49ers bleiben stabil - egal, wer spielt
San Francisco gewann auch gegen New York überzeugend, und das trotz erneut massiver Ausfälle. Ohne Brock Purdy, Brandon Aiyuk, Fred Warner, Nick Bosa und Ricky Pearsall kontrollierten die 49ers die Partie gegen die Giants über vier Viertel, führten zur Halbzeit zweistellig und siegten am Ende 34:24. Und dabei ist es kein Einzelfall - sondern mittlerweile ein Muster. Die 49ers ersetzen Leistungsträger nicht durch gleichwertige Stars, sondern durch ein System, das Rollen klar definiert und Spieler unabhängig von Erfahrung und Draft-Status integriert.
Kendrick Bourne zurückzuholen, Skyy Moore einzubauen, Rookie Jordan Watkins schneller zu entwickeln - all das funktionierte, weil die Offense dieselbe Struktur behielt. Auf der anderen Seite übernahmen Mykel Williams und später Sam Okuayinonu und Clelin Ferrell die Snaps für Bosa und Tatum Bethune füllte Warners Rolle, ohne sie zu kopieren. Es beginnt mit der Kultur. Das System trägt die Spieler.
Ben Johnson wird zum Problem für den Rest der NFL
In Chicago wird die Handschrift von Ben Johnson immer deutlicher. Das 47:42 in Cincinnati war defensiv chaotisch, aber offensiv ein Statement: 576 Total Yards, 7,6 Yards pro Play und 30 First Downs. Caleb Williams agierte kontrolliert (280 Yards, 114,8 QB-Rating), während Rookie Kyle Monangai mit 176 Rushing Yards das Ground Game dominierte.
Wichtiger ist aber der Trend: Die Bears haben in fünf der letzten sechs Spiele über 380 Yards erzielt und in drei der letzten vier mindestens 145 Rushing Yards. Defensiv bleibt Chicago zwar inkonstant, doch offensiv entsteht ein belastbares Fundament. Wächst dieses System weiter, wird Chicago in dieser Saison kein einfacher Gegner sein - und langfristig noch weniger.
Allen gewinnt Duell der Titanen - MVP-würdig!
Buffalo holte in Kansas City einen wichtigen 28:21-Sieg, und Josh Allen war einmal mehr der entscheidende Faktor. Der Bills-Quarterback spielte nahezu fehlerlos, traf geduldig die kurzen und mittleren Fenster und übernahm in den entscheidenden Momenten selbst das Rushing-Game. Am Ende stehen 23 von 26 Pässen für 273 Yards, ein Passing-Touchdown und zwei Rushing-Scores.
Patrick Mahomes hielt die Chiefs mit kreativen Scramble-Plays und einer spektakulären 4th-and-17-Conversion spät im Spiel im Rennen, hatte aber insgesamt Probleme hinter einer überforderten Offensive Line. Mahomes beendete die Partie mit 15 von 34 Pässen für 250 Yards und einer Interception - einer seiner ineffizientesten Regular-Season-Auftritte der letzten Jahre.
In der Regular Season steht Allen jetzt 5-1 gegen Mahomes - doch die entscheidende Fußnote bleibt: Mahomes ist 4-0 gegen Allen in den Playoffs. Für den Moment hat Allen die MVP-Diskussion mit diesem Auftritt dennoch klar beeinflusst.
Murrays Zukunft in der Liga ist ungewiss
Der 27:17-Sieg der Cardinals in Dallas war mehr als nur ein Auswärtserfolg - er hat die Quarterback-Frage in Arizona neu eröffnet. Jacoby Brissett spielte erneut stabil und effizient, ersetzte den verletzten Kyler Murray fehlerfrei und führte die Offense kontrolliert über das Feld. Brissett beendete das Spiel mit 261 Passing Yards, zwei Touchdown-Pässen, einem Rushing-Touchdown und einem Passer Rating von 115,1. Über drei Starts ohne Murray hinweg kommt er nun auf 860 Yards, sechs Touchdowns und nur eine Interception.
Murray wiederum hat in dieser Saison Leistungen mit hohem Ceiling, aber auch sichtbaren Schwankungen gezeigt. Unter Head Coach Jonathan Gannon bleibt die offizielle Linie klar: Murray ist der Starter, sobald er gesund ist. Gleichzeitig machen Brissetts Auftritte deutlich, dass die Offense mit ihm strukturell ruhiger und konstanter wirkt, insbesondere bei frühen Downs und unter Druck.
Haben wir die Packers überschätzt?
Green Bay bleibt eines der launischsten Teams der Liga - in der Lage, jeden Gegner zu schlagen, aber anscheinend ebenso auch dazu fähig, gegen jeden Gegner zu verlieren. Das 13:16 gegen Carolina war dafür das nächste Beispiel. Die Packers kamen viermal in die Red Zone, ließen jedoch entscheidende Punkte liegen: eine Interception von Jordan Love in dreifacher Deckung und ein gescheitertes Fourth Down im letzten Viertel kosteten am Ende den Sieg.
Gleichzeitig verlor die Defense die Kontrolle über das Panthers-Run Game, während Micah Parsons laut Next Gen Stats erstmals in seiner NFL-Karriere ohne eine einzige Pressure blieb. Zusätzlich droht Tight End Tucker Kraft mit einer Kreuzbandverletzung langfristig auszufallen.
