Keine Position wurde in der NFL-Geschichte öfter an Position eins gedraftet als die des Quarterbacks - insgesamt 40 der 90 ehemaligen First Overall Picks. Während in den Anfangsjahren der Fokus noch nicht so stark auf Quarterbacks lag, hat sich dies auch mit diversen Regeländerungen eindeutig weg vom Running Back und hin zur unumstritten wichtigsten Position im modernen Football verschoben.
In den letzten 25 Jahren wurden gleich 19 Quarterbacks mit dem ersten Draftpick geholt, die erhofften absoluten Heilsbringer waren die wenigsten davon: Nicht einer aus der Liste, angefangen 2001 bei Mike Vick (Atlanta Falcons) und endend 2025 mit Cam Ward (Tennessee Titans), konnte mit der Franchise den Titel holen, die ihn als erstes seines Jahrgangs gedrafted hatte. Dies gelang zuletzt Peyton Manning mit den Colts, die ihn 1998 gedrafted und 2007 die Vince Lombardi Trophy gewonnen hatten.
Viermal das Duell der Veteranen gegen "Newbies"
Von den 19 in diesem Jahrtausend an Position eins gedrafteten Quarterbacks sind zehn noch aktiv, von denen Jameis Winston (2015, Tampa Bay) aber nur noch als Backup bei den Giants unter Vertrag steht. In Week 2 hatte das Team, das bei der NFL den Spielplan kreiert - gewollt oder ungewollt - ein absolutes Novum parat: In vier Partien trafen jeweils zwei Quarterbacks aufeinander, die irgendwann einmal an erster Stelle gedraftet worden waren.
Lediglich Baker Mayfield blieb außen vor: Der 2018 von den Browns ziemlich überraschend an Nummer 1 gedraftete 30-Jährige kam nach mehrheitlich erfolglosem Aufenthalt in Cleveland über die Carolina Panthers und Los Angeles Rams zu den Tampa Bay Buccaneers, wo er jetzt die Erfolge feiert, die man sich bei den Browns von ihm erhofft hatte. Er spielte im Monday Night Game gegen die Houston Texans, die mit C.J. Stroud zwar auch einen ehemaligen Erstrundenpick aufbieten, aber den "nur" an der zweiten Position gewählt hatten.
Bei den vier Matchups gab es jetzt vor allem das Duell "Veteran" gegen "Newbie", das ein relativ eindeutiges Ergebnis für die erfahrenen Spielmacher brachte.
Matthew Stafford vs. Cam Ward
Stafford ist mit 37 Jahre der - mit Abstand - älteste Spieler der noch aktiven First Overall Quarterbacks und gleichzeitig der einzige, der auch schon einen Super Bowl Sieg feiern konnte. Den Titel gab es aber nicht mit den damals notorisch erfolglosen Detroit Lions, die ihn 2009 gedrafted hatten, sondern erst nach seinem Wechsel zu den Rams, wo es 2021 gleich im ersten Jahr gereicht hatte.
Stafford ist ein klassischer Pocket Passer, der im Schnitt in seinen 17 Karriere-Jahren pro Saison auf 4500 Yards, 29 Touchdowns und 14 Interceptions kommt.
Cam Ward ist ganz am anderen Ende des Spektrums zu finden: Erst im April gedrafted und vor allem auch mit viel Athletik und Mobilität ausgestattet. Ein Urteil lässt sich hier noch nicht fällen: Die Titans verloren beide Partien bislang, das aber auch keinesfalls unerwartet. Der 23-Kährige erwarf bislang erst einen Touchdown und insgesamt 287 Yards.
Fazit: Spiel, Satz und Sieg für Veteran Stafford, der hier mit seinen Rams deutlich gewinnen konnte und auch den besseren Eindruck hinterließ. Wem die Zukunft gehört, ist aber schon allein angesichts des Altersunterschieds klar.
Trevor Lawrence vs. Joe Burrow
Die Partie zeigte das größte Problem von Joe Burrow: Er verletzte sich erneut schwer und muss vermutlich mehrere Monate pausieren. Schon zweimal "durfte" er die Auszeichnung des "Comeback Players Of The Year" entgegennehmen, womöglich winkt ihm der ungewollte Titel nächste Saison erneut.
