Häufig kommen Nachfragen danach, was genau dieses Quarterback-Ranking ausdrückt. Oder genauer: Welchen Zeitraum. Ist es ein Snapshot rein der bisherigen Saison? Wird die Analyse eines Quarterbacks über mehrere Jahre zu sehr gewichtet? Ist es ein Gesamt-Karriere-Ranking?
Die Antwort liegt in der Mitte: Quarterbacks verändern sich innerhalb weniger Wochen nicht einfach fundamental. Das ist ein längerer Prozess, der sich, sofern er eintritt, erst in verschiedenen Situationen, Matchups und Umständen bestätigen muss. Daniel Jones ist nicht besser als Lamar Jackson, auch wenn man dafür argumentieren kann, dass er rein über die ersten fünf Wochen besser gespielt hat. Und doch würde im Vakuum niemand für ein Spiel nächste Woche Jones gegenüber einem fitten Lamar Jackson bevorzugen. Welche Realität also soll ein Ranking ausdrücken, in dem Jones nach fünf Wochen über Jackson rangiert?
Wir sehen Entwicklungen, Tendenzen, Trends, und die gilt es zu berücksichtigen. Aber mein Ziel mit diesen Quarterback Rankings ist es nicht, die Leistungen der letzten zwei, drei oder vier Wochen gegeneinander aufzuwiegen. Kleine und wenig aussagekräftige Sample Sizes sollten hier nicht die übergreifende Analyse dominieren. Denn wo Power Rankings - also die Einschätzung der 32 Teams - größere Sprünge in einem Vier-Wochen-Fenster rechtfertigen, sollte das bei Quarterbacks nur in sehr seltenen Ausnahmefällen passieren.
Es ist vielmehr eine grundlegende Einschätzung des jeweiligen Spielers - die sich natürlich über die Zeit auch verändern kann und wird - als Basis, kombiniert mit dem Eindruck der letzten Wochen und generell aus dieser Saison.
Das soll in Summe eine Analyse und eine Einordnung ergeben, die auf stabileren Füßen steht. Und die nicht in vier Wochen nach zwei schlechten Spielen dann doch wieder auf den Kopf gestellt wird. Deshalb sind die Tiers hier kritisch, die eine Art Ranking im Ranking darstellen. Innerhalb dieser Tiers wird es immer mehr Bewegung geben, als dass Quarterbacks ein Tier hoch oder runter wandern.
NFL Quarterback Ranking nach Week 5
Sechstes Tier: Noch außer Konkurrenz
J.J. McCarthy, Minnesota Vikings: Die größte Gefahr bei McCarthy ist, dass es bald Overreactions gibt. Er hat erst zwei Spiele gespielt, die waren beide sehr überschaubar. Sollte er nach Minnesotas Bye Week dann gegen die Eagles schlecht aussehen - was durchaus realistisch ist - wird dieses Thema eher noch prominenter. Nur fünf Tage später geht es in Los Angeles gegen die Chargers.
Was kann man bisher festhalten? In jedem Fall eine gewisse mentale Stärke angesichts des Comebacks gegen die Bears. Gleichzeitig schien das Spiel in den beiden Partien gegen Atlanta und Chicago mitunter noch sehr schnell für ihn zu laufen. Das führt zu Würfen, die schwieriger sind, als sie sein müssten, es führt zu wackligem Pocket-Verhalten. Und auch sein Touch über die Mitte muss nach wie vor besser werden. Er wird Zeit bekommen, aber die Vikings müssen auch Fortschritte sehen.
Jaxson Dart, New York Giants: Es war offensichtlich, wie sehr der erste Start von Jaxson Dart der ganzen Franchise einen völlig anderen Vibe gab, angefangen mit Head Coach Brian Daboll. Und das Spiel gegen die Chargers zeigte auch gleich das, was Darts Spiel früh in seiner Karriere vermutlich auszeichnen wird: Viel Quick Game, RPOs und das Quarterback Run Game als ein wichtiger Bestandteil der Offense.
Der zweite Start war dann ein Reality Check. Die Giants bewegten den Ball zu Beginn gut gegen die Saints, reihten dann aber Fehler an Fehler. Das ist ein Stück weit erwartbar mit einer jetzt sehr jungen Offense, in der zudem der beste Spieler in Person von Malik Nabers fehlt. Dennoch: Von Darts weiterer Entwicklung hängt jetzt in New York sehr viel ab.
Dillon Gabriel, Cleveland Browns: Brian Flores' Vikings Defense in London für den ersten Start - es gibt einfachere Aufgaben. Dennoch zeigte Gabriel, warum es die richtige Entscheidung war, ihm jetzt die Chance zu geben. Nicht nur, weil Joe Flacco kaum noch spielbar war; sondern auch, weil Gabriel der Offense einen Rhythmus geben kann.
Sein erstes NFL-Spiel war wenig überraschend eine Bestätigung seines College-Tapes. Gabriel ist ein akkurater Quick Game Passer, der ein funktionaler Ballverteiler für eine Offense ist. Die Frage nach dem Ceiling ist eine ganz andere Frage, aber die versuchen die Browns jetzt über die kommenden Wochen zu beantworten.
Fünftes Tier: Quarterbacks, die bald (wieder) Backups sind
29. Jake Browning, Cincinnati Bengals
Ranking vor Saisonstart: nicht geranked
Vielleicht schafft Browning ja noch den Turnaround und spielt eher wie vor zwei Jahren, als er Joe Burrow ebenfalls über mehrere Wochen vertreten musste. Damals änderten die Bengals ihre Offense auch strukturell, spielten mehr Under Center, nutzten Play Action und waren insgesamt effizienter.
Davon sind sie aktuell weit entfernt. Das liegt nicht (nur) am Quarterback, es sind die Umstände insgesamt. Die Line, das Run Game, die eigene Defense.
Bisher sieht Browning aber auch sehr klar wie ein Backup-Quarterback aus, der überfordert ist. Und der jetzt für Joe Flacco gebenched wird, der ehe er seinen Startplatz in Cleveland verlor, bis dahin hier auf dem letzten Platz rangierte. All das unterstreicht umso mehr, wie extrem Joe Burrow diese Offense und das ganze Team getragen hat.
28. Justin Fields, New York Jets
Ranking vor Saisonstart: 27
Ich denke nicht, dass die bisherige Saison irgendwelche neuen Erkenntnisse in der Analyse von Justin Fields liefert.
