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Week 1 Overreactions: Playoffs ohne Chiefs und Lions? Ist Miami das schlechteste Team in der NFL?

kicker

Overreaction: Die Dolphins sind das schlechteste Team in der NFL.

Man muss mit den ganz großen Schlüssen in Week 1 immer vorsichtig sein. Es gibt die Ergebnisse in Week 1, die uns später im Rückblick so gar nichts über die tatsächliche Qualität eines Teams aussagen - und die uns, ganz im Gegenteil noch, gar auf eine falsche Fährte locken.

Bei den Miami Dolphins wirkte das, was wir in Week 1 gesehen haben, anders. Denn dieser völlig blutleere Auftritt, wie ich ihn selten von einem Team gleich im ersten Spiel gesehen habe, gegen die Colts war vielmehr eine Bestätigung von dem, was wir in der Offseason rund um dieses Team mitgenommen haben.

Bei keinem Team gab es vor der Saison so auffällig schlechte Vibes. Das fing mit Tyreek Hills "Verabschiedung" nach dem Ende der vergangenen Saison an, es erstreckte sich über das Camp, die Joint Practices mit anderen Teams, in denen Miami überfordert wirkte, die Preseason und schließlich bis hin zu diesem Spiel. Die Verantwortlichen sind stark angezählt, das Team hat offensichtliche Schwachstellen, die jeder vor der Saison sehen konnte, und selbst die offensiven Trümpfe ziehen nicht mehr.

Das, was am Sonntag in Indianapolis passiert ist, war die Bestätigung von den schlimmsten Befürchtungen rund um dieses Dolphins-Team. Die Offensive Line wirkte noch schlechter als letztes Jahr. Tyreek Hill meckerte bereits in der ersten Hälfte an der Sideline. Tua Tagovailoa war unter Druck heillos überfordert. Die Secondary wirkte wie die schlechteste in der NFL.

Dieses Team, diese ganze McDaniel-Tua-Ära, hatte ihren Peak 2023. Die Kaderentwicklung stagniert seit Jahren, Miami geht seit Jahren mit den gleichen Problemen in die Saison. Es sind noch die Bruchstücke eines Win-Now-Teams, das jetzt auf die Realität trifft: Dem Team fehlt es nicht nur qualitativ an allen Ecken und Enden, auch in puncto Leadership scheint es massive Defizite zu geben.

Das ist die Formel für eine Saison, die im völligen Crash endet.

Das Fazit: Miami war das schlechteste Team in Week 1. Wo andere Teams, die im Vorfeld der Saison niedrig gehandelt wurden - etwas die Browns, die Saints oder die Jets - kompetitiv waren, erinnerte der Auftritt der Dolphins eher an ein Team, das mit der Saison abgeschlossen hat, bevor sie überhaupt beginnen konnte. Der große Knall könnte hier noch sehr viel früher kommen als gedacht. Und nach diesem Auftritt muss man sagen: So oder so ist Miami auf Kurs für einen Top-3-Pick.

Overreaction: Die Lions verpassen die Playoffs.

Die 2024er Lions waren eine offensive Maschine. Mit im Schnitt über 33 Punkten pro Spiel führte Detroit die Liga mit Abstand an, in keinem einzelnen Spiel hatten die Lions weniger als 16 Punkte. Und selbst das kam nur ein Mal vor, bei einer Week-2-Niederlage gegen Tampa Bay. Ansonsten blieb Detroit nie unter 20 Punkten.

Beide Werte wurden gleich zum Start in die neue Saison unterboten. Ganze 13 Punkte schafften die Lions in Green Bay, und das schon inklusive eines späten - immerhin auch eines sehenswerten - Garbage-Time-Touchdowns von Rookie Isaac TeSlaa. Als Team hatten die Lions 3,8 Yards pro Play. Das war der ligaweit drittschlechteste Wert in Week 1 und lag volle 2,5 Yards unter Detroits Durchschnittswert vergangenes Jahr.

