, ähnlich wie San Francisco, mit einem kleineren Lazarett kann Tampa Bay auch noch deutlich an Feuerkraft zulegen.

Die nächsten drei Wochen werden uns einiges über dieses Team verraten. Können sie mit der NFC-Spitze mithalten? Diese Woche geht es gegen Philadelphia. Und wie gut sind die Bucs im Vergleich mit anderen NFC-Teams, die im Playoff-Rennen sein sollten? Die Spiele gegen Seattle und San Francisco werden uns da mehr Aufschluss geben.

Ich sehe die Bucs noch klarer als Division-Favorit, als ohnehin vor der Saison schon. Und sehe hier ein Team, das, wenn es heiß läuft, auch in den NFC-Playoffs etwas reißen kann.