Er ist nach wie vor ein Quarterback, der nur funktioniert, wenn alles über das Run Game läuft. Wenn er selbst Teil der Rushing Offense ist, aber vor allem, wenn die Offense Spiele am Boden kontrolliert und der Quarterback weniger den offensiven Rhythmus kreieren muss, sondern eher Downfield attackieren kann. Wenn er drei Big Plays treffen muss, statt 20 Mal den Ball Underneath verteilen zu müssen.
Geht diese Formel auf, dann kann es Spiele wie in Woche 1 gegen die Steelers geben, wo genau dieses Szenario zu beobachten war. Doch ist es so eindimensional, und das wissen gegnerische Defenses natürlich auch. Mit Fields wird die Offense letztlich immer stark limitiert sein, so eindrucksvoll seine einzelnen Shot Plays oder langen Runs auch sein können. Eine wirkliche Basis für die Offense ist das aber nicht.
Viertes Tier: Junge Hoffnungsträger und angehende Bridge-Quarterbacks
27. Cam Ward, Tennessee Titans
Ranking vor Saisonstart: 29
Die Sample Size ist natürlich noch klein, und die Umstände in Tennessee sind noch viel schwieriger als gedacht. Das macht die Bewertung von Ward selbstredend schwierig, und hier kann sich auch die Analyse mit mehr Datenpunkten noch dementsprechend deutlich verändern.
Was wir von Ward bisher sehen, ist ein Gunslinger-Quarterback. Das war Ward auch im College, und diese Aggressivität bewahrt er sich bislang in der NFL. Das ist überaus positiv, denn er versucht Würfe, die längst nicht jeder Starting-Quarterback in der NFL so angeht. Und er trifft einige dieser Shot Plays auf eindrucksvolle Art und Weise.
Dabei gelingt es ihm bisher sogar, die Turnover relativ niedrig zu halten. Dafür sieht man in anderen Bereichen seines Spiels noch, dass er ein Rookie ist. Er hält den Ball häufig noch sehr lange und zieht dadurch zusätzliche Sacks an. Seine Down-für-Down-Accuracy ist noch nicht auf dem Level, auf das sie kommen muss. Auch seine Reads sind natürlich noch nicht auf dem Niveau, das erfahrene Starter haben.
Dennoch hat Ward über die ersten fünf Wochen mindestens mal angedeutet, dass er ein Quarterback ist, um den herum man weiter bauen kann.
26. Spencer Rattler, New Orleans Saints
Ranking vor Saisonstart: 32
Rattler hat sich vom fünften in das vierte Tier hochgearbeitet. Denn er spielt eine Saison, die ein wenig an einige Gardner-Minshew-Jahre erinnert: Ein effizienter Underneath Ballverteiler mit gutem Rhythmus, von dem man letztlich im Boxscore das bekommt, was die offensiven Umstände hergeben.
Minshew hat das eine Karriere als High-End-Backup mit mehreren Chancen auf Starts eingebracht. Nach den ersten fünf Wochen halte ich das für keine unrealistische Prognose, was die weitere Karriere von Spencer Rattler angeht.
Und Rattler hat sich dabei überraschend entwickelt. Seine Einsätze letztes Jahr waren häufig ausgesprochen wild, mit viel Risiko und vielen Shot Plays, eben ohne Rhythmus. Dieses Jahr ist es fast das Gegenteil - denn Downfield geht bislang nicht viel für die Saints-Offense. Gegen die Giants gab es mit dem Shot auf Rashid Shaheed endlich mal ein echtes Big Play.
Ich denke weiterhin, dass der Starting-Quarterback der Saints für 2026 erst in der kommenden Offseason neu ins Team kommen wird. Das Zwischenfazit aber für Rattler ist, dass er den Tyler-Shough-Pick bisher noch fragwürdiger erscheinen lässt. Und dass er für sich selbst die Basis für eine längerfristige NFL-Karriere legt.
25. Tua Tagovailoa, Miami Dolphins
Ranking vor Saisonstart: 19
Die beste Version von Tua Tagovailoa war immer der Quarterback, der den Ball schnell und präzise verteilt, der sehr strikt im Scheme spielt und so die Playmaker in Szene setzt und dabei gleichzeitig die Offensive Line entlastet. Er ist ein limitierter Quarterback, aber in diesen Parametern konnte Miami mit ihm eine sehr produktive Offense aufs Feld bringen.
Dieses Jahr wirkt er nicht nur ähnlich limitiert, sondern noch viel fehleranfälliger. Er hat viel mehr eklatante Turnover und wirkt generell nicht so konstant in seinen Reads und seinen Entscheidungen. Er hält den Ball auch länger als in vergangenen Jahren und scrambelt häufiger. Und auch seine Accuracy ist nicht so verlässlich wie gewohnt.
Teilweise liegt das auch daran, dass gegnerische Defenses schematisch sehr viel mehr Zugriff auf Miamis Offense haben, als noch vor zwei Jahren. Aber auch das legt die Probleme in Tuas Spiel offen: Second Reaction Plays sind nicht seine Stärke, Umgang mit Druck ist nicht seine Stärke, sich vom ersten Read zu lösen fällt ihm mitunter schwer. Auch weil er es in der Offense so gewohnt ist, den Ball zum ersten Read raus zu feuern.
Sollte es in Miami nach der Saison den großen Umbruch geben, würde es mich nicht wundern, wenn das auch die Quarterback-Position beinhalten würde. Falls Tagovailoa dann via Trade zu haben ist, wäre es zumindest interessant zu sehen, wie die Liga den Trade-Wert des 27-Jährigen einschätzt - und welche Offenses Interesse an ihm hätten.
24. Bo Nix, Denver Broncos
Ranking vor Saisonstart: 20
Wenige Quarterbacks bekommen so viel schematische Hilfe wie Bo Nix. Daniel Jones in Indianapolis gehört in diese Gruppe, Jared Goff in Detroit würde ich hier weiterhin dazu packen, und, wenn auch auf etwas andere Art und Weise als die anderen, Aaron Rodgers in Pittsburgh.
Nix bekommt extrem viel geschemte Production. Viel Play Action, die viert-meisten Screens ligaweit und generell viele sehr kurze Würfe, aus denen häufig größere Raumgewinne entstehen. All das hinter einer der besten Pass-Blocking-Lines ligaweit, sowie mit einem Run Game, das klar besser ist als noch im Vorjahr.
Vergangene Saison waren die Argumente für Nix, dass er wenig negative Plays verschuldet und seine Aggressivität Downfield mit positiven Plays vor allem als Scrambler kombiniert. Doch zum einen will ich in Jahr 2 Fortschritte sehen, um der Offense eine mittelfristig positive Prognose geben zu können. Und zum anderen haben sich selbst die Argumente aus Jahr 1 noch nicht komplett auf die bisherige Saison übertragen.