Doch es sind in erster Linie noch weniger die nackten Zahlen als die Bestätigung der Bedenken bei dieser Offense, die nach Week 1 im Fokus stehen. Denn mit zwei großen Fragezeichen war Detroit an den Start gegangen: Ein neuer Offensive Coordinator und eine gänzlich neue Interior Offensive Line - welchen Effekt würde das haben?

Zumindest gab es nun eine klare Antwort: Die Line hatte erhebliche Probleme, sodass das Run Game überhaupt nicht funktionierte. Das nahm den Lions die offensive Grundlage und machte eine Offense, die nicht darauf ausgerichtet ist, eindimensional zu agieren, berechenbar. Das galt umso mehr, weil Goff, der deutliche Wort fand, in der Folge viel unter Druck stand und so auch das vertikale Passing Game nicht existierte. Goff warf den Ball kurz, die Packers schossen scharf auf diese Routes und stoppten Plays blitzartig. Jahmyr Gibbs hatte dadurch zehn Catches für 31 Yards - neuer Negativrekord.

Die nächsten Wochen werden uns zeigen, ob die D-Line der Packers dieses Jahr so dominant ist, dass dieser Auftritt der Lions in ein etwas anderes Licht gerückt werden muss. Vor allem aber werden sie uns zeigen, welche Anpassungen die Lions offensiv vornehmen, welche Antworten sie finden, und inwieweit sich die Line steigern kann, damit das Run Game wieder der Puls der Offense werden kann.

Das wird nicht wieder eine Top-3-Offense sein. Auch deshalb ist das Ceiling für dieses Team deutlich niedriger als letztes Jahr. Die Qualität sollte immer noch hoch genug für eine Top-12-Unit sein, aber dafür müssen schnell die richtigen Schrauben gefunden werden.

Das Fazit: Detroit ist nicht das 15-Siege-Team, das wir letztes Jahr dort gesehen haben - und das wussten wir auch vor der Saison. Die Offense wird sich steigern, da bleibe ich optimistisch. Doch der Schedule ist schwer, und in der Division scheint zumindest Green Bay bereit. Ich vertraue für den Moment auf die Coaches und die Qualität in Detroit, sodass das trotzdem ein 10-Siege-Team sein wird.

Overreaction: Die Chiefs werden um die Playoffs zittern.

Die Auftakt-Niederlage gegen die Chargers in Brasilien war fast noch weniger überraschend, als sie enttäuschend war. Ich kann mich nicht erinnern, dass Kansas City mit Andy Reid und Patrick Mahomes mal so off, so wenig on point in eine Saison gestartet ist. Und zusätzlich frustrierend war es, dass sich hier Fehler aus der vergangenen Saison - die Strafen, die False Starts, die Drops, keinerlei Beitrag vom Run Game - mit neuen Dingen kombinierten. Allen voran war auffällig, dass Mahomes und seine Receiver nicht so wie gewohnt auf einer Wellenlänge waren.

Hier ist Kontext wichtig: Die Chiefs müssen die ersten sechs Wochen der Saison auf den gesperrten Rashee Rice verzichten, und Xavier Worthy verletzte sich gegen die Chargers gleich beim ersten Drive. Dass Marquise Brown und Tyquan Thornton die beiden Top-Receiver waren, war so nie geplant - trotzdem wirkte Kansas City alles in allem unvorbereitet. Und das ist man von diesem Team in Week 1 nicht gewohnt.

Das gilt auch für die enormen Lücken, die in der Secondary immer wieder auftraten. Die Chargers konnten vor allem via Play Action immer wieder in der 10- bis 20-Yard-Range größere Raumgewinne erzielen, auch weil die Chiefs über weite Strecken des Spiels so gar keinen Pass Rush kreierten.

