Die Bills haben mit einem Statement-Sieg gegen Baltimore in Week 1 und einem souveränen Erfolg gegen die Jets ihre Ambitionen in der AFC untermauert. Miami hingegen steht nach einem 0-2-Start mit vielen Fragezeichen da: Die Offense stockt in entscheidenden Momenten, die Defense wirkt bislang wie eine der schwächsten der Liga. Vor dem Duell stellen sich zwei Fragen: Handelt es sich um ein mögliches Trap Game für die Bills? Und falls ja - kann Miami die Horrorserie gegen Buffalo endlich beenden?
Dolphins: Viele offene Fragen
In Week 1 enttäuschte die mit Stars gespickte Offense rund um Tua Tagovailoa, Tyreek Hill, Jaylen Waddle und De'Von Achane komplett: Nur acht Punkte gelangen gegen die Colts. In Week 2 war die Leistung gegen die Patriots zwar besser mit 27 erzielten Punkten, doch auch da trugen Special-Teams-Punkte entscheidend bei. Zudem verhinderten Abstimmungsfehler am Ende wichtige Drives. Diese Probleme müssen dringend abgestellt werden.
Noch größer sind die Sorgen in der Defense: Zwei Spiele, zweimal über 30 Punkte kassiert - besonders in der Passverteidigung fehlt es deutlich an Qualität. Auch die Defensive Line blieb bislang weit hinter den Erwartungen zurück.
Hinzu kommt die Bilanz gegen Buffalo: Tagovailoa steht bei 1-8 gegen die Bills, mit neun Touchdowns, zehn Interceptions und 14 zugelassenen Sacks. Seit Ende Dezember 2018 gelang Miami nur ein einziger Sieg gegen Buffalo - am 25. September 2022. Es war zugleich der bislang einzige Erfolg von Tua gegen die Bills.
Bills: Starker Start, trotz Rückschlägen
Buffalo wirkt bisher wie ein echtes Topteam. Quarterback Josh Allen ließ sich in Week 2 auch von einer blutigen Nase nicht stoppen: Nach kurzer Pause kehrte er aufs Feld zurück und führte die Bills zu einem souveränen 30:10-Sieg über die Jets, die in Week 1 noch stark gewirkt hatten.
Die Offensive Line spielt solide, und Running Back James Cook hat schon mehrfach gezeigt, dass er ein wichtiger Faktor sein kann. Dazu kommen die Passempfänger rund um Keon Coleman, Khalil Shakir und Joshua Palmer, die immer wieder gefährlich werden können.
Ein weiterer Vorteil: Die Bills haben die letzten sechs Duelle gegen Miami allesamt gewonnen. In Buffalo selbst ist die Serie noch beeindruckender - neun Siege in Folge. Ein Erfolg am Donnerstag würde die Serie auf zehn ausbauen. Head Coach Sean McDermott hat zuhause gegen die Dolphins noch nie verloren.
Chancen für Miami
Die Bills müssen defensiv auf zwei zentrale Stützen verzichten: Linebacker Matt Milano fällt mit einer Brustverletzung aus, Defensive Tackle Ed Oliver fehlt mit einer Fußverletzung.
Genau hier könnten die Dolphins ansetzen. Gelingt es ihnen, Achane im Laufspiel effektiv einzubinden, könnte Miami die Bills-Verteidung ins Wanken bringen - denn gegen starke Laufspiele zeigte Buffalo in dieser Saison bereits Schwächen.
Das Schlüsselduell
Für Miamis Offensive Line wird es wahrscheinlich ein harter Abend: Greg Rousseau und der wieder stark aufspielende Joey Bosa kommen mit viel Druck über die Edges. Ob Tua genug Zeit findet, um Hill und Waddle in Szene zu setzen, könnte über Sieg oder Niederlage entscheiden. Besonders wichtig wird sein, dass Tua in der Offense von Mike McDaniel den Ball schnell und präzise mit gutem Timing loswird. Genau dieses Timing, das die Offense in den letzten Jahren so brandgefährlich machte, fehlt aktuell jedoch noch.
Trotz der Ausfälle in Buffalos Defense bleibt die Aufgabe riesig. Und da die Dolphins-Defense gegen Josh Allen und Co. kaum Antworten finden dürfte, muss die Offense der Dolphins liefern, um überhaupt im Spiel zu bleiben.
Trap-Game-Gefahr für Buffalo?
Auf dem Papier spricht wenig für die Dolphins in diesem Duell. Allerdings könnte es ein klassisches Trap Game werden: Darunter versteht man ein Spiel, in dem ein klarer Favorit ein schwächer eingeschätztes Team unterschätzt, dadurch in Schwierigkeiten gerät und am Ende vielleicht sogar verliert.
Die Bills sind in allen Mannschaftsteilen stärker besetzt und gehen als deutlicher Favorit in die Partie. Doch Miami hat trotz schwacher Bilanz gegen Buffalo die individuelle Klasse, um für ein Überraschungsmoment zu sorgen - wenn Tua und seine Offense endlich Timing und Effizienz finden.