Nix wirft deutlich mehr Risiko-Bälle, und im vertikalen Passing Game ist er noch nicht auf dem Level, das er zum Ende der vergangenen Saison hatte. Andernfalls hätte Denver beispielsweise das Spiel gegen die Chargers gewonnen.
Das kommt zusätzlich zu den Kritikpunkten, die ich vor der Saison bereits hatte. Nix zögert immer noch häufiger, ist zu spät mit Würfen und verfehlt Targets, die er treffen sollte. Sollte sich seine bisherige Saison so fortsetzen, bin ich sehr gespannt, wie Sean Payton die Quarterback-Position nach der Saison einschätzt. Immerhin: Das vierte Viertel gegen die Eagles war klar Nix' bis dato bester Auftritt in dieser Saison. Jetzt muss er daran anknüpfen.
23. Bryce Young, Carolina Panthers
Ranking vor Saisonstart: 22
Es ist eine sehr unbefriedigende Saison für Bryce Young und die Panthers. Das gilt in vielerlei Hinsicht, mit Blick auf Young aber vor allem dahingehend, dass die Evaluierung des Quarterbacks eine ganz hohe Priorität in Carolina haben muss. Hier muss nach der Saison eine klare Antwort stehen, um sich dann gegebenenfalls aggressiv nach einem neuen Starter umzuschauen - oder um bei Young über die Fifth Year Option nachzudenken. Die Frist dafür ist der 1. Mai 2026.
Nun ist es nicht so, dass Young Bäume ausreißen würde. Auch das starke finale Saisondrittel letztes Jahr wirkt, wenn man heute darauf schaut, eher wie ein kurzes Strohfeuer. Und vielleicht reicht das als Antwort auf die Quarterback-Frage.
Doch er spielt eben auch schon wieder seit Wochen hinter mehreren Backups in der Offensive Line, während Skill Player links und rechts ausfallen. Einzig Rookie-Receiver Tetairoa McMillan überzeugt hier bisher. Und auch Head Coach Dave Canales ist angezählt.
Es sind auch in Jahr 3 schwierige Umstände, aber es ist eben auch Jahr 3 für einen Nummer-1-Overall-Quarterback. Und die Argumente für ihn sind dafür schlicht überschaubar. Die zentrale Frage bei Young für mich vor der Saison war, ob er die hohe Quote an aggressiven Downfield-Pässen so beibehalten kann. Und ob er, sollte das nicht der Fall sein, mehr Konstanz Underneath an den Tag legt. Bisher fallen beide Antworten negativ aus.
22. Michael Penix, Atlanta Falcons
Ranking vor Saisonstart: 26
Gut, dass Penix vor der Bye dieses Spiel gegen Washington - zugegebenermaßen eine sehr schwache Commanders-Pass-Defense - hatte. Denn bei einem Quarterback, bei dem wir immer noch über eine vergleichsweise kleine Sample Size sprechen, war das nach einem sehr enttäuschenden Spiel gegen die Panthers in der Woche davor das beste Spiel, das ich von Penix bislang in der NFL gesehen habe.
Auch weil er die Dinge zeigte, die mir in den ersten drei Wochen insgesamt bei ihm noch zu häufig gefehlt haben: Antizipation und präzises Timing im Passing Game. Konstantere Accuracy. Mehr Downfield-Aggressivität. Das führte in Summe prompt zu mehr offensivem Rhythmus.
Penix’ Arm ist gut genug, um das ganze Feld zu öffnen. Die Falcons nutzen das auch gerne unter anderem mit tieferen Out Routes aus. Doch die Offense war bisher sehr berechenbar, was nicht nur, aber auch an Penix selbst lag. Wenn er an das Washington-Spiel auch gegen bessere Pass-Defenses anknüpfen kann, wird er hier auch weiter klettern.
21. Aaron Rodgers, Pittsburgh Steelers
Ranking vor Saisonstart: 24
Ja, die totalen Zahlen sind bisher - sagen wir, in Ordnung. Rodgers bringt knapp 70 Prozent seiner Pässe an, hat über sieben Yards pro Pass und steht bei acht Touchdowns sowie drei Picks.
Das aber erzählt nicht ansatzweise die ganze Geschichte dessen, was diese Steelers-Offense ist. Rodgers wirft den Ball mit weitem Abstand kürzer als jeder andere Quarterback. Seine durchschnittliche Target-Tiefe liegt bei 5,2 Yards. Das wäre fast ein volles Yard kürzer als Tua Tagovailoa letztes Jahr, der die niedrigste Target-Tiefe aller Quarterbacks mit mindestens 300 Dropbacks hatte.
Und er wirft den Ball im Schnitt in 2,48 Sekunden. Diese Zahl wurde letztes Jahr über die ganze Saison nur von Tua unterboten.
Es ist eine extreme Dink-and-Dunk-Offense, in der Rodgers hinter einer wackeligen Offensive Line offensichtlich nur wenig Interesse daran hat, den Ball länger zu halten und Plays spät im Down zu machen. Das setzt sich bei ihm nahtlos aus der vergangenen Saison fort. Das macht ihn zu einem reinen Ballverteiler, der komplett vom Scheme und den Playmakern abhängig ist - und trotzdem hat er eine der höchsten Turnover Worthy Play Rates aller Quarterbacks ligaweit über die ersten fünf Wochen.
Das ist in aller Regel eine Formel, bei der man massive Stat-Regression über die weitere Saison erwarten muss. Rodgers hat immer noch den Arm, um die ein, zwei Big Plays pro Spiel zu machen, um Pittsburgh ein enges Spiel zu gewinnen. Auch das hat er schon gezeigt. Aber ich bin skeptisch, dass sich diese Art Offense über die ganze Saison konservieren lässt.
20. Daniel Jones, Indianapolis Colts
Ranking vor Saisonstart: 30
Rein, was die Überschrift angeht, könnte Jones auch schon in das nächste Tier passen. Als ein Starter, der mit Hilfe in Indianapolis über die ersten Wochen dieser Saison ohne Frage glänzt.
Ich will aber erst noch sehen, ob sich das bestätigt. Ob er mehr sein kann als eben der Bridge-Quarterback. Und das bedeutet ganz konkret: Wie viel kann er der Offense individuell geben, wenn die offensiven Umstände nicht funktionieren? Wenn er nicht die höchste Play-Action-Quote ligaweit bekommt, wenn er nicht über 80 Prozent seiner Würfe zum ersten Read feuert, wie über die ersten drei Wochen?