Müsste ich die Probleme der Chiefs in Week 1 auf drei Punkte runterbrechen, dann wären es diese drei: Die Receiver-Ausfälle, das schwache Run Game, wodurch alles offensiv umso schwieriger wird, und der Mangel an Pass Rush. Und das gegen eine Chargers-Line, in der einer der beiden Star-Tackles fehlt und die generell mehrere Angriffspunkte bieten sollte.

Die Chiefs konnten fast ausschließlich mit Blitzes Druck kreieren. Vielleicht hat die Reise hier eine Rolle gespielt, vielleicht war der Platz - so wie im Vorjahr in Brasilien - ebenfalls ein Faktor. Sollte sich das aber als nachhaltiges Problem herausstellen, dann muss man klar sagen: Individuelle Qualität im Pass Rush repariert man in der Regel nicht während der Saison. Dann ist es ein Problem, das Kansas City durch die Saison begleiten wird und die Defense womöglich sehr Boom-or-Bust-lastig macht.

Das würde auch die Qualität, enge Spiele zu gewinnen, weiter beeinträchtigen: Die Niederlage gegen die Chargers war für Kansas City nach 17 (!) Siegen in Folge in One-Score-Games die erste Niederlage in einer solchen Partie. 10-0 lautete der Record in solchen Spielen letztes Jahr, eine weitere Regression ist hier nicht auszuschließen.

Die nächsten Spiele der Chiefs haben es in sich: Eagles, bei den Giants, gegen die Ravens. Ein 1-3-Start ist nicht ausgeschlossen, und mit unter anderem Detroit, Washington, Buffalo und Houston warten in den Wochen danach auch einige Kracher, zusätzlich zu den mutmaßlich nochmal schwierigeren Division-Spielen.

Das Fazit: Ich muss von den Chiefs über mehrere Wochen sehen, dass sie keine Antworten finden, ehe ich wirklich in den Alarmmodus gehe. Für mich bleibt es bis auf Weiteres ein Playoff-Team, und mit mehr offensiver Feuerkraft spätestens ab Week 7 kann auch schnell ein Hebel umgelegt werden. Doch das war qualitativ bereits letztes Jahr kein 15-Siege-Team, und eine Prognose Richtung 11 oder 12 Erfolge scheint jetzt umso wahrscheinlicher. Von der Defense muss jetzt schnell mehr kommen.

Overreaction: Die Offense-Strategie der Seahawks war ein Fehler.

Nach der Preseason war der Optimismus rund um die Seahawks spürbar. Die Starting-Line wirkte dort merklich verbessert, das Scheme griff und kreierte ein produktives Run Game, das die Basis für Klint Kubiaks Offense darstellt.

Doch ist das exakt das Problem mit der Preseason. Spezifisch für das Beispiel der Seahawks-Line hatte ich darüber geschrieben: Nicht nur, dass es in der Saisonvorbereitung selten gegen eine Starting-Defensive-Line auf der anderen Seite geht - auch schematisch ist alles sehr simpel.

Es gibt in dem Sinne keine Game Plans, sodass effiziente, wenn auch simple Ansätze viel eher erfolgreich sind. So wie das Zone Run Game, das wir von Klint Kubiak und Seattle gesehen haben. Doch die große Frage war: Wie sehen seine Weiterentwicklungen dieser Offense aus? Was sind die nächsten Schritte, wenn Defenses ihm Plan A wegnehmen?

Hier war Week 1 ernüchternd. Die Line hatte enorme Probleme gegen die 49ers, Seattles Backs wurden regelmäßig im Backfield oder an der Line of Scrimmage gestoppt. Und ohne das Run Game als Taktgeber fehlte der Plan B. Es fehlte jeglicher offensiver Rhythmus. Sam Darnold hatte vor dem letzten Drive ganze 99 Passing Yards. Und Darnold war dabei das geringste Problem, er verfehlte zwar ein, zwei Bälle, doch Seattle kreierte offensiv schlicht viel zu wenig und fand nicht die Balance, die diese Offense und dieses Scheme braucht, um zu funktionieren.

