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Daniel Jones? Sam Darnold? Das verrückteste MVP-Rennen seit Jahren!

kicker

Am Ende war das MVP-Rennen über die letzten Jahre dann doch immer eine Nummer mit wenigen Überraschungen. Seit 2017 haben Tom Brady, Patrick Mahomes, Lamar Jackson, Aaron Rodgers und Josh Allen diesen Award unter sich ausgemacht. Das sind die größten Quarterback-Namen der letzten zehn Jahre und diejenigen, die diesen Titel so gesehen eben auch unter sich ausmachen sollten.

Wenn man in den jeweiligen Saisons zurück spult, dann fokussierten sich die jeweiligen MVP-Diskussionen auch eher auf andere Spieler. Also: Sollte Christian McCaffrey nicht MVP werden? Ist Saquon Barkley nicht wichtiger als jeder Quarterback? Cooper Kupp bekam 2021 in seiner Triple-Crown-Saison immerhin eine MVP-Stimme, und seit das Verfahren zur Abstimmung erweitert wurde, tauchen auch Spieler wie Nick Bosa und Micah Parsons hier hin und wieder auf.

Worauf ich hinaus will: MVP-Diskussionen waren zumeist: Quarterback 1 oder Quarterback 2 (Brock Purdy gegen Lamar Jackson, Lamar Jackson gegen Josh Allen und so weiter) - oder aber die erweiterte "kann ein Non-Quarterback überhaupt MVP werden?"-Diskussion. Für mich in der heutigen NFL ein klares Nein, aber angesichts der dominanten Saison insbesondere einiger Running Backs zuletzt wird das Thema auch weiter präsent bleiben. Dieses Jahr wird Christian McCaffrey hier wieder auftauchen, vermutlich Jonathan Taylor für manche ebenfalls.

Doch insgesamt betrachtet fühlt sich das erste MVP-Stimmungsbarometer in dieser Saison anders an. Weil es keine dieser beiden MVP-typischen Diskussionen ist - sondern eher eine Vielzahl an Quarterbacks ihren Namen in den Ring werfen, die vor der Saison kaum jemand als MVP-Kandidat auch nur im erweiterten Kreis auf dem Zettel hatte.

Denn während Lamar Jackson und Joe Burrow verletzt sind, Josh Allen als gerade frisch gebackener MVP gut, aber nicht herausragend spielt und Patrick Mahomes eine gewisse Anlaufphase in die Saison gebraucht hat, sind es Quarterbacks wie Baker Mayfield, Sam Darnold, Daniel Jones und Drake Maye die plötzlich in der MVP-Diskussion genannt werden. Und das aus, zumindest auf den ersten Blick, nachvollziehbaren Gründen!

Vielleicht sehen wir sogar im weiteren Saisonverlauf, dass die "MVP Formel" dieses Jahr hinterfragt wird. Denn es ist kein Geheimnis, was es zumindest statistisch braucht, um eine reelle Chance auf den Award zu haben.

MVP wird in der Regel ein Quarterback, dessen Team mindestens zwölf Spiele und die eigene Division gewinnt, einen der beiden Top-Seeds seiner Conference holt und in den Expected Points Added pro Play unter Quarterbacks auf Platz eins oder zwei rangiert.

Diese Formel lässt sich sehr verlässlich auf die letzten Jahre anwenden. Und vielleicht treffen diese Kriterien am Ende ja sogar auf etwa Baker Mayfield zu. Doch bis dahin ist noch ein weiter Weg, und angesichts des ungewöhnlichen MVP-Rennens der bisherigen Saison steht eine Frage im Vordergrund: Welcher der unerwarteten MVP-Kandidaten knickt ein - und über wen sprechen wir auch in zwei Monaten noch in diesem Kontext?

MVP Rennen 2025: Die Prognose nach Woche 7

Die Kandidaten sind nach meiner Prediction gerankt. Platz 1 ist also mein MVP-Favorit in der weiteren Prognose. In Klammern steht, wo der jeweilige Kandidat aktuell bei den Buchmachern im MVP-Rennen rangiert.

1. Patrick Mahomes, Kansas City Chiefs (Platz 1)

Wenden wir einmal die MVP-Qualifier an: Mahomes ist nach sieben Wochen auf Platz 8 in Expected Points Added pro Play unter Quarterbacks, mit positivem Trend: Platz 2 ist es über die letzten drei Wochen. Die Chiefs stehen 4-3 und haben mit noch zwei direkten Duellen gegen Denver die Division in der eigenen Hand. Das direkte Duell gegen die Bills in zwei Wochen ist der Schlüssel, um sich vielleicht am Ende den Nummer-1-Seed in der Conference zu sichern.