Gegen die Rams gab es einen kleinen Vorgeschmack darauf, und das immer noch in einem Spiel, in dem die Defense längst nicht alles weg nahm, was die Colts offensiv machen wollen.
Gegen die Raiders war das dann wieder kein Problem. Vielmehr unterstrichen Jones und die Colts, wie hoch der Floor ist, indem sie die Fehler des Gegners eiskalt bestraften. Und das auch mit einer ersten Hälfte, in der das Run Game überraschend keine Rolle spielte.
Ich für meinen Teil hatte nicht erwartet, dass die Colts mit Jones auch nur ansatzweise so effizient sein können. Das war vermutlich teilweise ein Unterschätzen der Umstände, definitiv aber Zweifel an Jones. Die sind nach fünf Spielen nicht einfach vom Tisch, aber wenn er so weiter macht, ist das dritte Tier bis Saisonende denkbar.
Drittes Tier: Kompetente Starter, die mit Hilfe glänzen
19. Trevor Lawrence, Jacksonville Jaguars
Ranking vor Saisonstart: 17
Für mich einer der frustrierendsten Quarterbacks dieser Saison. Nicht weil Lawrence per se schlecht wäre. Er ist immerhin auch hier noch innerhalb der Top 20 einsortiert und das Spiel gegen die Chiefs hat in Summe gezeigt, was er kann. Hier hatte er einige gute Plays in der Pocket, wo ich ihn nach wie vor sehr mag, und gab der Offense auch als Runner und Scrambler eine zusätzliche Dimension.
Der Kritikpunkt ist mehr all das, was möglich wäre - und was Lawrence (noch?) nicht abrufen kann.
Er ist gut, wenn er im reinen Dropback Passing Game einen klaren Read identifiziert, und den Ball dann sauber raus feuert. Dann sieht man auch all die physischen Tools, die Lawrence einst zum hoch gehypten Prospect gemacht hatten.
Doch wenn er durch eine ganze Progression gehen soll, wenn er Play Action Konzepte vernünftig auslesen soll, dann hat er merkliche Probleme. Das fällt nicht zuletzt bei einigen seiner Entscheidungen bei Würfen über die Mitte auf. Und da sprechen wir noch gar nicht von seinen immer noch sehr präsenten Accuracy Wacklern. All das limitiert Jacksonvilles Offense, die unter Liam Coen schnell einen erstaunlich hohen Floor mit dem Run Game entwickelt hat, und die auch im Passing Game weiter sein könnte.
Lawrence ist nicht das einzige Problem hier, insbesondere Top Receiver Brian Thomas hatte einen üblen Start in diese Saison. Aber es ist auch der Quarterback, der diese Offense bislang noch zu häufig zurückhält. Gleichzeitig sei auch gesagt: Mehr Auftritte wie der gegen Kansas City, und die Top 15 ist möglich.
18. Caleb Williams, Chicago Bears
Ranking vor Saisonstart: 23
Ganz klar positive Tendenzen bei Williams. Zum Saisonauftakt gegen Minnesota wirkte er noch sehr unrund, gegen Detroit war ich im Nachhinein schon sehr positiv zumindest von seiner ersten Halbzeit überrascht.
Das war mehr Ballverteilen In-Structure, das war viel besseres Timing. Und diese Momente gab es auch in den Wochen seitdem. Hier muss er weiter noch mehr Konstanz reinbringen, damit Ben Johnsons Offense zumindest was das Passing Game angeht - das Run Game ist eine ganz eigene Problematik - diesen Rhythmus entwickelt, den wir in Detroit so häufig gesehen haben.
Zusätzlich dazu kreiert er auch. Williams geht im Vergleich zu Jared Goff in Johnsons Offense mehr Risiken ein, und nicht immer wird das belohnt. Das muss richtig dosiert sein, aber letztlich wollen wir genau das ja von dem 23-Jährigen sehen: Kalkuliertes Playmaking, kombiniert mit hoher Konstanz innerhalb der Struktur der Offense. Nach vier Wochen scheint Williams auf einem guten Weg zu sein.
17. C.J. Stroud, Houston Texans
Ranking vor Saisonstart: 14
All die Hoffnungen für die Texans-Offense wirken nach den ersten fünf Spielen noch immer weitestgehend deplatziert. Auch wenn die Spiele gegen Tennessee und Baltimore Schritte in die richtige Richtung waren.
Doch die Offensive Line ist nicht repariert, das Run Game ist ein Problem, und auch der Austausch des Offensive Coordinators hatte nicht den gewünschten Effekt.
Stroud individuell zu bewerten ist in diesen Umständen deshalb auch ähnlich schwer, wie während der vergangenen Saison. Denn in so vielen klaren Dropback-Passing-Situationen zu sein, hinter einer Line, die alles andere als sattelfest ist - das bietet nicht viel Spielraum.
Ich würde meine Kritik an Stroud deshalb auf zwei Punkte herunterbrechen: Es fällt ihm schwer, die Offense in schwierigen Umständen zu tragen; eine Qualität, die viele der Quarterbacks, die ich hier über ihm ranke, haben.
Und: Er verfehlt auch zu viele Bälle. Was umso gravierender ins Gewicht fällt, wenn die Offense den Ball sonst kaum bewegt.
Ich denke immer noch, dass Stroud ein guter Quarterback sein kann, der sich auch perspektivisch wieder näher Richtung Top 10 orientiert. Aber das Zwischenfazit nach jetzt gut zwei Spielzeiten muss fairerweise auch beinhalten, dass Stroud ein guter, aggressiver Passer ist, der mehr Structure-abhängig ist, als es vielleicht nach seiner Rookie-Saison den Anschein hatte.
16. Geno Smith, Las Vegas Raiders
Ranking vor Saisonstart: 9
Smith ist aus diesem Tier der Quarterback, der am ehesten in die Gruppe gehört, die einen eigenen Floor kreieren und eine Offense maßgeblich tragen können. Das haben wir letztes Jahr in Seattle gesehen und dementsprechend war er nach seiner Seahawks-Zeit für mich auch in dieser Gruppe. Aber er ist in der laufenden Saison auch ein Beispiel dafür, was für ein schmaler Grat das sein kann.
