Die Probleme, die die Philadelphia Eagles derzeit mit sich herumschleppen, hätten wohl ein Großteil aller anderer Teams in der Liga gerne. Denn mit einer Bilanz von 4-1 befindet sich der amtierende Super-Bowl-Sieger an der Spitze der NFC. Doch bei der 17:21-Heimpleite gegen die Denver Broncos offenbarten die Eagles besonders in Hälfte zwei erneut ein Gesicht, das mit Blick auf den weiteren Saisonverlauf nicht nur vielen Fans Sorgen bereitet. Auch bei den Spielern wächst zunehmend der Frust. Im Mittelpunkt der Kritik: Die eigene Offensive.
Dabei hatte Quarterback Jalen Hurts gegen die Broncos statistisch gesehen seinen besten Tag der bisherigen Saison. Jalen Hurts warf für 280 Yards sowie zwei Touchdowns, brachte 23 seiner 38 Pässe an. Doch ein Großteil dessen fiel auf die erste Hälfte und den ersten Drive danach ab, als die Eagles eine eigentlich komfortabel anmutende 17:3-Führung innehatten. Anhand des Endergebnisses lässt sich aber schon erkennen: Im Anschluss gelang offensiv kaum noch etwas, es folgten vier aufeinanderfolgende Drives, bei denen je gepuntet wurde, ehe ganz zum Schluss, mit einem Rückstand im Nacken, die Hail Mary hermusste - ohne Erfolg.
"Wir haben uns in bestimmten Bereichen verbessert. Wir könnten aber noch viel besser sein. Wir haben uns oft selbst ins Bein geschossen", urteilte etwa Wide Receiver Devonta Smith, der mit 114 Receiving Yards das mit Abstand produktivste Spiel seiner bisherigen Saison hatte, nach der Partie.
Smith verwies auf einige Spielzüge, bei denen die Receiver seiner Meinung nach Hurts' Handzeichen vor dem Snap übersehen hatten. "Es gibt Momente, in denen wir ihn anschauen, und er gibt vielleicht ein Signal, bevor oder nachdem wir hinschauen, und letztendlich müssen wir alle auf derselben Wellenlänge sein", sagte er, "Es waren nur Kleinigkeiten innerhalb der Routen. Er hat vielleicht vor dem Snap etwas gesehen, und manchmal haben wir es nicht gesehen." Hurts sagte derweil, er könne sich "an nichts dergleichen erinnern".
Offensive statistisch im unteren Ligadrittel
Verbessern ist auch hier das Stichwort. Nicht zum ersten Mal hat die Offensive in dieser Saison mit Problemen zu kämpfen gehabt, in Fahrt zu kommen. Sie neigt gar zu langen Phasen, in denen sie komplett zum Erliegen kommt. Mit bislang "nur" 261,6 Yards pro Spiel rangieren die Eagles im Ligavergleich auf Rang 30; 161,8 Passing Yards bedeuten gar Rang 31. Und auch das Rushing Game, das mit dem Offensive Player of the Year aus dem Vorjahr, Saquon Barkley, und Quarterback Jalen Hurts, einem der mobilsten Quarterbacks der Liga, bestückt ist, belegt mit 99,8 Yards im Schnitt nur Rang 25. Gegen die Broncos waren es bei nur elf Carries schlappe 45 Yards.
Dass die Eagles bis vergangenen Sonntag eine 4-0-Bilanz zu verzeichnen hatten, lag in großen Teilen an einer hohen Effizienz in der Red Zone, herausragendem Special-Teams-Play, dem die Eagles den Sieg gegen die L.A. Rams in Woche 2 zu verdanken haben, einer soliden Verteidigung und damit einhergehend einer positiven Turnover-Differenz (+4).
