Der Most Valuable Player ehrt nicht zwangsläufig den besten Spieler der NFL, sondern den wertvollsten. Das Wort "valuable" spielt hier eine entscheidende Rolle - denn kein Spieler hat so großen Einfluss auf Erfolg oder Misserfolg eines Teams wie der Quarterback. Entsprechend geht die Auszeichnung fast ausschließlich an die Spielmacher.
Dabei zählt jedoch nicht nur die Statistik: Oft fließen auch die Storyline und die Gesamtleistung des Quarterbacks im Kontext des Teams mit ein. Ein MVP ist also mehr als nur der Spieler mit den besten Statistiken - es geht darum, wie er spielt, welche Umstände ihn umgeben und welchen tatsächlichen Wert er für sein Team hat. Zumindest sollte es das.
In dieser Auflistung wurden bekannte Namen wie Patrick Mahomes, Josh Allen oder auch Lamar Jackson bewusst außen vor gelassen. Sie gehören ohnehin jedes Jahr zu den Topfavoriten, weil sie zu den besten Quarterbacks der Liga zählen. Stattdessen stehen fünf Spieler im Fokus, die sich in den ersten sechs Wochen besonders hervorgetan haben.
Baker Mayfield (Tampa Bay Buccaneers)
Baker Mayfield ist derzeit vielleicht der Quarterback, der am meisten Spaß macht, wenn man ihm zusieht. Mit 1539 Passing Yards liegt er auf Platz vier in der NFL. Dazu kommen 12 Touchdowns bei nur einer Interception - ein beeindruckendes Verhältnis. Sein Passer Rating von 108,5 rangiert ligaweit auf Platz sechs.
Unter seiner Führung stehen die Buccaneers bei einer Bilanz von 5-1, aktuell auf Rang eins in der gesamten NFC. Besonders beeindruckend: Mayfield musste teilweise wochenlang auf einige seiner besten Spieler verzichten - unter anderem Tackle Tristan Wirfs, Bucky Irving, die Receiver Chris Godwin, Mike Evans, Jalen McMillan und zuletzt auch Rookie-Sensation Emeka Egbuka. Vergangene Woche stand er zwischenzeitlich sogar ohne seine vier besten Receiver und mit einer verletzungsgeplagten Offensive Line auf dem Feld - und trotzdem siegte Tampa Bay weiter.
Seine Fähigkeit, unter Druck Spielzüge zu verlängern, mit den Beinen First Downs zu holen oder durch präzise Würfe die Defense zu attackieren, macht ihn in dieser Saison zu einem echten MVP-Kandidaten.
Drake Maye (New England Patriots)
Der Quarterback im zweiten NFL-Jahr aus New England hat sich in den letzten Wochen in die nationale und internationale Diskussion gespielt. Mit 1522 Passing Yards, 10 Touchdowns und nur zwei Interceptions bei einem Passer Rating von 112,5 zeigt Maye eine rasante Entwicklung in die Sphären der Top-Quarterbacks der NFL. Besonders beeindruckend war der Auswärtssieg bei den Buffalo Bills - ein echtes Statement-Spiel in seiner noch jungen Karriere.
Mit einer Bilanz von 4-2 führen die Patriots aktuell die AFC East an. Zwar waren einige Gegner bislang eher leicht, doch gerade letzte Woche gegen New Orleans überzeugte der junge Quarterback und hätte statistisch sogar noch besser dastehen können, wenn mehrere umstrittene Schiedsrichterentscheidungen seine besten Plays nicht zunichtegemacht hätten. Seine Ruhe, Präzision, Spielintelligenz und sein überragendes Arm-Talent lassen erahnen, dass New England vielleicht wieder einen echten Franchise-Quarterback gefunden hat.