Denn während die Hoffnung aus Raiders-Sicht war, dass Las Vegas ein deutlich besseres Run Game haben würde, sodass Smith eben nicht dieser "Hero-Ball"-Quarterback sein muss, ist die Realität eine andere. Das Run Game über weite Strecken der Saison bisher klappt gar nicht, sodass Smith weiter sehr viele Risiken eingeht.
Das wäre in Ordnung, wenn er bei 50:50-Bällen dieses Jahr viele Turnover hätte. Wenn er hohes Risiko gehen würde, um die Offense kompetitiv zu halten, und es dabei zu Fehlern kommen würde. Doch es sind viel mehr schlechte Entscheidungen, die zu Turnovern führen. Entscheidungen, die nichts mit einer übermäßigen Aggressivität zu tun haben, sondern Bälle, bei denen er schlicht den Safety nicht sieht. Oder den Crosser nicht gut platziert. Gegen die Colts kam eine weitere derart haarsträubende Interception dazu. Aktuell spielt er schlicht mehrere Stufen schlechter als in Seattle.
Smith ist noch immer in der Lage, eine Offense zu führen. Das war gegen die Patriots der Fall, und auch gegen Washington machte er ein gutes Spiel. Doch die Lowlights sind so viel tiefer dieses Jahr.
15. Sam Darnold, Seattle Seahawks
Ranking vor Saisonstart: 21
Darnold spielt über die ersten Wochen der Saison das, was wir von Baker Mayfield in Tampa Bay ebenfalls sehen: Quarterbacks, die jeden Bereich des Feldes mit einem guten Arm aggressiv attackieren, weil sie dem Scheme und ihren Playmakern vertrauen.
Im Fall von Darnold mag das in erster Linie nur ein Playmaker sein, doch die Aggressivität und die hohe Trefferquote bei Downfield Shots ist bemerkenswert. Darnold macht das ebenfalls ganz besonders gut via Play Action: Seattle hat mit das explosivste Play Action Passing Game der bisherigen Saison, obwohl das Run Game nicht wirklich funktioniert.
Es ist ein schmaler Grat in mehrfacher Hinsicht. So sehr vom Downfield Passing Game zu leben, wie es bei den Seahawks aktuell der Fall ist, bietet der Offense im Laufe einer Saison häufig wenig Floor. Und mit Blick auf Darnold selbst bleibt abzuwarten, wie zuverlässig er diese schwierigen Würfe so konstant trifft. Auch das ist selten in diesen Parametern über eine ganze Saison der Fall.
Für den Moment aber muss man festhalten, dass Darnold die Offense noch explosiver macht als letztes Jahr in Minnesota, weil er eine herausragende Saison als Downfield-Passer spielt
14. Brock Purdy, San Francisco 49ers
Ranking vor Saisonstart: 13
Ich bin weit davon entfernt, eine Quarterback-Diskussion in San Francisco zu eröffnen. Es steht außer Frage, dass Purdy der Offense mehr Playmaking-Qualitäten gibt als Mac Jones, dass er mehr Probleme kaschieren kann und dass das Ceiling der Offense mit Purdy höher ist als mit Jones.
Gleichzeitig haben wir mit nunmehr drei Starts von Mac Jones in dieser Saison eine gute Sample Size so früh in der Saison. Drei Spiele, in denen die Offense Top 5 in den meisten Advanced Metrics war. Das schreibe ich nicht, um Purdy zu hinterfragen, sondern weil es ein Defizit in Purdys Spiel untermauert: Jones ist konstant darin, die offenen Reads immer und immer wieder zu nehmen, die Shanahan kreiert. Purdy macht das manchmal - und manchmal nicht. Manchmal weil Purdy selbst dann ein Big Play findet, manchmal aber löst er damit keine Probleme, sondern kreiert sie.
Die gute Nachricht ist, dass Shanahan nach wie vor der beste Offense-Architekt ist und den Floor kreiert. Das macht Purdy so spannend in dieser Offense, eben weil er genug von diesem Floor umsetzt, während er gleichzeitig der Offense klar mehr Potenzial gibt als jeder andere Shanahan-Quarterback seit Matt Ryan.
13. Jalen Hurts, Philadelphia Eagles
Ranking vor Saisonstart: 11
In drei von fünf Spielen blieb Jalen Hurts bislang unter 155 Passing-Yards. Sein erster Passing-Touchdown kam in Woche 3. Er hält den Ball länger als fast jeder andere Quarterback, nur um ihn dann kürzer als die meisten anderen Quarterbacks zu werfen. Und das liegt nicht nur an ihm: Hurts kommt mitunter sogar schneller zum Checkdown als gewohnt, es ist schlicht niemand offen.
Wir wissen, dass Hurts mehr kann, dass diese Offense mehr kann. Die zweite Hälfte gegen die Rams war ein guter - und wichtiger - Reminder daran: Als Philadelphia erstmals in dieser Saison deutlich zurücklag, konnten sie plötzlich Downfield attackieren und öffneten das Passing Game.
Das wirft natürlich die Frage auf, warum es erst einen deutlichen Rückstand dafür brauchte. Trotzdem war es positiv zu sehen, dass diese Art Offense nach wie vor rausgekitzelt werden kann. Und natürlich kreiert Hurts als Runner einiges, daran hat sich nichts geändert. Eher im Gegenteil, als Scrambler wirkt er fast einen Ticken aggressiver. Vielleicht auch ein Hinweis auf die Defizite in der Passing-Struktur.
Wir kennen Hurts' Limitationen als Passer. In den meisten Spielen dieser Saison mied er die Mitte konsequent, und wenige Quarterbacks haben den Luxus, mit unter 155 Passing-Yards verlässlich Spiele zu gewinnen, während sie den Ball lange halten und dann Checkdowns werfen. Das ist nach wie vor eine unheimlich angenehme Situation, verglichen mit anderen Quarterbacks. Gleichzeitig ist der Play-Caller ein Problem, das lässt sich nach fünf Wochen bereits klar festhalten.
So ändert sich für mich letztlich nicht viel in der Bewertung von Hurts. Als Passer ist er sehr konservativ und macht das Nötigste, um auf dem Rücken der eigenen Defense Spiele zu gewinnen. Dafür mache ich ihm per se keinen Vorwurf, zumal er eben die Fehler konstant minimiert und Big Plays liefern kann. Gleichzeitig ist es eben auch kein Quarterback-Play, das beeindruckt.
12. Kyler Murray, Arizona Cardinals
Ranking vor Saisonstart: 12
Murray hat dieses Jahr keinen leichten Stand. Arizonas Run Game klappt überhaupt nicht und die Offense ist nicht gut auf ihn zugeschnitten. Zu wenige designte Quarterback-Runs, zu wenige Shot-Play-Gelegenheiten, dafür sehr viel Underneath und viele Dumpoffs. Das kann als Ergänzung zu einem dominanten Run Game funktionieren, ein solches haben die Cardinals aber nicht.
