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Texans mit Problemen: "Houston, wir bewegen uns rückwärts"

kicker

Es ist noch gar nicht so lange her, als die Welt im schönen Houston, Texas, in bester Ordnung war. Mit Neu-Cheftrainer DeMeco Ryans landeten die Texans im NFL Draft 2023 mit Quarterback C. J. Stroud und Pass Rusher Will Anderson zwei der besten Talente des Jahrgangs.

Die Beiden entpuppten sich nicht bloß als sportliche Leistungsträger, und wurden folgerichtig als Offensive und Defensive Rookie of the Year ausgezeichnet, sondern auch als Eckpfeiler für beide Seiten des Balles. Die Texans stürmten in die Playoffs, überstanden sogar die erste Runde, und schienen inmitten eines Rebuilds direkt mehrere Stufen übersprungen zu haben.

Das Fundament wackelt

In der abgelaufenen Saison wurde das Team von Verletzungen geplagt, auch das Spiel von Stroud war weniger spektakulär. Nichtsdestotrotz sicherte man sich erneut die AFC-South-Krone und schaffte die Postseason. Fazit? Kein klarer Fortschritt, aber fernab von Grund zur Panik.

Jetzt gehen die Texans in Jahr drei mit Ryans, Stroud und Anderson - und machen dabei plötzlich einen gewaltigen Schritt zurück. Star-Cornerback Derek Stingley Jr. wurde zuletzt mit einem Dreijahresvertrag über 90 Millionen Dollar teuer verlängert, noch kostspieligere Vertragsverhandlungen mit Stroud und Anderson stehen in naher Zukunft bevor.

Nichts davon wäre ein Problem, wenn man dort stünde, wo man es ursprünglich geplant hatte: auf Augenhöhe mit den besten Teams der Liga. Stattdessen steht Houston vor dem vierten Spieltag noch ohne Sieg da, weit hinter dem Division-Rivalen aus Indianapolis. Am letzten Wochenende riss sogar die Siegesserie gegen die Jaguars, gegen die man in Florida zuletzt immer gewonnen hatte. An Augenhöhe mit den Baltimore Ravens oder Buffalo Bills ist nicht zu denken. Es wird Zeit für Ursachenforschung - und zwar schnell.

Die Defense liefert, die Offense strauchelt

"Houston, wir haben ein Problem" … und zwar die Offense. Das ist zumindest das Fazit, wenn man einer von CBS erhobenen Statistik viel Gewicht beimessen möchte. Nach dieser sind die Texans das einzige Team der vergangenen 20 Jahre, welches in den ersten drei Saisonspielen 55 Punkte oder weniger zugelassen hat und trotzdem bei einer 0-3 Bilanz steht.

Bei der jüngsten Niederlage gegen Jacksonville erlaubte die Verteidigung 17 Punkte, zuvor waren es 20 gegen die noch ungeschlagenen Tampa Bay Buccaneers, und zum Auftakt nur 14 gegen den NFC-Mitfavoriten, die Los Angeles Rams. Einen Vorwurf kann man den Punkte-Verwehrern der Texans nicht machen. Bleibt nur diejenigen, die für das Erzielen von Punkten zuständig sind.

Hier offenbaren sich bei den Texans die bereits angesprochenen Baustellen. Zehn Punkte gegen die Jaguars, 19 gegen Tampa Bay und neun gegen die Rams sind schlichtweg zu wenig, um Spiele zu gewinnen. Ja, der Ausfall von Wide Receiver Tank Dell sowie Running Back Joe Mixon mögen legitime Faktoren sein, weshalb offensiv die Feuerkraft fehlt, gehören jedoch in Relation gesetzt.

Auf die Langzeitverletzung von Dell hatten die Verantwortlichen in Houston genug Zeit zu reagieren, haben dies mit der Verpflichtung von Christian Kirk und Jayden Higgins im Draft auch getan. Im Backfield startet Veteran Nick Chubb vor Rookie Woody Marks - kein Ersatz für den zweimaligen Pro Bowler Mixon, aber auch kein enormes Downgrade. Die Gründe liegen also nicht bei den Skill-Position-Spielern.

Wurde C. J. Stroud entzaubert?

An dieser Stelle muss vorsichtig (ganz vorsichtig!) ausgesprochen werden, was dem ein oder anderen Texans-Fan vielleicht auch im Kopf herumgeistert: Ist C. J. Stroud vielleicht doch nicht so gut, wie wir geglaubt haben? Es klingt vermessen, aber die Leistungskurve des 23-Jährigen legitimiert zumindest, dass darüber gesprochen wird.

Während Stroud seine Rookie-Saison noch mit 23 Passing Touchdowns bei nur fünf Interceptions beendete, waren es 2024 bereits drei Touchdowns weniger und sieben Ballverluste mehr. In dieser Saison liegt seine Bilanz bislang sogar bei mehr Interceptions als Touchdowns (2:3). Gegen die Jaguars verschaffte die Texans-Defense ihrem Quarterback mehrmals eine gute Feldposition, inklusive eines finalen Drives, um das Spiel zu gewinnen - vergeblich.

Nun möchte man sich schützend vor Stroud stellen und mit dem Finger auf die Offensive Line in Houston zeigen. Nachdem diese letzte Saison bereits eine Schwachstelle gewesen war, haben die Abgänge von Laremy Tunsil (Washington) und Kenyon Green (Philadelphia) ja wohl nicht unbedingt geholfen. Daran muss es liegen, richtig?

Falsch! Wie CBS weiter schreibt, hat sich die Pressure Rate von Stroud in den letzten drei Saisons kaum verändert: Waren es 2023 noch 35 Prozent (2,55 Sekunden) und 2024 37,9 Prozent (2,57 Sekunden), sind es in diesem Jahr 37,7 Prozent (2,56 Sekunden). Und wem das zu viele Zahlen sind, hier die Übersetzung: Stroud steht bei fast genauso vielen Spielzügen unter Druck wie in den letzten beiden Jahren und hat nahezu die identische Zeit, um den Ball zu werfen. Seine Offensive Line ist also weder besser noch schlechter als in den Vorjahren.

Strouds Zukunft liegt in Houston - die von Ryans auch?

Seit 1990 haben es nur 2,4 Prozent der Teams mit einem 0-3 Start noch in die Playoffs geschafft. Positiv ausgelegt, heißt das für die Texans, dass sie statistisch noch eine Chance haben, das Minimalziel für diese Saison zu erreichen.

Nüchtern betrachtet, stehen mit Head Coach DeMeco Ryans und Quarterback C. J. Stroud allerdings zwei Schlüsselfiguren in Houston auf dem Prüfstand. Ryans ist ein junger Cheftrainer, der - trotz aller Sympathie - noch einiges zu beweisen hat - allen voran, dass er aus diesem Texans-Kader einen Meisterschaftskandidaten machen kann.

Stroud pokert derweil um einen Rekordvertrag, den höchsten der NFL-Geschichte. Dass Houston ihn langfristig binden wird, steht außer Frage. Wie der 23-Jährige in den verbleibenden 14 Spielen performt, wird über die Summe auf dem Vertrag entscheiden.