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Fields auf den Spuren von Mayfield?

kicker

Die National Football League ist eine Liga der Siege und Niederlagen. Insbesondere in Woche eins. Während sich Spieler und Coaches noch in neuen Rollen finden und Spieltaktiken verfeinert werden müssen, zählt letztlich nur, ob man den ersten Spieltag mit positivem oder negativem Gefühl hinter sich lässt. Nichtsdestotrotz gibt es Siege, die mehr Fragen aufwerfen als beantworten, und Niederlagen, die unerwarteten Optimismus verstreuen.

Zu Letzterem dürfte zweifelsohne das Spiel gegen die Pittsburgh Steelers aus Sicht der New York Jets zählen. Steril betrachtet unterlagen die Jets mit 32:34. Zu Buche steht eine 0:1-Bilanz. Unter Berücksichtigung aller Faktoren überwiegt allerdings das Positive. Allen voran die Leistung von Quarterback Justin Fields.

Ein vielversprechender Start gegen den Vorgänger

Es musste so sein, dass Aaron Rodgers im ersten Spiel als Quarterback der Steelers auf sein letztes Team, die Jets, treffen würde. Und mit der Gewissheit, dass der 41-Jährige mit einer gehörigen Portion Groll und dem Drang, allen in New Jersey den metaphorischen Mittelfinger zeigen zu wollen, aufspielen würde, trat Justin Fields - als Nachfolger - am Sonntag eine mehr als undankbare Aufgabe an.

In einem Markt wie New York würden sich die Medien bereits um den besten Platz vor seinem Galgen streiten, sollte der 26-Jährige den sportlichen Direktvergleich gegen Rodgers verlieren. Doch Fields trotzte dem Druck. Er trotzte dem Hohn der Offseason, als die Jets ihn als neuen Starter verpflichteten. Er trotzte all jenen, die fest davon ausgegangen waren, dass der Moment zu groß für ihn sein würde.

218 Passing Yards bei einer Passquote von über 73 Prozent, dazu 48 Yards und zwei Touchdowns am Boden. Fields war statistisch nicht überragend, aber bewies vieles von dem, was einen Starting Quarterback in der NFL ausmacht: Einen kühlen Kopf in spielentscheidenden Momenten, Anführerqualitäten und die Fähigkeit, den Ball mit schweren Würfen in die Hände seiner Passempfänger zu bringen.

Dass der 26-Jährige noch zu lernen hat, bewies derweil die letzte Situation im Spiel; als er beim vierten Versuch die Möglichkeit hatte, selbst zum First Down zu laufen, um die Siegchance am Leben zu halten, sich aber für einen Pass auf Garrett Wilson entschied.

Wilson fing den Ball, ließ diesen beim Hit von Verteidiger Jalen Ramsey jedoch fallen. Turnover on downs. Game over. Ein Justin Fields, der drei, vier solcher Spiele am Stück gemacht und eine breitere Brust hat, klemmt sich den Ball vielleicht unter den Arm, rennt zum First Down und führt sein Team noch zum Sieg. Vielleicht.

"Man muss nicht oft Glück haben, einmal reicht"

Als Fields im Jahr 2021 in die NFL kam, war die Erwartungshaltung groß. Die Chicago Bears wählten den Quarterback von der Ohio State University an Position elf der ersten Runde und hofften, ihren Heilsbringer endlich gefunden zu haben. Jahre später war klar: Fields und die Bears? Das passt nicht, dazu haben beide Seiten beigetragen.

Die Bears taten wenig, um die Entwicklung eines jungen Quarterbacks voranzutreiben. Es fehlte am Coaching und den qualitativen Mitspielern, die dabei helfen, den Sprung in die NFL zu meistern und in die Rolle des Franchise Quarterbacks hineinzuwachsen. Fields leistete sich indessen spielerische Fehler, die einem Spieler in seiner Position, mit zunehmender Erfahrung, nicht passieren dürfen.

Er blieb den Beweis schuldig, dass sich um ihn eine Gewinner-Franchise aufbauen lässt. Als sich den Bears schließlich nach drei Jahren die Chance bot, mit College-Sensation Caleb Williams einen Neuanfang einzuleiten, waren die Tage von Fields in Illinois gezählt.

Auch die vergangene Saison in Pittsburgh war wenig verheißungsvoll. Im internen Duell mit Veteran Russell Wilson konnte sich Fields nie wirklich behaupten. Er bekam seine Momente, war aber weit davon entfernt, um einen langfristigen Verbleib in Pittsburgh zu spielen. Bei den Jets startet der 26-Jährige nun seinen dritten Anlauf. Manch einer wertet diesen als Fields letzte Chance auf eine Zukunft als Starter.

Zum Glück geht es in der NFL - genau wie im Leben - nicht darum, immer Glück zu haben. Ein Mal genügt. Sinnbildlich dafür steht die Geschichte eines anderen Quarterbacks, Baker Mayfield. Einst von den Cleveland Browns gedraftet, führte der Weg des heute 30-Jährigen über Carolina und Los Angeles schlussendlich nach Tampa. Bei den Buccaneers trat Mayfield im Jahr 2023 das Erbe von Tom Brady, dem größten Quarterback aller Zeiten, an.

Mit einer Reputation, wohl bemerkt, bei seinen letzten drei Stationen nicht überzeugt zu haben. Doch Mayfield und die Bucs? Das passte. Divisionsieg, Playoff-Teilnahme, Sieg gegen den amtierenden NFC-Champion, die Philadelphia Eagles. Im letzten Jahr belohnte die Franchise Mayfield mit einem Dreijahresvertrag über 100 Millionen US-Dollar. Ein Vertrauensbeweis. Und ein Paradebeispiel dafür, dass es nur ein Team braucht, mit dem es sich "richtig" anfühlt.

Aller Anfang ist schwer

Fields hat noch einen weiten Weg vor sich, ehe die Jets ihm dieses Level von Vertrauen entgegenbringen. Allerdings gibt ihm das neue Regime die Gelegenheit, Teil der neuen Jets-Identität zu werden - und Teil der Zukunft. Ob der 26-Jährige alle Anlagen mitbringt, um auf eine vielversprechende Performance gegen die Steelers weitere folgen zu lassen, wird sich zeigen.

Er hat die Mitspieler, hat den Head Coach und die Gewissheit, dass Quarterbacks wie Baker Mayfield oder auch Sam Darnold ihr Glück früher oder später gefunden haben. Somit liegt es an ihm, es all jenen zu beweisen, die ihn bereits vor Saisonstart abgeschrieben haben. Bessere Voraussetzungen dafür hatte Fields in seiner Karriere vielleicht noch nie.