Schon vor der neuen Regular Season war davon auszugehen, dass die NFC North ein hartes Pflaster sein würde. Genau so kam es nach den ersten Saisonwochen dann auch: Derzeit stehen alle vier Teams bei einer positiven Bilanz - also die Chicago Bears (3-2), die Minnesota Vikings (3-2), die Detroit Lions (4-2) und die Green Bay Packers (3-1-1).
Doch gerade bei "The Pack" tut sich der Eindruck auf, dass die erst drei erreichten Siege bei einer komplett unnötigen Niederlage (10:13 bei den Cleveland Browns) samt des spektakulären Unentschieden-Thrillers bei den Dallas Cowboys (40:40) zu wenig sind. Dass mit dem qualitativ stark besetzen Team aus Wisconsin mehr möglich ist. Dass auch Quarterback Jordan Love noch mehr aus sich und seiner Offense herausholen kann. Dass zudem die Defense um Micah Parsons nicht in allen vier Quartern auf allerhöchstem Niveau abliefert.
Warum aber ist das so?
"Erbsenzählerei": Green Bays Einbrüche
Zunächst zum Positiven: Die Defensive aus Green Bay - betreut von Coordinator Jeff Hafley - hat in allen Spielen jeweils im ersten Quarter keinen einzigen Punkt zugelassen. Das bedeutet klar Platz 1 ligaweit, in den Vierteln zwei und drei sind sie auf Rang 4 und 5 gelistet. Obendrein hat die Defense bislang nur 1401 Yards zugelassen - der drittbeste Wert hinter Houston und Atlanta. Das alles wird abgerundet vom Fakt, dass die Gegner im Schnitt über den Lauf nur 73 Yards zusammenbringen. Auch hier ist Green Bay das Maß der Dinge in der NFL.
Allerdings erlauben sich die Käsestädter gerade im letzten Viertel oft Schnitzer, lassen hier mit Abstand die meisten Punkte aller 32 Teams zu. Erst zwei Takeaways in Form von zwei Interceptions lassen ebenfalls zu wünschen übrig, nur die New York Jets sind hier mit erst einem Fumble noch trister dabei.
Head Coach Matt LaFleur sind die Probleme bekannt, wenngleich er sie auch noch nicht so ganz erklären kann. Gegenüber US-Medien sagte der 45-Jährige zuletzt: "Das ist etwas, wo Haf und ich Erbsenzählerei betreiben, warum das passiert. Denn wenn man sich die Punktedifferenz ansieht - und ich habe sie mir gerade angesehen - glaube ich, dass wir im ersten Viertel der Saison 24 Punkte erzielt haben. Der Gegner null. Auch im zweiten Viertel ist es eine große Diskrepanz, aber in der zweiten Hälfte liegen wir im Saisonvergleich bei minus 6."
"Geht uns der Saft aus?"
Hier passt offensichtlich etwas nicht bei "The Pack", das nun aus den letzten zwölf Posessions der Gegner nach der Pause samt Overtime sechs Touchdowns, vier Field Goals bei einem geblockten Field Goal zugelassen hat. Abgerundet wird das alles von nur einem provozierten Punt - deutlich zu wenig für die hohen Ansprüche im Land der Packers.
"Geht uns hier der Saft aus?", frage sich LaFleur deshalb, der auch Trainingseinheiten und die allgemeine Vorbereitung auf die Spiele mit in seine Gedankenspiele integriert und so herausfinden will, woran genau noch geschraubt werden muss. Sein Star-Pass-Rusher Parsons ergänzte: "Die ersten Hälften zeigen, wer wir sind. Wir wollen aber jetzt an den Punkt kommen, an dem wir Teams unter 14 oder zehn Punkten und sie das ganze Spiel über in diesem Bereich halten."
Genauso wie die Offense ebenso noch deutlich besser performen muss. Immer wieder läuft der Motor mal richtig rund, zum Beispiel mit Spielmacher Love und Tight End Tucker Kraft (fast 300 Yards Receiving und drei TDs), dann aber stottert vieles im Passspiel und Running Back Josh Jacobs (schon über 500 Total Yards plus sechs Rushing Scores) muss gefühlt allein die Kohlen aus dem Feuer holen.
Vieles aber passt auch hier, so sind die Packers neben den San Francisco 49ers das einzige Team, das schon vier Spieler mit über 14 Receptions und jeweils über 175 Yards Receiving stellt - Romeo Doubs, Jacobs, Kraft und Rookie-Hoffnung Matthew Golden. Letzterer steigert sich seit Wochen stetig, bekommt immer mehr Anteile, erreicht immer bessere Zahlen. Doch vieles geht eben noch besser, auch bei Quarterback Love, der über 70 Prozent seiner Pässe für bislang 1259 Yards angebracht hat und auf neun TDs bei nur zwei Picks kommt. Für die ligaweite Elite aber fehlt eben noch ein Stück, genauso wie der Defense eben auch.