Sie stehen selten im Rampenlicht - und entscheiden doch regelmäßig Spiele: die Special Teams. Ein verpasster Extrapunkt, ein zu kurzer Punt, ein Return über 60 Yards oder eine unnötige Flagge: Oft sind es Kleinigkeiten, die den Unterschied machen.
Unter Special Teams-Coordinator Dave Toub galten die Chiefs jahrelang als Musterbeispiel für Präzision und Disziplin. Kicker Harrison Butker war ein sicherer Rückhalt, die Coverage-Units solide und die Return-Teams gefährlich.
Doch 2025 zeigt sich ein anderes Bild: Unkonzentriertheiten, Strafen und verschenkte Feldpositionen ziehen sich wie ein roter Faden durch die ersten Spielwochen. Nach fünf Partien lässt sich ein klarer Trend erkennen - und der zeigt nach unten.
Butker auf der Suche nach dem sicheren Stand
Kaum ein anderer Spieler der Unit steht dabei so sehr im Fokus wie Butker. Der Chiefs-Kicker, über Jahre ein Garant für Zuverlässigkeit und mit einem Jahresgehalt von 6,4 Millionen US-Dollar der bestbezahlte Kicker der gesamten NFL, erlebt derzeit eine Saison voller Kontraste.
Zu Saisonbeginn glänzte er noch mit einem 59-Yard-Field-Goal gegen die Los Angeles Chargers, doch im selben Spiel vergab er einen wichtigen Extrapunkt - die Chiefs verloren 21:27. In Week 3 gegen die New York Giants wurde Butker dagegen zum Matchwinner: Drei erfolgreiche Field Goals sorgten für den 22:9-Erfolg und den zwischenzeitlichen Aufschwung.
Dann folgte der Auftritt in Jacksonville und mit ihm die nächste Wende. Mit weniger als zwei Minuten auf der Uhr schoss Butker den Kickoff ins Aus, wodurch die Jaguars an der eigenen 40-Yard-Linie starten konnten. Nur wenige Spielzüge später lief Jaguars-Quarterback Trevor Lawrence zum entscheidenden Touchdown in die Endzone. Butker steht damit sinnbildlich für die Chiefs-Saison 2025: ein Spieler mit außergewöhnlichem Talent, dem jedoch die Konstanz fehlt. Vor allem dann, wenn es wirklich darauf ankommt.
Chiefs Special Teams mit Flaggen, Fehltritten und verschenkten Yards
Das Monday-Night-Spiel in Week 5 gegen die Jaguars verdeutlichte, wie sehr die Special Teams der Kansas City Chiefs derzeit zur Achillesferse geworden sind. Kaum eine andere Einheit trug so direkt zur Niederlage bei wie die von Coordinator Dave Toub: Kansas City kassierte gleich drei Special-Teams-Strafen im letzten Viertel. Damit verzeichnete das Team in nur einer Partie mehr Strafen als in den gesamten vier Wochen zuvor. Ein alarmierender Wert für eine Einheit, die jahrelang für Disziplin und Präzision stand.
Besonders schmerzhaft war ein 63-Yard-Kickoff-Return von Rookie Brashard Smith, der wegen eines Holdings von Linebacker Jack Cochrane zurückgepfiffen wurde. Statt eines sicheren Field-Goal-Versuchs musste Kansas City wenig später aus der eigenen Hälfte punten - Momentum verpufft.
Der folgenschwerste Moment kam kurz vor Schluss: Der fehlplatzierte Kickoff ermöglichte den Jaguars die Startposition an der eigenen 40-Yard-Linie und brachte sie damit überhaupt erst auf die Siegerstraße. Zwar stand im Anschluss auch noch eine von Steve Spagnuolo gecoachte Defense auf dem Feld, die den Touchdown hätte verhindern können, und auch die Offense um Andy Reid und Patrick Mahomes trug ihren Teil zur späten Niederlage bei.
Doch in den engen Spielen der vergangenen Jahre konnten sich die Kansas City Chiefs meist auf ihre Special Teams verlassen. Sie waren oft der kleine, aber entscheidende Unterschied. In Jacksonville jedoch versagten sie genau in dieser Rolle: Anstatt für Stabilität zu sorgen, lieferte einer der schwächsten Auftritte der Unit den entscheidenden Ausschlag für die Niederlage.
Versteckte Punktverluste
Football ist ein Spiel der Details, und genau diese Details kosten die Kansas City Chiefs derzeit wertvolle Punkte. Ein Blick auf die Zahlen zeigt, wie groß das Problem tatsächlich ist: Die Field-Goal-Erfolgsquote liegt bei nur 76,9 Prozent - der Liga-Durchschnitt bei rund 82 Prozent - , die Extrapunkt-Quote bei 84,6 Prozent, währen die restlichen Teams im Schnitt auf etwa 92 Prozent kommen.
Auch bei den Punts hinkt Kansas City hinterher: Die Netto-Distanz von durchschnittlich 42,1 Yards ist nur Mittelmaß. Hinzu kommt, dass die Chiefs bei Kickoff-Returns im Schnitt über 20 Yards pro Versuch zulassen.
In der Gesamtbewertung verlieren sie über ihre Special Teams im Schnitt 2,3 Expected Points Added (EPA) pro Spiel - ein Wert, der auf den ersten Blick gering erscheint, sich über den Saisonverlauf jedoch deutlich bemerkbar macht. Hochgerechnet auf die bisherigen Partien ergibt das einen Verlust von rund zehn bis zwölf Punkten, die Kansas City in Offense oder Defense mühsam wieder aufholen muss.
Gerade in einer AFC, die so ausgeglichen ist wie seit Jahren nicht, können solche Kleinigkeiten über Sieg oder Niederlage entscheiden. Während beispielsweise die Buffalo Bills ihre Special Teams gezielt als taktische Waffe einsetzen, verlieren die Chiefs in dieser Spielphase regelmäßig wertvolle Feldpositionen und damit die Kontrolle über enge Spiele.
Die dritte Phase des Spiels entscheidet
Die Kansas City Chiefs zählen weiterhin zu den talentiertesten Teams der gesamten NFL. Doch die Saison 2025 zeigt eindrucksvoll: Selbst Spitzenmannschaften sind nur dann erfolgreich, wenn sie in allen drei Spielphasen konstant abliefern. Schon im kommenden, richtungsweisenden Duell mit den Detroit Lions muss Special-Teams-Coordinator Dave Toub beweisen, dass er seine Unit wieder auf Kurs bringen kann.