Und während Kansas City insgesamt zwar Record-technisch dem wackeligen Saisonstart noch hinterherläuft, ist es nicht von der Hand zu weisen, wie sehr sich das Team seit einigen Wochen gesteigert hat.

Jetzt ist Rashee Rice zurück und die Offense kann endlich aus allen Rohren feuern. Und vermutlich wird es den einen oder anderen Shootout mehr auch geben, einfach weil die Defense nicht so stark ist wie zuletzt. Die Raiders sind dieser Tage kein Maßstab für mögliche MVP-Kandidaten, aber es war positiv zu sehen, dass Rice direkt wieder so ein großer Faktor in der Offense war.

Mahomes spielt direkt noch gegen drei Kandidaten hier auf der Liste: Gegen die Bills und Josh Allen in zwei Wochen, gegen die Cowboys und Dak Prescott in Woche 13 und gegen die Chargers und Justin Herbert in Woche 15. Spiele, in denen Mahomes mit guten Leistungen die schwächeren Auftritte zum Saisonstart komplett egalisieren kann, wenn es an die Abstimmung geht.

Und genau das ist meine Prognose hier. Ich sehe seit nunmehr vier Wochen klare Fortschritte in der Chiefs-Offense und erwarte, dass sich diese Unit jetzt noch weiter steigert. Das sollte die Chiefs zum Division-Sieg und potenziell auch einmal mehr an die Spitze der Conference katapultieren. Und dann wird es schwer, an Mahomes vorbei zu kommen.

2. Drake Maye, New England Patriots (Platz 3)

Hier haben wir den ersten direkten Konflikt, denn: Nur Josh Allen oder Drake Maye kann die eigene Division gewinnen und hat damit auch eine Chance auf einen der Top Seeds in der AFC. Ich habe sie auf Platz 2 und Platz 3 in der Prognose, sehe Maye aber aus zwei Gründen vorne: Der restliche Schedule - und die Tatsache, dass Allen der amtierende Titelträger ist. Dazu gleich mehr.

Maye ist der Quarterback-Shootingstar der bisherigen Saison. Abgesehen vom Spiel gegen Pittsburgh, in dem er selbst, genau wie seine Running Backs, viel zu unvorsichtig in puncto Turnovern war, spielt er bislang auf Top-8-Quarterback-Level. Vielleicht sogar höher als das. Gegen Buffalo gelang ihm sein erster Statement-Sieg, gegen die Saints in der Woche drauf spielte er das vielleicht beste Spiel seiner bisherigen Karriere.

Es wird interessant sein, zu sehen, wie diese Patriots-Saison in der allgemeinen Wahrnehmung betrachtet werden wird, sollte New England eine zweistellige Anzahl an Spielen und die Division gewinnen, was absolut möglich ist.

Vielleicht wird dann Mike Vrabel eher Coach of the Year, als dass Maye MVP wird. Das wäre keine ungewöhnliche Dynamik. Und sicher, Vrabel hat hier seinen Anteil an diesem schnellen Turnaround. Aber man muss auch bedenken, dass Maye de facto ohne jegliche Hilfe vom Run Game und mit einer immer noch bestenfalls durchschnittlichen Playmaker-Gruppe derzeit diese Zahlen auflegt. Sollte er das bis Saisonende aufrecht erhalten können, wird er zurecht einen beträchtlichen Teil des Credits bekommen.

Die Patriots haben bis zum Rematch mit den Bills Mitte Dezember einen relativ machbaren Schedule. Das direkte Duell gegen Baker Mayfield und die Buccaneers am 9. November ist hervorzuheben, ansonsten geht es bis dahin gegen die Browns, die Falcons, die Jets, die Bengals und die Giants. New England könnte in Woche 15 dann gegen die Bills sogar für eine Vorentscheidung in der AFC East sorgen.

Die Schwierigkeit des Schedules - die Patriots gingen nach den 49ers mit dem einfachsten Schedule in diese Saison, und bisher hat sich das bestätigt - kann ein Argument gegen Maye sein. Aber es könnte eben auch das Sprungbrett für die Patriots sein, um sich die Division zu sichern. Und vielleicht ja sogar mehr als das.

3. Josh Allen, Buffalo Bills (Platz 2)

Vielleicht der Kandidat, den ich noch mit am wenigsten greifen kann. Natürlich ist Allen ein toller Spieler, und man kann einen Case dafür machen, dass er der beste Quarterback in der NFL ist.

Er spielt auch dieses Jahr keineswegs schlecht, und mit dem Comeback-Sieg gegen die Ravens in Woche 1 hat er auch schon ein Ausrufezeichen in der Tasche.

