Tom Brady mit seinen sieben Super-Bowl-Triumphen, die beiden Manning-Brüder Eli und Peyton, Saints-Legende Drew Brees, Steelers-Ikone Ben Roethlisberger oder auch Aaron Rodgers, der nach seinen vielen starken Packers-Jahren als einziger Quarterback dieser Reihe noch immer im Einsatz ist - seit diesem Jahr bei den Pittsburgh Steelers.
Sie alle dominierten vor wenigen Jahren noch die NFL und gewannen in ihrer Zeit mindestens einmal den Titel - Brady wie erwähnt gar deren sieben. Am Ende aber auch alles alternde Granden, die dauerhaft im Scheinwerferlicht standen, die (meisten) Schlagzeilen schrieben und den Ton in diesem Sport weit über ein Jahrzehnt hinaus angaben.
Dieses Bild hat sich jedoch längst gewandelt - und die neue Generation braucht sich abgesehen von fehlenden Titeln, die aber noch kommen können, nicht zu verstecken.
Allen führt die Riege momentan an
Da wäre zum Beispiel der aktuelle MVP der Liga, Josh Allen. Der 29-jährige Athlet steht bereits seit sieben Jahren bei den Buffalo Bills unter Vertrag und hat quasi von Beginn an abgeliefert als Passer, als Kreativmann und als Bulldozer. Allein in den vergangenen beiden Regular Seasons lief Allen 27-mal in die Endzone, darüber hinaus warf er für über 8000 Yards Raumgewinn und verbuchte 57 Touchdowns durch die Luft.
Was dem in der aktuellen Kolumne von kicker-Experte Adrian Franke nicht auf Nummer 1 geführten Allen aber weiterhin fehlt, ist ein Championship-Ring. Beziehungsweise überhaupt mal eine Super-Bowl-Teilnahme mit den Bills, die selbst in der modernen NFL noch nie die Trophäe jubelnd in die Höhe recken durften - die vier verlorenen Super Bowls 1991, 1992, 1993 und 1994 lassen grüßen.
In dieser Beziehung ist ihm Patrick Mahomes, das nächste moderne Football-Ass, einige Schritte voraus. Zwar hat der 29-Jährige mit seinem Raketen-Arm (245 Touchdown-Pässe in sieben Jahren als Starting Quarterback der Kansas City Chiefs) den jüngsten Super Bowl deutlich gegen Philadelphia verloren (22:40). Doch der Umstand, dass Mahomes seine Farben trotz einer arg durchwachsenen Spielzeit überhaupt wieder bis ins große Finale geführt hat, spricht Bände. Genauso der Fakt, dass die Chiefs unter ihm bereits drei Super-Bowl-Siege eingesackt haben (2020, 2023 und 2024).
„Er hat eine wahrhaftige Kanone als Arm.“ (Josh Allen über Patrick Mahomes)
Der aktuelle MVP Allen, der in den Playoffs bis dato alle vier Duelle mit Mahomes verloren hat, sagt deswegen nicht ohne Grund über seinen Widersacher: "Er hat eine wahrhaftige Kanone als Arm - und er sieht Dinge, bevor sie passieren. Er ist superschlau und arbeitet extrem hart. Und er hat eben drei Super Bowls gewonnen, daran gibt es nichts zu rütteln."
Jackson, der von Niederlage Heimgesuchte
Ebenfalls nichts zu rütteln gibt es an der Qualität von Lamar Jackson, dem dritten Elite-Quarterback dieser aktuellen NFL-Ära. Seit sieben Jahren führt der Erstrunden-Pick des Jahres 2018 (32. Position) die Baltimore Ravens an - und ist in diesen Jahren schon zweimal zum MVP der Liga ernannt worden. Letztmals in der 2023er Saison, er ist somit der Vorgänger von Bills-Quarterback Allen.
Für manch einen hätte Jackson auch in der vergangenen Spielzeit den MVP-Titel verdient gehabt - mit seiner bis dato statistisch besten Regular Season. Satte 4172 Passing Yards, 41 geworfene Touchdowns, nur vier Interceptions und obendrein noch 915 Rushing Yards plus vier Rushing Scores: Gegen Jackson war einmal mehr kaum ein Kraut gewachsen, auch weil sich der inzwischen 28-Jährige über die Jahre stetig verbessert hat. Ist anfangs nur sein Laufspiel auf Weltklasse-Niveau gewesen, fällt längst auch sein Arm unter diese Kategorie. Der einzige Makel ist seine Playoff-Quote, denn hier mag es trotz einer stets bärenstarken Ravens-Mannschaft noch immer nicht mit dem großen Wurf klappen. Jüngst erst ist Baltimore mit ihm im Viertelfinale der Endrunde an Buffalo gescheitert (25:27) - eine Jackson-Interception plus Fumble inklusive.
Das alles nagt am Ravens-Spielmacher, der laut eigener Aussage keine Niederlage vergessen kann. Pleiten würden ihn vielmehr regelrecht "heimsuchen. Ich glaube nicht, dass ich über eine Niederlage hinwegkommen kann, wenn ich ehrlich bin. Ich denke da an Pleiten im Jugend-Football zurück, die mich immer noch verfolgen". Quasi im selben Atemzug kündigte der Ravens-Star allerdings Wiedergutmachung für die Bills-Niederlage an: "Wir werden zurückkommen. Und wenn wir zurückschlagen, dann haben wir Rache im Sinn."