Dazu kommen schon jetzt viele kostspielige Drops, die regelmäßig Big Plays und sogar Punkte vom Board nehmen. Die Receiving-Gruppe außerhalb von Trey McBride ist bislang schwach, das Run Game noch schwächer. Und umso frustrierender: In mehreren Spielen sah das Passing Game sehr gut aus - und dann verlagerte sich Arizona auf das Run Game, das überhaupt nicht funktioniert.
Murray spielt als Ballverteiler eine gute Saison. Wenn er vertikale Passing-Gelegenheiten bekommt, hat er die meisten davon getroffen. Und er kreiert am Boden, wenn auch primär als Scrambler. Down für Down wirkt er sicherer in seinen Reads, er liest das Feld meist sauber und attackiert auch schwierige Fenster. Mein größter Kritikpunkt In-Structure bei Murray ist, dass er gelegentlich den tiefen In-Breaker liegen lässt, wenn er zu haben wäre.
Doch die Offense im Ganzen ist unrunder und weniger explosiv, als es Murrays Spiel isoliert betrachtet hergeben sollte. Er hatte fraglos auch seine einzelnen Aussetzer - der Pick gegen die Panthers etwa - aber in Summe war Murray in den meisten Cardinals-Spielen der zentrale Grund dafür, dass die Offense den Ball überhaupt einigermaßen bewegen konnte.
11. Jared Goff, Detroit Lions
Ranking vor Saisonstart: 15
Die Umstände in Detroit sind auch weiterhin sehr gut. Die Line ist früh in der Saison stabiler als ich erwartet hatte, und auch beim offensiven Play-Calling gibt es zumindest bislang in den ersten Spielen ohne Ben Johnson nicht viel auszusetzen. Das in Kombination mit einem exzellenten Waffenarsenal macht Goffs Job "leicht", im Ligavergleich gesprochen.
Ich schätze, ich habe über die Jahre gelernt, Goffs Konstanz innerhalb eines funktionierenden Systems höher zu schätzen. Ich halte ihn dabei noch immer für limitiert: Wenn er viel Druck bekommt, wenn er selbst kreieren muss, wenn er in einem Spiel häufig von seinem Spot weg bewegt wird, dann fällt sein Spiel auch stärker ab als bei anderen Quarterbacks. Auch mehr als bei einigen, die in diesem Tier hinter ihm rangieren.
Aber in dieser breiten Tier-3-Oberes-Mittelfeld-Gruppe, in der hinter ihm jeder Quarterback so seine Probleme derzeit hat, fällt Goffs Konstanz derzeit etwas positiver ins Gewicht. Und an der Art und Weise, wie er dieser Art Offense mit seiner Aggressivität und seinem Timing insbesondere bei Shots über die Mitte und bei all den tiefen Crossern Big Plays ermöglicht, hat sich weiterhin nichts geändert.
10. Baker Mayfield, Tampa Bay Buccaneers
Ranking vor Saisonstart: 16
Ich werde immer eine Schwäche für Quarterbacks haben, die mit der Grundaggressivität spielen, die Baker Mayfield hat. Der Wille, jedes Fenster zu attackieren und jedes Play zu machen kann zu sehr unterhaltsamen Spielen führen - wie am Sonntag gegen Seattle, als Mayfield sein in meinen Augen bestes Saisonspiel hatte. Aber: Es ist ein schmaler Grat.
Sieben Turnover-Worthy-Plays über die ersten drei Wochen laut PFF, ich selbst habe Mayfield allein über die ersten beiden Wochen schon vier Mal mit Interception-Glück notiert, dazu kommen zwei Fumbles - je einer gegen die Texans und die Jets -, die jeweils Mayfields Mitspieler für ihn sichern konnten.
Tampa Bay könnte genauso gut schon zwei oder gar drei Niederlagen auf dem Konto haben, mit fünf, sechs sehr realistischen Mayfield-Turnovern. Dann würden die Konversationen auch um Mayfield anders aussehen, obwohl er selbst nichts anders gemacht hätte.
Das ist für den Boxscore und die Standings irrelevant, aber wenn wir Quarterbacks isoliert bewerten wollen, ist genau das essenziell: Mayfield spielt aggressiv, bisweilen wild, und das kreiert dadurch auch viel Offense. Gleichzeitig wurde er in diesem aggressiven Stil für die Fehler schlicht so gut wie gar nicht bestraft bis dato, sodass die Boxscores mancher Spiele besser aussehen, als Mayfields Leistungen nüchtern betrachtet waren. Gegen die Eagles landete schließlich einer dieser Würfe in einem kritischen Moment beim Gegner.
Auf der anderen Seite bringt Mayfield die Bucs in Spiele zurück - und kann sie auch gewinnen - die andere Quarterbacks so nicht schaffen. Insbesondere angesichts der Ausfälle, die Tampa Bay bislang in dieser Saison hatte. Man muss in dem Fall mit dem Risiko und den negativen Plays leben, solange er die positiven Big Plays liefert.
9. Drake Maye, New England Patriots
Ranking vor Saisonstart: 18
Ich war bei Maye bereits nach der vergangenen Saison relativ hoch. Zu sehen, was er als Rookie aus einer Offense herausholte, die in puncto Line und Playmaker in den absoluten Liga-Keller gehörte, war beachtlich. Und es bestätigte den Pre-Draft-Eindruck: Maye war ein Quarterback-Prospect mit Top-10-Potenzial.
Die größte Frage für mich in der Pre-Draft-Analyse waren die Accuracy-Aussetzer. Und, Spoiler, die hat er noch immer. Maye neigt immer noch dazu, zwei, drei Bälle pro Spiel einfach zu verfehlen, die er treffen sollte.
Alles andere aber wirkt schon so unheimlich weit. Wie er Plays ausliest. Wie er Third Down dominiert. Wie er seine Runs effizient einbaut. Wie er generell Offense kreiert. Und all das in einem System, das ich keineswegs als sonderlich leicht oder Quarterback-freundlich bezeichnen würde.