Was danach kam, war bislang eher "good not great". Sprich: Gegen die Jets, Dolphins und Saints viel verwaltet, gegen die Patriots und Falcons verloren. Und insbesondere gegen Atlanta hatte auch Allen selbst einige Probleme.

Und nicht falsch verstehen: Es wird für Allen Gelegenheiten geben, sich in die Pole Position zu schieben, auch als amtierender MVP: Schlagen seine Bills mit überzeugenden Auftritten von Allen die Chiefs, Bucs und Eagles im weiteren Saisonverlauf, und verweisen die Patriots auf den zweiten Platz in der Division, ist es absolut denkbar, dass Allen das stärkste Resümee hat.

Ob er damit dann auch den Award gewinnt, bleibt abzuwarten. Denn es könnte sich dann auch das Spiel aus der vergangenen Saison wiederholen, dieses Mal zu seinem Nachteil: Lamar Jackson wurde 2023 mit einer vergleichsweise "schwächeren" Saison MVP, was in meinen Augen ganz klar dazu führte, dass er 2024, als er eine historische Saison spielte, den Award, den er dort hätte bekommen sollen, nicht erhielt. Stattdessen wurde Allen zum MVP gewählt. Gut möglich, dass seine Bewerbung dieses Jahr deshalb umso überzeugender sein muss.

4. Baker Mayfield, Tampa Bay Buccaneers (Platz 4)

Das Monday Night Game in Detroit war - unglücklicherweise für Mayfields MVP-Case an diesem Punkt - sein ohne Frage schlechtestes Saisonspiel. Mayfield überwarf Receiver mehrfach, ließ zwei mögliche Touchdowns liegen und konnte dieses Mal nicht spät im Spiel noch zaubern.

Es ist noch einigermaßen früh in der Saison, aber solche Spiele können bei den Votern im Kopf bleiben: Primetime, gegen ein Top-Team aus der eigenen Conference. Auch wenn die Ausfälle seiner Receiver ohne Frage ein Faktor sind, den man auch hier berücksichtigen muss.

Ansonsten gilt: Seit Wochen spreche und schreibe ich bei Mayfield darüber, dass er natürlich maßgeblichen Anteil am Erfolg der Bucs in der bisherigen Saison hat, dass er die Ausfälle mit kompensiert und dass seine aggressives Spielweise Tampa Bay nicht nur, aber auch spät in Spielen immer eine Chance gibt. Aber eben auch darüber, dass das ein zweischneidiges Schwert ist. Nämlich dass er bislang großes Glück im Turnover-Bereich hatte, und man nicht davon ausgehen sollte, dass sich das über die volle Saison so fortsetzt.

Deshalb fällt es mir schwer, Mayfield höher zu ranken. Und vielleicht kommt mit der Rückkehr einiger Starter auch wieder mehr Qualität rein, sodass der Floor stabiler ist und Mayfields Zahlen stark bleiben, auch ohne diese riskante Spielweise.

Ein gutes Argument für Mayfield ist ansonsten noch der Schedule. Tampa Bay hat unter anderem die Texans, Seahawks und 49ers bereits geschlagen und trifft unter anderem noch auf die Rams, Bills und Patriots. Drei Teams, deren Quarterbacks hier in dieser Liste ebenfalls auftauchen.

Das sind eben die Spiele, in denen sich ein MVP-Kandidat absetzen und der andere in ein Defizit fallen kann, das er nicht mehr aufholt. Bestes Beispiel: Lamar Jackson gegen Brock Purdy im Dezember vor zwei Jahren. Baltimore gewann 33:19, Purdy warf vier Interceptions und das MVP-Rennen war entschieden.

5. Dak Prescott, Dallas Cowboys (Platz 7)

Prescott könnte das schaffen, was Joe Burrow letztes Jahr nicht gelang: Mit einer horrend schlechten Defense - im Fall der Cowboys sogar noch übler als das, was die Bengals letztes Jahr auf dem Platz hatten - eine so starke Offense aufs Feld bringen, dass sie selbst dieses Defizit kompensieren kann.

Der Knackpunkt für dieses Thema hier ist: Das darf nicht nur zu unterhaltsamen Spielen und vielen Fantasy-Punkten führen, sondern es muss das Team auch zum Gewinn der Division tragen.

Die Cowboys stehen nach sieben Wochen bei 3-3-1. Die gute Nachricht ist, dass die Eagles längst nicht so dominant sind wie noch im Vorjahr, sodass vermutlich keine 13 Siege notwendig sind, um die NFC East in dieser Saison zu gewinnen. Und Prescott spielt auf einem exzellenten Level.