"Joe Cool"
Revanchegelüste kommen sicherlich auch in den Gedanken von Joe Burrow vor. Für manch einen NFL-Beobachter dürfte der Spielmacher mit dem Spitznamen "Joe Cool", der aufgrund seiner optischen Ähnlichkeit auch gerne mal mit Schauspieler Macaulay Culkin ("Kevin - allein zu Haus") verglichen wird, vielleicht sogar das heißeste Eisen der Liga sein.
Der First Overall Pick im NFL Draft 2020 hat allein in der vergangenen Spielzeit mit seinen famosen Offensivwaffen Ja'Marr Chase und Tee Higgins 43 Touchdown-Pässe bei nur neun Interceptions an den Mann gebracht. Bei obendrein fast 5000 Yards durch die Luft. Kurzum: Burrow ist optischer Genuss, ein Quarterback für Highlight-Sequenzen.
Dennoch steckt der 28-Jährige innerhalb der American Football Conference (AFC) fest, der Conference-Sieger spielt im Super Bowl schließlich gegen den Sieger der National Football Conference (NFC). So hat sein Team, die Cincinnati Bengals, vergangene Saison aufgrund einer schwachen Defensive nicht mal die Playoffs erreicht. Trotz seiner unglaublichen Zahlen! Dazu ist die eigene Division, die AFC North, mit Kontrahenten wie Baltimore um den bereits erwähnten Quarterback Jackson, den Pittsburgh Steelers um Rodgers und den Cleveland Browns extrem hart umkämpft. Im AFC-Finale drohen dann regelmäßig die Chiefs oder die Bills. Da ist die Spielzeit auch mal früher vorbei als gedacht - und als Cincy mit Burrow 2022 den Super Bowl erreicht hat, schnappten sich die Los Angeles Rams mit einem knappen 23:20 den großen Triumph.
Noch ein Oldie neben Rodgers
Apropos Rams: Dort tummelt sich mit Matthew Stafford noch ein Quarterback der älteren Garde, der mit seinen 37 Jahren aber noch auf allerhöchstem Niveau performt. In der vergangenen Saison war der Oldie mit Los Angeles der Einzige, der dem späteren Super-Bowl-Sieger Philadelphia mit Spielmacher Jalen Hurts das Wasser reichen konnte. Der Schneefall in der Stadt der brüderlichen Liebe machte ihm letztlich beim versuchten Comeback einen Strich durch die Rechnung - 22:28 hieß es in den Divisionals.
Klar ist: In Verbindung mit Rams-Head-Coach Sean McVay und einem stark aufgestellten Team - Receiver sind etwa Puka Nacua und Zugang Davante Adams - gelten die schon 2022 an der Spitzen stehenden Kalifornier trotz des in die Jahre gekommenen Spielmachers zum Kreis der Titelkandidaten, die die Eagles vom Thron stoßen wollen. Philadelphia, zweimaliger Super-Bowl-Sieger in den vergangenen acht Jahren, hat in dieser Nacht auf Freitag übrigens die Ehre, gegen die Dallas Cowboys die neue Spielzeit zu eröffnen (ab 2.20 Uhr, Übertragung: RTL und DAZN).
Goff, Love, Mayfield und Co.
Und wie sieht es sonst noch im Kreis der NFL-Anführer aus? In Detroit führt mit Jared Goff ein hochzuverlässiger System-Quarterback Regie, innerhalb derselben Division (NFC North) möchte der hoch veranlagte Jordan Love in seinem dritten Jahr als Starter einen Sprung mit den zuletzt mit Pass-Rush-Maschine Micah Parsons verstärkten Green Bay Packers vollführen. Der 2024er First Overall Pick Caleb Williams (Chicago Bears) gilt derweil als Versprechen für die Zukunft, genauso wie der diesjährige Top-Neuling Cam Ward (Tennessee Titans). Sie könnten die Nachfolge-Generation der aktuellen Elite um Mahomes, Allen und Jackson werden. Genauso wie Jayden Daniels von den Washington Commanders, C.J. Stroud von den Houston Texans oder Drake Maye von den New England Patriots.
Außerdem nicht zu verachten: Chargers-Ass Justin Herbert, der sich solide gesteigerte 2024er Rookie Bo Nix (Denver Broncos), der zuletzt leistungstechnisch etwas abgefallene Trevor Lawrence (Jacksonville Jaguars) und auch Baker Mayfield, der als Tom-Brady-Nachfolger bei den Tampa Bay Buccaneers mit starken Receivern wie Mike Evans Spaß macht, vergangene Saison mächtig abgeliefert hat und diese Saison weit kommen könnte. Das wollen aber bekanntlich alle, auch Akteure wie Brock Purdy (San Francisco 49ers) oder das ehemalige Baseball-Talent und der First Overall Pick 2019 Kyler Murray (Arizona Cardinals).
Es braucht sich auf jeden Fall keiner zu sorgen: Auch ohne Brady, Manning und Brees bleiben Spektakel und Qualität in der NFL garantiert.