Der Sieg gegen die Bills am vergangenen Sonntag war das erste Ausrufezeichen dieser Patriots-Saison. Und auch von Maye, denn der hatte einige sensationelle Pässe: Der Shot auf Diggs aus der Bewegung heraus, das ist ein Wurf, den wir sonst am ehesten von Josh Allen so sehen. Der Hole Shot auf Boutte kurz vor Schluss war spektakulär. Sein Timing bei Out Routes ist meist sehr gut, in den Reads kommt er zurück über die Mitte. Und als Runner ist er fester Bestandteil der Offense.
Ich verstehe jeden, der hier sagt, dass er mehr von Maye sehen will, ehe er ihn so hoch einsortiert. Das ist ein fairer Punkt, gleichzeitig bin ich von dem, was er bisher inklusive seiner Rookie-Saison gezeigt hat, so überzeugt, dass ich hier kein Problem damit habe, eventuell etwas vor dem Trend zu sein. Auch auf die Gefahr hin, dass dieser Take in zwei Monaten nach einer vorschnellen Analyse aussehen könnte.
Zweites Tier: Diese Quarterbacks kreieren einen Floor und kaschieren Schwachstellen
8. Jordan Love, Green Bay Packers
Ranking vor Saisonstart: 10
Ich weiß noch nicht so richtig, wie ich Loves bisherige Saison einordnen soll. Die Packers hatten einige Ausfälle bereits in der Offensive Line, das Run Game ist deshalb noch nicht auf Touren. Zusätzlich fehlen mit Jayden Reed und Christian Watson wichtige Spieler im Receiving Corps.
Und: Loves beste Spiele kamen gegen die Commanders und die Cowboys, zwei der schwächsten Pass-Defenses der bisherigen Saison.
Gleichzeitig ist er bislang exzellent Downfield, Intermediate zudem nahezu fehlerfrei als Passer. Und: er kreiert endlich mehr. Love hat jetzt schon 50 Yards als Scrambler auf dem Konto, in der ganzen vergangenen Saison waren es 96.
Vielleicht ist der Takeaway dieser: Loves Impact auf die Offense dieses Jahr ist noch mehr das, was er dazu beiträgt, um den Floor zu stabilisieren. Mit einer sehr niedrigen Pressure-to-Sack-Rate, mit verbesserter Accuracy und mit wenigen "echten" Fehlern. Das ist eine gute Ausgangslage für die Packers - und für Love individuell -, um in der zweiten Saisonhälfte mit einer gesunden Gruppe einen offensiven Turbo zu zünden.
7. Jayden Daniels, Washington Commanders
Ranking vor Saisonstart: 6
Mit nur drei Spielen in der bisherigen Saison ändert sich nicht viel an meiner Preseason-Einschätzung zu Daniels. Auch wenn insbesondere Woche 2 gegen die Packers sehr holprig war. Das war ein Spiel, in dem die Packers nicht nur Washingtons Run Game komplett lahmlegten, sondern auch einen sehr guten Plan für Daniels als Scrambler hatten.
Daniels wirkte dann auch etwas rostig, als er nach zweiwöchiger Pause schließlich gegen die Chargers zurückkam. Auch Los Angeles limitierte seinen Impact am Boden vor allem zu Beginn des Spiels auffällig gut.
Doch Daniels arbeitete sich in die Partie rein und nach einer Weile veränderte sich das Bild. Nicht so sehr was seine Runs angeht, aber als Passer: Da war die Präzision über die Mitte zurück, dieses Finden und Attackieren von kleinen Räumen zwischen Zones. Das Big Play auf Luke McCaffrey kurz vor der Halbzeit war ein toller Wurf, der Touchdown auf Deebo Samuel kam gegen einen All-Out-Blitz.
Ich mag nach wie vor den hohen Floor, den Daniels als Quick Passer und als Runner, respektive Scrambler der Offense gibt. Bei Letzterem bin ich gespannt, ob mehr Defenses hier einen Zugriff finden, und Washingtons Offense eindimensionaler machen können. Aber Daniels gibt der Offense eben auch als Passer einen Rhythmus.
6. Dak Prescott, Dallas Cowboys
Ranking vor Saisonstart: 8
Wenige Quarterbacks sind über die ersten fünf Wochen so brandheiß unterwegs wie Prescott. Und das trotz mehrerer Ausfälle in der Offensive Line, dem Ausfall von CeeDee Lamb und einer eigenen Defense, die niemanden stoppt.
Prescott zuzuschauen macht derzeit irre viel Spaß. Die Aggressivität, ohne dabei zu viel zu riskieren. Die hohe Präzision Underneath, wo er als Ballverteiler und als Chef an der Line of Scrimmage fungiert. Das meist herausragende Quarterback-Play unter Druck. Die Art und Weise, wie er es versteht, verschiedene Defenses unterschiedlich zu attackieren. Das Pocket-Verhalten. Rein als Pocket Passer würde ich derzeit wohl nur Stafford und Herbert noch über Prescott setzen.
Prescott war 2023 bereits ein legitimer MVP-Kandidat bis spät in der Regular Season. Ich würde argumentieren, dass er, nicht nur, aber auch angesichts der Umstände im Vergleich zu 2023, dieses Jahr sogar noch besser spielt.
5. Matthew Stafford, Los Angeles Rams
Ranking vor Saisonstart: 7
Ein Thema aus der vergangenen Saison ist auch dieses Jahr auffällig: Wenn Defenses Druck auf Stafford machen können, ist er merklich limitierter als in früheren Jahren. Er kann nur bedingt kreieren, und ich habe in den letzten Wochen eine ganze Reihe an Würfen notiert, die er - vor allem auf seine linke Seite - zu hoch ansetzt.
So viel zu den Kritikpunkten. Denn die positiven Punkte überwiegen ganz eindeutig. Staffords Aggressivität ist unverändert, kaum ein Quarterback attackiert Woche für Woche so viel in enge Fenster über die Mitte, und auch Downfield.
Alle Bedenken hinsichtlich seines Rückens sind bislang kein Thema. Und das, obwohl er über die ersten fünf Wochen schon einige durchaus beachtliche Hits eingesteckt hat. Ich zumindest erkenne auch keinerlei Limitationen, was seine Armqualität und die Art und Weise, welche Würfe er versuchen kann, angeht.
Behält Stafford diese Form, sind die Rams ein klarer Contender in der NFC.
Elite-Tier: Diese Quarterbacks tragen ihre Offense
4. Patrick Mahomes, Kansas City Chiefs
Ranking vor Saisonstart: 3
Das Spiel gegen Baltimore wirkte wie ein Befreiungsschlag. Endlich hatte die Offense wieder einen Rhythmus, endlich war auch die Explosivität wieder sichtbar. Gegen Jacksonville knüpfte er zumindest phasenweise daran an. Die Offense scheint auf dem richtigen Weg zu sein.