Auch die Unzufriedenheit im Locker Room der Eagles macht sich breit. Bereits vergangene Woche hatte Receiver A.J. Brown diese in einem Social-Media-Post zum Ausdruck gebracht, wenngleich er später erklärte, niemanden bei den Eagles damit gemeint zu haben. Seine magere Ausbeute von bislang lediglich 194 Receiving Yards und einem Touchdown (davon alleine 109 und der TD gegen die Rams) genügt nicht den Ansprüchen Browns, der die letzten Jahre zu einer der gefährlichsten Waffen der Liga gereift ist. Dass Smith und Brown, die als eines der besten Receiver-Duos der Liga gelten, auch nachweislich zweifelsohne zu solchen Zahlen imstande sind, macht die Fragezeichen in den Köpfen vieler umso größer.
Brown bemängelte nach dem Spiel gegen die Broncos etwa, die "Inkonsistenz sei wieder zum Vorschein gekommen". Symptomatisch ein Spielzug im dritten Viertel, als Hurts Brown mit einem tiefen Ball anvisierte, der jedoch etwas zu weit flog - auch, weil Brown während seiner Route sichtlich Tempo herausnahm. Darauf angesprochen, dass er ob der Eindrücke der vergangenen Wochen ohnehin nicht damit gerechnet habe, den Ball zu bekommen, antwortete er etwas ausweichend: "Wir haben uns einfach verpasst."
Erinnerungen an 2023 werden wach
Doch dass die Top-Receiver, die öffentlich ihren Unmut äußern, ihr Quarterback und auch der neue Offensive Coordinator Kevin Patullo - der den zu den New Orleans Saints abgewanderten Kellen Moore ersetzte - noch nicht auf einer Wellenlänge sind, ist nicht zu übersehen. Patullo steht zur Frühphase der Saison gar im Mittelpunkt der Kritik, erinnert die Saison bislang in vielen Teilen an die vor zwei Jahren, als man glanzlos 11-1 in die Saison startete, dann jedoch fünf der letzten sechs Spiele verlor und kläglich in der ersten Playoff-Runde ausschied.
Auch schematisch scheint die Lösung noch nicht gefunden, es fehlt schlicht eine offensive Identität. Denn auch das Running Game ist noch nicht der Faktor aus dem Vorjahr. Barkley hat in dieser Saison noch keinen seiner 83 Carries in einen 20-Yard-Lauf ummünzen können. Im Vorjahr hatte Barkley in der regulären Saison ganze 17 davon plus vier weitere (darunter 60-, 62- und 78-Yard-Touchdowns) in den Playoffs. Insgesamt steht Barkley, der im Vorjahr die 2000-Yard-Marke geknackt hat (5,8 Yards pro Lauf), bei durchschnittlich nur 3,2 Yards für insgesamt 267.
Insbesondere in Hälfte zwei gegen die Broncos haben es die Eagles gar nicht erst versucht hat, den Ball zu laufen. Nur zwei geplante Läufe versuchten die Eagles, einer davon wurde wegen einer Holding-Strafe sogar zurückgenommen. Demgegenüber standen 26 Dropbacks. Ebenso wenig ist Hurts in dieser Saison vergleichsweise ins Laufspiel eingebunden. Sneaks und Scrambles ausgenommen hat Hurts in dieser Saison in fünf Partien acht designte Läufe (1,6 pro Spiel). In den letzten drei Spielzeiten hatte er pro Partie durchschnittlich etwa 3,5 davon.
Ob der vor allem in der Breite großen Kaderqualität, die nicht zuletzt auch trotz der Ungereimtheiten für die gute Bilanz sorgt, sind die Eagles natürlich weit davon entfernt, Sorgenkandidat mit Blick auf eine mögliche Playoff-Teilnahme zu sein. Auch in der kommenden Woche gegen die bei 1-4 stehenden New York Giants sind die Eagles wieder klarer Favorit. Doch wollen die Eagles ihren Super Bowl verteidigen - das klar definierte Saisonziel - bedarf es in den kommenden Wochen doch einer gewissen Steigerung.