Als das größere Talent hatte man vor seinem Draft Trevor Lawrence gesehen, bestätigen konnte er das bislang nur in Ansätzen: Im Schnitt pro Saison gut 3900 Yards und 20 Touchdowns, aber auch 13 Interceptions. Sicher nicht die Statistiken, die man sich vom vermeintlich besten Talent seit Andrew Luck erwartet hatte.
Dass man das Spiel auch nach der frühen Verletzung von Burrow zu Beginn des zweiten Viertels und eigener Führung nicht gewinnen konnte, passt irgendwie ins bisherige Karriere-Bild von Lawrence.
Burrow ist dagegen unumstritten als Anführer seiner Franchise, die sein Talent aber mit diskutablen Kaderentscheidungen - Stichwort O-Line - zu verschwenden scheint. Sein Schnitt pro 17 Partien liegt bei 4595 Yards, 34 Touchdowns und elf Interceptions.
Fazit: Wenn beide fit sind, besteht aktuell kein Zweifel, wer der Bessere ist. Leider ist Burrow oft verletzt, was nicht nur für die Fans der Franchise bedauerlich ist.
Caleb Williams vs. Jared Goff
Jared Goff erlebt bei den mittlerweile erfolgreicheren Lions seinen zweiten Frühling. Die Rams, die für ihn 2016 auch angesichts des Umzugs nach Los Angeles auf Platz eins getradet hatten, wollten 2021 eine Chance auf den Super Bowl. Obwohl sie das Endspiel 2018 auch mit Goff erreicht hatten, trauten sie ihm eine Wiederholung nicht mehr zu.
Stattdessen holte man Stafford und die Lions sollten sich künftig mit Goff abgeben. Einer der wenigen Trades, der am Ende zwei Gewinner hatte: Den Titel 2021 für die Rams und Stafford, eine plötzlich offensiv erfolgreiche Mannschaft in Detroit mit Goff, der in seiner Karriere im Schnitt 4452 Yards und 28 Touchdowns pro Partie wirft und dabei 12 Interceptions kassiert.
Caleb Williams wurde vor seinem Draft im Vorjahr ähnlich gehyped wie einst Andrew Luck und später Trevor Lawrence, musste aber gleich dem direkt nach ihm gedrafteten Jayden Daniels (Washington Commanders) deutlich den Titel als Offensive Rookie of the Year überlassen.
Sein Schnitt über etwas mehr als einer Spielzeit liegt bei 3541 Yards mit 21 Touchdowns bei sechs Interceptions, was sich aber deutlich besser liest, als es der subjektive Eindruck beim Betrachten ist.
Fazit: Auch diese Partie ging deutlich an den erfahreneren Spielmacher. Goff traut man in dieser Form (fünf Touchdowns, keine Interception!) einen weiteren Einzug in den Super Bowl zu, Caleb Williams (noch) nicht.
Bryce Young vs. Kyler Murray
Das letzte direkte Duell konnte mit den beiden mobilsten, aber auch eher kleinen Quarterbacks aufwarten. Bryce Young hatte aufgrund fehlender Erfolge im Vorjahr bereits einmal eine Zwangspause verordnet bekommen, bevor er dann ausgerechnet in München überzeugen konnte. Sein Schnitt auf 17 Partien mit 3061 Yards mit 16 Touchdowns und 12 Interceptions aus gut zwei Jahren ist aber noch erheblich ausbaufähig. Dazu erläuft er noch 289 Yards und drei Touchdowns pro Runde.
Ebenfalls nicht unumstritten ist Kyler Murray, der aber in seinen bislang gut sechs Jahren pro Saison auf 4024 Yards und 24 Touchdowns bei 12 Interceptions im Schnitt kommt. Dazu erläuft er 625 Yards und sechs Touchdowns pro Spielzeit. Bislang hat er trotzdem nicht beweisen können, dass er die Cardinals wirklich weit führen kann. Zu gut für einen Neuanfang ohne ihn, zu wenig für den ganz großen Erfolg.
Fazit: Weniger um seinen Job bangen muss Murray, der immerhin dieses Duell gewinnen konnte. Aber auch ihm blieb der Erfolg mit einer einzigen Playoff-Teilnahme und einem schnellen Aus bisher verwehrt.
In allen vier Fällen triumphierte am Ende der erfahrenere Quarterback. Ob wirklich auch einer davon noch einen Super-Bowl-Sieg mit "seiner" Franchise feiern kann, wird sich weisen. Angesichts des Blicks auf die letzten 25 Jahre sind die Chancen darauf aber nicht allzu hoch.