Ich habe in der vergangenen Saison an dieser Stelle sehr häufig darauf hingewiesen, dass Mahomes absolut weiterhin in die oberste Spitze gehört. Weil er so häufig der alleinige Grund dafür war, dass die Chiefs den Ball bewegen konnten. Auch wenn es selten schön aussah und auch die Zahlen meist überschaubar waren.
Das gilt auch weiterhin. Gleichzeitig ist ein überzeugender Auftritt gegen eine extrem dezimierte Ravens-Defense auch nicht genug, um ihn direkt wieder ganz nach oben zu schieben. Denn Mahomes spielt auf die bisherige Saison insgesamt betrachtet zusätzlich zu all den Problemen um ihn herum - und ohne Frage auch dadurch bedingt - unruhig.
Eine Statistik, die das besonders gut zusammenfasst: Mahomes führt alle Quarterbacks dieses Jahr in Scrambles ohne Pressure an: Elf solcher Scrambles hat er bereits. In der gesamten vergangenen Regular Season hatte er 18 Scrambles aus einer sauberen Pocket. Seine Downfield-Pässe sind nach wie vor besorgniserregend ungenau.
Ich bin und bleibe optimistisch bei der Chiefs-Offense für die weitere Saison. Mit der baldigen Rückkehr von Rashee Rice wird die Offense ihre Schlagzahl erhöhen können, und auch Mahomes' Stats werden dann besser aussehen. Dann will ich aber von ihm auch wieder mehr Konstanz in seinem Spiel sehen, und weniger das, was gegen die Eagles und die Giants jüngst noch zu sehen war.
3. Lamar Jackson, Baltimore Ravens
Ranking vor Saisonstart: 1
Durch die Oberschenkelverletzung ist die Sample Size für Jackson früh in der Saison kleiner, aber zumindest ein Trend ist sichtbar: Die Ravens als Team haben massive Probleme mit ihrem Run Game, angefangen mit einer Offensive Line, die an mehreren Spots wackelt.
Das macht die Offense extrem eindimensional. Und während Jackson längst nicht mehr der Quarterback ist, der vom Run Game abhängig ist, stößt das reine Dropback Passing Game derzeit vor diesem Hintergrund ebenfalls an Grenzen. Gegen Cleveland und Detroit konnte Jackson die Offense noch maßgeblich tragen, gegen die Chiefs zerfiel die Offense komplett in ihre Einzelteile.
Das Spiel gegen Kansas City war das schlechteste Spiel, das ich von Lamar Jackson seit Jahren gesehen habe. Wahrscheinlich sogar mit Abstand. Es wirkte fast wie ein Ravens-Spiel vor vier, fünf Jahren, als gegnerische Defenses Baltimore noch vor erhebliche Spiele stellen konnte, wenn sie einen guten Blitzing-Game-Plan hatten.
Ich gehe davon aus, dass wir Jackson erst nach der Bye Week der Ravens übernächste Woche wieder sehen. Und dann bin ich gespannt, wie Baltimores offensiver Ansatz insbesondere im Passing Game aussieht, und ob sie Anpassungen vornehmen, angesichts der unbestreitbaren Probleme im Run Game. Aktuell muss Jackson als Passer nahezu fehlerfrei spielen, und während er das kann, war das zuletzt nicht der Fall.
2. Justin Herbert, Los Angeles Chargers
Ranking vor Saisonstart: 5
Es scheint endlich die Saison zu sein, in der Justin Herbert nicht nur Analysten, sondern auch die breite Öffentlichkeit begeistert. Herbert ist schon seit Jahren Stammgast im Elite-Tier, zum ersten Mal aber zeigt er, dass er in die Top-3-Phalanx einbrechen kann. Und das obwohl er über die letzten Wochen kaum irgendeinen Spielraum hatte. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Denn die Verletzungen in der Offensive Line der Chargers gehen zunehmend in den grotesken Bereich. Rashawn Slater fehlt ohnehin, Joe Alt ist mittlerweile auch verletzt. Dazu die zwischenzeitlichen Ausfälle von Trey Pipkins und Mekhi Becton. Diese Unit war zuletzt schlicht nicht mehr kompetitiv, und Herbert hielt die Offense trotzdem zumindest gegen Denver und die Giants über Wasser.
Herbert hat unter Harbaugh merklich an Aggressivität drauf gepackt. Als Passer, aber auch als Scrambler. Er hat schon jetzt zehn Scrambles auf dem Konto, hält er die Pace aufrecht, würden es für ihn die meisten Scrambles in einer Saison seit seinem zweiten NFL-Jahr werden. Und: In puncto Rushing-Yards steht er jetzt schon bei halb so vielen Yards wie in der gesamten vergangenen Saison. Seine bis dato produktivste Saison als Runner.
Aus Chargers-Sicht ist zu hoffen, dass die Line wieder ein zumindest funktionales Level erreicht. Denn Herbert hat über die ersten Wochen dieser Saison gezeigt, dass er dann der Elite-Quarterback ist, der der Schlüssel für eine erfolgreiche Chargers-Saison sein muss.
1. Josh Allen, Buffalo Bills
Ranking vor Saisonstart: 2
Allen knüpft nahtlos an seine vergangene Saison an. Das bedeutet konkret: Sein Spiel ist wahnsinnig komplett geworden.
Die wilden Turnover-Zeiten gehören der Vergangenheit an. Allen spielt kontrolliert, verteilt den Ball im Kontext der Offense sicher und verwaltet, wenn er verwalten muss. Ohne dabei zu konservativ zu werden, er kreiert noch immer Big Plays, aber in einem kontrollierten Rahmen.
Wenn er dann angreifen muss - wie in Woche 1 gegen die Ravens - dann trägt er die Offense auf eindrucksvolle Art und Weise. Und 30 bis 40 Rushing-Yards sind fast sein wöchentlicher Standard geworden.
Diese Kombination ist furchterregend für gegnerische Defenses. Allen kann ein konstantes Underneath Passing Game aufziehen, er kann die Offense aber auch vertikal dirigieren. Und das ohne dominante Playmaker, insbesondere was die Outside Receiver angeht. Dazu ist er ein konstanter X-Faktor als Runner und kann jederzeit im Passing Game kreieren.
Dieses Komplettpaket toppt in der laufenden Saison niemand. Und nachdem Allen letztes Jahr schon Platz 2 für sich manifestiert hatte, ist es jetzt an der Zeit für den Wechsel auf der Pole Position.