Auf die Saison gesehen steht er bislang auf Platz 5 in Expected Points Added pro Play, die Cowboys haben in drei ihrer sieben Spiele die 40-Punkte-Marke geknackt und gegen die Jets vor drei Wochen fehlten nur drei Punkte dafür.

Wir werden nach Woche 14 sehr genau sagen können, ob Prescott im MVP-Rennen noch im Spiel ist. Von Woche 12 bis 14 spielen die Cowboys gegen die Eagles, die Chiefs und die Lions. Das sind nicht nur Highlight-Spiele was die MVP-Frage angeht, sondern auch die Spiele, in denen Dallas seinen Playoff-Push etablieren kann. Oder eben das Gegenteil passiert.

MVP-Rennen: Die weiteren Kandidaten

Der Hype ist nach dem furiosen Saisonstart etwas abgeklungen, aber auch Justin Herbert (Platz 13) hat zumindest noch eine Außenseiter-Chance. Dafür müssten die Chargers allerdings die Division gewinnen. Herbert trug das Team jetzt durch einige Spiele trotz gravierender Ausfälle, aber das ist so auch nicht aufrecht zu erhalten. Hier bin ich sehr skeptisch.

Jordan Love (Platz 9) könnte die Stats am Ende haben, aber sein Spiel bisher ist mehr konstant als spektakulär, mit bislang zumindest wenigen dieser spektakulären Spiele, die einen auf den MVP-Radar bringen. Auch hier werden Starter über die nächsten Wochen zurückkommen, und wenn die Packers-Offense weiter so effizient operiert, Love in der zweiten Saisonhälfte mehr Highlight-Spiele hat und dann auch der Record dementsprechend ausfällt? Er wäre für mich die Nummer 6, hätte ich das Ranking weiter fortgeführt.

Und dann sind da im Kontext dieser potenziell überraschenden MVP-Thematik noch drei Quarterbacks, die zumindest nicht unerwähnt bleiben dürfen.

Denn wenn die Indianapolis Colts so weiter marschieren, dann werden sie nicht nur die Division gewinnen, sondern dann ist sogar ein Top-2-Seed in der Conference möglich. Daniel Jones (Platz 7) wäre dann der Quarterback, über den ähnlich diskutiert werden würde, wie über Brock Purdy vor zwei Jahren. Als ein Quarterback, der herausragende Zahlen auflegt, aber eben auch in fantastischen Umständen agiert. Meine Vermutung hier wäre, dass dann eher Jonathan Taylor als Offensive Player of the Year und Shane Steichen als Head Coach of the Year die Auszeichnungen bekommen würden. Aber Jones könnte zumindest die MVP-Kriterien erfüllen.

Der andere Name in dieser Richtung ist Jared Goff (Platz 6). Bei Goff halte ich es für denkbar, dass der MVP-Zug vielleicht einfach abgefahren ist. Weil jeder eine so klare Meinung zu Goff hat, und selbst wenn man ihm attestiert, dass er sich als Quarterback über die letzten drei Jahre nochmal klar weiterentwickelt hat - und das hat er! - begleitet ihn weiterhin das Stigma des Quarterbacks, für den sehr viel ideal laufen muss, damit er sich in diesen Sphären bewegt.

Mein Standpunkt bezüglich Goff ist hier auch etwas softer geworden. Aber dass er mehr abhängig von den Umständen ist als die hier in der Top 5 aufgeführten Quarterbacks, und dass er weniger selbst kreiert als etwa ein Baker Mayfield, um mal die absolute Quarterback-Elite zu verlassen, sollte ebenfalls klar sein. Das Spiel am Montagabend war ein perfektes Beispiel dafür: Goff musste über das gesamte Spiel keinen schwierigen Wurf anbringen, über 80 Prozent seiner Passing-Yards kamen nach dem Catch und am Ende stand ein ungefährdeter Sieg mit 24 Punkten für die Offense.

Goff ist ein guter Quarterback, der mit entsprechenden Umständen verlässlich Top-10-Offenses auf den Platz bringt. Aber dieser ganze Kontext macht es per Definition schwer, ihn individuell als Most Valuable Player zu bezeichnen.

Spannender finde ich da Sam Darnold (Platz 10). Denn Seattles Offense lebt maßgeblich eben von genau den schwierigen Bällen, die Darnold bislang in dieser Saison auf spektakuläre Art und Weise trifft. Das Spiel gegen Houston war vielleicht ein kleiner Dämpfer, selbst hier aber hatte er seine Shot Plays. Wenn er das aufrechterhalten kann, gehört er zumindest in den erweiterten Kandidatenkreis. Für mich auch ganz klar vor Goff und Jones.