Der Abend hinterließ beim Heimteam mehr offene Fragen als Antworten. Was nach einem späten Ravens-Comeback gegen die Pittsburgh Steelers aussah, wurde per Videobeweis mehrfach revidiert.
Und obwohl Head Coach John Harbaugh und seine Spieler deutliche Kritik äußerten, betonten viele zugleich, dass man trotz aller Entscheidungen genug Chancen hatte, das Spiel auf dem Feld zu gewinnen.
Unnecessary Roughness oder Fehlinterpretation der Regel?
Die erste strittige Szene des Abends ereignete sich bereits im zweiten Viertel und setzte den Ton für das, was folgen sollte. Eine Unnecessary-Roughness-Strafe gegen Defensive Tackle Travis Jones nahm den Steelers ein sicheres Field Goal vom Board und eröffnete ihnen im nächsten Spielzug die Chance auf einen Touchdown.
Referee Alex Moore verteidigte die Entscheidung mit Verweis auf die Regel, nach der der Long Snapper als "defenseless player" gilt: "Du darfst keinen forcierenden Kontakt zu diesem Spieler herstellen. Der Offizielle empfand den Kontakt als unnötig."
Allerdings: Die NFL-Regeln erlauben sehr wohl Schulter- oder Körperkontakt, solange kein verbotener Schlag, kein abgesenktes Helm-Manöver oder kein illegaler "Launch" erfolgt. Die Videobilder zeigten eher ein kraftvolles Überrennen des Snappers als ein illegales Treffen, was somit regelkonform gewesen wäre.
Rodgers-Catch statt Ravens-Interception
Noch bevor das Spiel in seine entscheidende Phase ging, sorgte ein weiterer Videobeweis für steigenden Unmut. Ein Pass von Aaron Rodgers wurde an der Line of Scrimmage abgeblockt und flog zurück in seine Richtung. Er leistete sich dann mit Ravens-Linebacker Teddye Buchanan einen Kampf um den Ballbesitz.
Buchanan hatte den Pass dabei zunächst abgefangen, und die Entscheidung auf dem Feld bestätigte zunächst die Interception. Doch erneut mischte sich die Replay-Zentrale ein und kippte den Call: Aaron Rodgers habe die Kontrolle über den Ball besessen, seine Knie hätten mit Ballkontakt den Boden berührt - daher war er "down by contact".
Für John Harbaugh war diese Auslegung nicht nachvollziehbar: "Wenn du einen Catch machst, musst du den Boden überstehen. Er hat den Boden nicht überstanden. Er war nicht down by contact. Er fing den Ball im Fallen mit einer anderen Person."
Derweil gab es auch eine andere Sichtweise auf die Situation. "Der Offense-Spieler hatte die Kontrolle über den Ball, und als er zu Boden ging, war dort zwar eine Hand zwischen, aber er verlor niemals die Ballkontrolle und dann landeten seine Knie auf dem Boden", erklärte Mark Butterworth, NFL-Vize-Präsident des Instant Replays, nach der Partie. "Deswegen ist er laut Regel 'down by contact'."
Likely-Touchdown zurückgenommen
Den Höhepunkt der Kontroversen erreichte das Spiel rund zweieinhalb Minuten vor dem Ende. Lamar Jackson fand Isaiah Likely in der Mitte der Endzone, beide Füße setzten klar auf - der Touchdown wurde zunächst gegeben, das Stadion explodierte. Doch zum dritten Mal an diesem Abend griff die Replay-Zentrale ein. Butterworth begründete die Entscheidung wie folgt: "Bevor er den dritten Schritt setzen konnte, wurde der Ball herausgeschlagen. Daher ist es ein unvollständiger Pass."
Jackson äußerte sich später frustriert: "Ich dachte, es war ein Touchdown. Die Refs haben die Entscheidung getroffen, die sie wollten. Wenn du auf dem Feld gewesen wärst, hättest du das genauso gesehen." Auch Running Back Derrick Henry machte seinem Ärger Luft: "Es ist hart, wenn das Spiel in den Händen der Schiedsrichter liegt."
Wide Receiver DeAndre Hopkins kritisierte die Entscheidung sogar öffentlich auf Social Media, bevor er seinen Post rasch wieder löschte: "13 Jahre in dieser Liga - wie viele Schritte braucht man in der Endzone für einen Touchdown?"
Mit diesem dritten strittigen Call innerhalb eines Spiels kippte endgültig die Stimmung in Baltimore und der Frust der Ravens erreichte seinen Höhepunkt.
Zwischen Frust und Eigenverantwortung
Und obwohl die Offiziellen im Mittelpunkt der Diskussion stehen, hatten die Ravens reichlich eigene Versäumnisse: ein fallen gelassener Touchdown von Mark Andrews, ein später Sack bei auslaufender Uhr, ein vergebenes Field Goal und defensive Aussetzer gegen Jaylen Warren. Left Tackle Ronnie Stanley mahnte dementsprechend zur Erdung: "Man kann es nicht allein darauf schieben. Auch mit diesen Calls hätten wir genug tun müssen, um das Spiel zu gewinnen."
Jackson fasste das Dilemma zusammen: "Wir müssen finishen und Wege finden, Punkte aufs Board zu bringen."
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