Nach dem vielversprechenden Saisonstart steht Green Bay also nun bei 5-2-1. Das Ceiling ist weiter sichtbar - die Konstanz aber nicht. Der Abend in Green Bay hat die zentrale Frage zurückgebracht: Sind die Packers wirklich ein echter Contender - oder waren die hohen Erwartungen eine zu frühe Fehleinschätzung?
Daniel Jones ist doch nur ein Mensch
Bis Week 9 gehörte Daniel Jones zu den effizientesten Quarterbacks der Saison - nur drei Turnover, eine der produktivsten Offenses der Liga, sieben Spiele mit Passer Rating über 100. Gegen Pittsburgh folgte jetzt der erste echte Rückschlag. Nachdem die Steelers das Laufspiel der Colts früh neutralisiert hatten, musste Jones das Spiel durch die Luft tragen - und verlor dabei den Rhythmus.
Jones kam zwar auf 342 Passing Yards, doch zugleich auch auf fünf Turnover (drei Interceptions, zwei Fumbles) und sein bislang niedrigstes Passer Rating (63,9). Laut NFL Research ist Indianapolis damit das erste Team seit mindestens 1950, das in einem Spiel mehr Ballverluste hatte als zuvor in der gesamten Saison.
Für die Colts ist es vorerst nur ein Ausreißer - aber einer, der zeigt: Auch ein stabiler Quarterback bleibt nicht fehlerfrei.
Washington fällt auf den Boden der Realität
Vor einem Jahr standen die Commanders nach Week 9 bei 7-2. Jetzt: 3-6, vier Niederlagen am Stück und ein ernüchternder Auftritt in Seattle. Jayden Daniels kehrte zwar zurück, wurde aber von Beginn an permanent unter Druck gesetzt und musste das Spiel später mit einer schweren Armverletzung verlassen - es droht sogar das Saison-Aus. Die Defense, ohnehin bereits im unteren Ligadrittel, ließ zum vierten Mal in Serie mindestens 25 Punkte zu.
Offensiv fehlten Konstanz und Playmaking - auch bedingt durch weitere Ausfälle wie Terry McLaurin und Luke McCaffrey. Die Cinderella-Story von 2024 ist verblasst. Washington wirkt strukturell instabil - und angesichts eines schwierigen Restspielplans und wenig Draftkapital dürfte der Fokus nun eher Richtung Neuausrichtung als Aufholjagd gehen.
Sam Darnold sollte gefürchtet werden
Sam Darnold liefert aktuell Quarterback-Play auf MVP-Niveau. Beim Sunday-Night-Sieg gegen Washington zeigte er seine bislang überzeugendste Leistung: 21 von 24 erfolgreiche Pässe, 330 Yards, vier Touchdowns, ein Passer Rating von 141. Laut NFL Research ist Darnold erst der zweite Spieler seit 2000 - neben einem gewissen Tom Brady -, der in den ersten vier Drives eines Spiels jeweils einen Touchdown wirft, ohne eine einzige Incompletion zu verzeichnen.
Darnold spielt ruhig, strukturiert und präzise, wirkt wie ein Quarterback, der das Spiel kontrolliert, nicht nur verwaltet. Dabei profitiert er von Jaxon Smith-Njigba, der mit 8 Receptions für 129 Yards sein sechstes 100-Yard-Spiel der Saison verbuchte.
Seattle punktete auf den ersten fünf Drives, die Offense wirkt klar definiert - und Darnold spielt konstant auf einem Level, das die früheren Zweifel endgültig verstummen lässt. Seattle hat aktuell einen Quarterback, den jede Defense respektieren muss.
Die Vikings leben noch - und wie!
Nach fünf Wochen Pause kehrte J.J. McCarthy zurück - und brachte Minnesota mit dem 27:24-Sieg in Detroit sofort wieder ins NFC-North-Rennen. Der junge Quarterback spielte nicht fehlerfrei, aber abgeklärt in den entscheidenden Momenten: Der Back-Shoulder-Wurf zu Jalen Nailor bei 3rd-and-5 entschied die Partie und zeigte genau das Selbstvertrauen, das ihm zu Saisonbeginn noch fehlte.
Mindestens genauso stark: Brian Flores’ Defense. Fünf Sacks gegen Jared Goff, nur 65 Rushing Yards für Montgomery und Gibbs - Detroit wurde an der Line of Scrimmage physisch dominiert. Minnesota ist wieder voll im Rennen. McCarthy trägt jetzt klar das Team - und der Abend hat gezeigt: Er kann das.
Diese NFL-Saison kennt keine Hierarchie
Week 9 unterstrich erneut, wie offen die NFL in dieser Saison ist. Favoriten stolperten: Green Bay verlor im Lambeau Field gegen Carolina, Detroit wurde vor heimischer Kulisse von Minnesota besiegt und Indianapolis fand in Pittsburgh keinen Zugriff. Statt klarer Hierarchien entscheiden Matchups, Tagesform und feine Anpassungen mehr denn je.
Auch ein Blick auf die Tabellen zeigt das Bild: Nach neun Wochen haben nur drei Teams sieben Siege - Patriots, Colts, Broncos. Keine klassischen Top-Favoriten, sondern Teams, die vor der Saison kaum jemand in dieser Region erwartet hätte.
Diese Saison hat keine dominante Kraft. Sie ist eng, unberechenbar - und komplett offen.
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