Ende August hatte Micah Parsons die gesamte NFL-Welt mit seinem Wechsel von den Dallas Cowboys zu den Green Bay Packers aufgerüttelt, einen Monat später steht nun die Rückkehr für den Pass Rusher an.
In der Nacht von Sonntag auf Montag ab 2.20 Uhr (MESZ) gastiert "The Pack" in Texas, wo sich der 2021 im NFL Draft als 12. Overall Pick zu "America's Team" gekommene Defensive End eigentlich schon häuslich eingerichtet hatte. Ganz klar: Der 26-Jährige wollte eigentlich immer für die Cowboys spielen, doch das Zerwürfnis zwischen ihm (und seinem Berater) mit Franchise-Boss Jerry Jones habe ihn aus der Stadt, weg vom NFC-East-Team und zum Schritt nach Green Bay gedrängt.
Dort ist Parsons direkt eingeschlagen, Fans feierten den teuren Neuzugang in den beiden ersten erfolgreichen Heimspielen ausgiebig - und werden sich nun bei seinem Ex-Team ebenfalls eine herausragende Leistung erhoffen.
Das durchaus Pikante dabei: Mit einer Weltklasse-Vorstellung könnte Parsons den Anhängern der Cowboys in deren AT&T Stadium nochmals schmerzlich vor Augen führen, was ihnen für ein "generational talent" durch den Streit mit Eigentümer Jones entgangen ist.
"Ein zerstörerischer Footballspieler"
Und genau dafür will der Athlet mit seinen Defense-Kollegen der Packers (unter anderem der aktuell mit 4,5 Sacks in der Liga führende Rashan Gary) sorgen. Ehemalige Teamkollegen wie Dak Prescott sind dabei nun seine Kontrahenten - und genau dem 32-jährigen Quarterback will er im Sunday Night Game das sportliche Leben zur Hölle machen.
"Es wird schmerzhaft sein", erklärte Parsons im Vorfeld der Partie gegenüber der Associated Press. "Das ist mein Kumpel. Er war immer wie ein guter Mentor für mich." Doch das Geschäft als Profi verlange es, das nun zumindest für die Dauer des Matches ad acta zu legen. "Es ist, wie es ist. Er hat mir immer gesagt, dass es ein großartiges Duell werden wird, wenn ich einmal gegen ihn antrete. Ich bin also gespannt, was der Sonntag bringt."
Auf emotionale Momente wie den Gang in die Kabine der Gäste, Reaktionen seiner ehemaligen Fans, Gespräche mit Ex-Mitspielern sei Parsons dabei vorbereitet. "Für mich geht es nur darum, ein weiteres Spiel zu spielen und das zu tun, was ich am besten kann: ein zerstörerischer Footballspieler zu sein", ergänzte der Pass Rusher noch. "Ich glaube, die Medien und die Fans versuchen, es zu einer so großen Sache aufzublasen." Für ihn selbst aber sei das alles nur "ein weiteres Spiel", das nun eben im AT&T Stadium steigt.
Viel steht für Dallas und Green Bay auf dem Spiel
Beim Blick auf das Übergeordnete stechen derweil zwei Dinge ins Auge: Die bei 1-2 stehenden Cowboys müssen ihr Heimspiel gegen Green Bay (2-1) gewinnen, um nicht früh ins klare Hintertreffen im Vergleich zu den Divisionsrivalen Philadelphia (3-0) und Washington (2-1) zu gelangen. Dabei fällt auf, dass die explosive Offensive um Spielmacher Prescott die defensiven Schwächen bislang nicht ausgleichen kann.
Denn ohne Parsons lässt die Cowboys-Defense fast 400 Yards pro Spiel zu (Platz 29 in der Liga), die meisten Passing Yards (288 im Schnitt) und über 30 Punkte (Rang 27).
Auf der anderen Seite sind die Packers, die im Übrigen im AT&T Stadium bei 6-0 stehen (zuletzt in den Playoffs Anfang 2024), nach dem katastrophalen Ende bei den Cleveland Browns (10:13 nach 10:0) sowie nach dem Wutanfall von Head Coach Matt LaFleur ("Es kotzt mich an") quasi gegenüber sich selbst und den Cheeseheads verpflichtet, sich vor allem im Angriff mit Quarterback Jordan Love wieder deutlich verbessert zu zeigen. Den Rest dürfte dann die in allen drei Spielen starke Defense um Parsons (1,5 Sacks bislang) besorgen.
NFL-Kommentar von kicker-Experte Adrian Franke zum Wechsel von Micah Parsons zu den Packers: Jerry Jones und die Reaktion eines kleinen Kindes