Die Seahawks sind in dieser Offseason mit ihrer ganzen Offense-Roster-Building-Strategie eine große Wette im Kern auf zwei Dinge eingegangen: Der neue Offensive Coordinator Klint Kubiak und die Offensive Line. Diese beiden Dinge müssen gut sein. In Week 1 waren sie es beide nicht. Und dann läuft Seattle auch mit seiner erwartungsgemäß starken Defense Gefahr, zu viele Spiele zu verlieren.

Das Fazit: Top-5-Defense und Bottom-10-Offense - das war eine nicht unrealistische Prognose vor Saisonstart, und Week 1 ging exakt in diese Richtung. Die Defense war - wenn auch gegen angeschlagene 49ers - sehr gut, die Offense bewegte den Ball fast gar nicht. Wenn sich die Offensive Line nicht deutlich steigert, werden wir sehr bald erfahren, ob Klint Kubiak einen veritablen Plan B hat.

Overreaction: Jaxson Dart startet vor Woche 4.

Als Giants-Coach Brian Daboll nach der 6:21-Niederlage gegen Washington gefragt wurde, ob man davon ausgehen könne, dass Russell Wilson auch im nächsten Spiel startet, oder ob Jaxson Dart schon eine Option für die nächste Woche ist, lautete seine Antwort: "Wir werden uns das Spiel anschauen."

Ein klares Statement sieht anders aus, und auch wenn Daboll am Montag schließlich verkündete, dass Wilson in Woche 2 starten wird: Dass wir nach nur einem Spiel bei den Giants schon an diesem Punkt angekommen sind, ist wild. Wild, aber auch zumindest in der initialen Reaktion nachvollziehbar. Nach einem Spiel, in dem New York ganze drei Mal über die Mittellinie kam und daraus sechs Punkte machte. Ein Spiel, in dem Russell Wilson 4,5 Yards pro Pass hatte und die Offense insgesamt auf 3,7 Yards pro Play kam.

Aber es war auch ein Spiel, in dem die Line ohne Left Tackle Andrew Thomas abermals erhebliche Probleme hatte. Viele Giants-Drives endeten, oder wurden zumindest erheblich erschwert, weil Wilson schnell unter Druck geriet, den Ball schnell loswerden oder durch einen Hit noch werfen musste, und letztlich mehr auf Schadensbegrenzung aus war. Wilson hatte 31 Dropbacks ohne Blitz der Commanders, dabei stand er 13 Mal unter Druck und musste den Ball sechs Mal weg werfen. Er versuchte zumindest, mit den Shot Plays ein wenig den Mangel an Konstanz zu kompensieren, aber wenn die Line so spielt, ist offensive Konstanz kaum möglich.

Ich habe dementsprechend auch erhebliche Zweifel daran, dass das mit Dart schnell besser wird. Und fast noch wichtiger: Aus Giants-Sicht ist es essenziell, dass der Rookie nicht direkt verbrannt wird. Doch genau diese Gefahr besteht, wenn die Line nicht halbwegs für einen Floor in Protection und im Run Game sorgen kann.

Wenn es nur einen Takeaway in Week 1 für New York braucht, dann ist es der, dass die Offensive Line dafür nicht bereit ist und das nicht liefern kann. Solange das die Ausgangslage ist, ist es für die Offense und für Dart besser, wenn Wilson spielt.

Das Fazit: Wenn der angezählte Head Coach einen Erstrunden-Rookie-Quarterback auf der Bank sitzen hat und bereits nach dem ersten Saisonspiel kein klares Statement hinsichtlich seines Week-2-Starters abgeben will, ist offensichtlich, was hier passieren wird. Die Hoffnung aus Giants-Sicht war immer, dass das Team lange genug offensiv halbwegs kompetitiv ist, sodass Dart möglichst lange zuschauen und lernen kann. Das Problem selbst mit der oben aufgeführten Fehleranalyse: Dieses Regime hat nicht die Zeit, um geduldig zu sein.