Sam Darnold (Seattle Seahawks)
Was für eine Wiedergeburt! Sam Darnold, nach Stationen bei den Jets und Panthers bereits abgeschrieben, belebte seine Karriere vergangene Saison bei den Vikings wieder - und spielt nun im ersten Jahr bei den Seahawks die bislang beste Saison seiner Karriere. Mit 1541 Passing Yards liegt er ligaweit auf Platz drei. Mit 11 Touchdowns und drei Interceptions sowie einem Passer Rating von 116,0 spielt Darnold dieses Jahr ganz oben mit und ist aktuell der vielleicht effizienteste Quarterback der NFL als reiner Passer.
Unter seiner Regie erzielt Seattles Offense 27,7 Punkte pro Spiel - Platz fünf in der NFL. Besonders stark: Sein Average Depth of Target (ADOT), also die durchschnittliche Tiefe seiner Würfe, liegt bei 10,1 Yards - mit Abstand der höchste Wert aller Quarterbacks mit mindestens fünf Starts. Diese Statistik zeigt, dass Darnold das Feld aggressiv vertikal attackiert. Besonders bemerkenswert ist, dass er den Ball dabei besser schützt als jeder andere. Seine Offense ist explosiv, mutig und effizient - ein klarer Grund, warum die Seahawks derzeit wieder zu den gefährlichsten Teams der NFC zählen.
Dak Prescott (Dallas Cowboys)
Dak Prescott spielt statistisch eine herausragende Saison - und das trotz widriger Umstände. Mit 1617 Passing Yards, 13 Touchdowns und drei Interceptions liefert er beständig starke Leistungen ab. Sein Passer Rating von 104,6 platziert ihn auf Rang neun.
Dallas erzielt im Schnitt 29,7 Punkte pro Spiel, der drittbeste Wert der Liga. Und das, obwohl Prescott seit Wochen ohne seinen Top-Receiver CeeDee Lamb auskommen muss und eine stark dezimierte Offensive Line vor sich hat. Seine Receiver lassen ihn zudem häufig im Stich - 12 Drops, der dritthöchste Wert der Liga laut PFF. Dazu kommt die vielleicht schwächste Defense der gesamten Liga, die 30,7 Punkte pro Spiel zulässt. Dass Dallas trotzdem bei 2-3-1 steht, ist fast ausschließlich Prescotts Verdienst.
Matthew Stafford (Los Angeles Rams)
Matthew Stafford führt einmal mehr die Liga an - sowohl bei den Passing Yards (1684) als auch bei den Yards pro Spiel (280,7) unter Quarterbacks mit mindestens fünf Starts. Mit 12 Touchdowns, nur zwei Interceptions und einem Passer Rating von 106,2 belegt er Platz sieben im Ligavergleich.
Mit einem 4-2 Record sind die Rams klar auf Playoff-Kurs, auch wenn sie in der NFC West aktuell nur auf Platz drei liegen. Besonders die Verbindung zu Receiver Puka Nacua sorgt regelmäßig für spektakuläre Szenen und hat bereits mehrere Rekorde gebrochen. Der erfahrene Quarterback zeigt dabei Woche für Woche, dass er selbst im gestiegenen Alter immer noch auf höchstem Niveau spielen kann.
Einzig die Effizienz in der Red Zone trübt das Gesamtbild: Nur in 50 Prozent der Trips erzielt die Offense dort einen Touchdown, was Platz 24 in der NFL bedeutet und dazu führt, dass die Offense nicht zu den Top-Scoring-Units gehört. Trotzdem bleibt Stafford einer der präzisesten und konstantesten Quarterbacks der Liga - und damit ein legitimer Kandidat im MVP-Rennen.
Fazit
Das MVP-Rennen 2025 ist offener denn je. Während Superstars wie Mahomes und Allen immer um den Award mitspielen, drängen sich neue Gesichter wie Drake Maye oder Sam Darnold in den Vordergrund der MVP-Debatte. Baker Mayfield erlebt ein weiteres Karrierehoch, Dak Prescott trägt sein Team fast im Alleingang - und Matthew Stafford beweist, dass er trotz seines Alters noch immer zur Elite gehört. Wer am Ende wirklich den Most Valuable Player stellt, dürfte neben den Statistiken vor allem davon abhängen, welcher Quarterback mit seinem Team die beste Storyline schreibt.