Gabriel wurde im NFL Draft 2025 an Position 94 ausgewählt. In der regulären Saison stand er bislang nur bei zehn Snaps auf dem Feld - meist in späten Spielsituationen, wenn die Partie längst entschieden war. Das soll sich nun ändern: Ab sofort ist er der neue Starting Quarterback des Teams aus Ohio.
In der Preseason kam er häufiger zum Einsatz und deutete dort bereits sein Potenzial an: Gegen die Los Angeles Rams brachte er 12 von 19 Pässen für 129 Yards und einen Touchdown an. PFF bewertete seine Leistung mit einer starken Note von 82,7 - besonders auffällig war sein rhythmisches Kurzpassspiel und die Ruhe in der Pocket.
Ein außergewöhnlicher Weg ins Profigeschäft
Gabriel blickt auf eine bemerkenswerte Laufbahn zurück. 2019 startete er bei den UCF Knights, wo er drei Jahre lang als Starter spielte. Nach einer Verletzung wechselte er 2022 nach Oklahoma und führte die Sooners zwei Jahre lang aufs Feld, bevor er 2024 zu den Oregon Ducks ging. Dort nutzte er seine sechste College-Saison - ermöglicht durch die COVID-Regelung - und lieferte seine vielleicht beste Spielzeit ab: 72,9 Prozent Passquote, 3857 Yards, 30 Touchdowns und nur sechs Interceptions. Mit Oregon erreichte er die College Football Playoffs, wo sein Team am späteren Champion Ohio State scheiterte.
Auffällig: Dillon Gabriel warf in fünf seiner sechs College-Saisons jeweils über 3100 Yards und mindestens 25 Touchdowns - bei nie mehr als sieben Interceptions in einer Saison. Nur in einer Spielzeit, in der er verletzungsbedingt kaum eingesetzt werden konnte, blieb er unter diesen Werten.
Insgesamt absolvierte Gabriel 64 College-Spiele und startete 63 davon - so viele wie kein anderer Quarterback in der Geschichte der FBS. Seine Karrierebilanz im College laut PFF: 18.729 Passing Yards, 1377 Completions, 155 Touchdowns bei lediglich 32 Interceptions. 2024 wurde er zum "Big Ten Offensive Player of the Year" gewählt, war First-Team All-American und Heisman-Finalist.
Browns General Manager Andrew Berry lobte die Verpflichtung rückblickend ausdrücklich: "Wir haben ihn direkt nach dem Combine zu einem privaten Besuch und Workouts in Eugene eingeladen. Er hat eine herausragende College-Karriere hinter sich, ist sehr akkurat und unglaublich ruhig. Wir fanden einfach, dass er ein sehr abgerundetes Spiel hat", sagte Berry in einem Statement der Cleveland Browns nach dem Draft.
Das "kleine" Fragezeichen
Beim Draft-Prozess wurde vor allem seine Größe diskutiert. Gabriel ist offiziell rund 1,81 Meter groß - kleiner als die meisten NFL-Quarterbacks. Damit gehört er zu einer seltenen Gruppe von Startern unter 1,83 Metern, zusammen mit Kyler Murray, Bryce Young und Russell Wilson. Dass Größe kein Hindernis sein muss, bewies einst Drew Brees, der mit den Saints den Super Bowl gewann.
Gabriel selbst begegnete der Diskussion um seine Größe selbstbewusst: "Ich habe die meiste Erfahrung überhaupt, wie man sich vorstellen kann. Schon in der High School war ich Freshman-Starter, und das Gleiche im College. Ich bin ein Leader. Ich bin ein Gewinner. Ich habe an allen drei Stationen gewonnen - und das in großen Spielen", erklärte er beim NFL Scouting Combine.
Und er fügte hinzu: "Ich möchte, dass Teams daran glauben, dass ich da rausgehen und Spiele gewinnen kann. Wenn ein Team einen Gewinner will, einen Franchise-Leader, dann wissen sie, wen sie anrufen müssen."
Wurzeln auf Hawaii
Gabriel wuchs in Mililani, Hawaii, auf. Sein Vater gilt als einer der besten Quarterbacks der Inselgeschichte, und sein größtes Idol war Marcus Mariota. Der frühere Heisman-Gewinner und NFL-Spieler wurde zu einem Mentor für Gabriel. Kein Zufall also, dass er bei Oregon die Nummer acht trug - dieselbe wie Mariota in seiner College-Zeit.
Gabriel gilt als bodenständig und engagiert. Einen großen Teil seiner NIL-Einnahmen spendete er während des College an Highschools in seiner Heimatgemeinde, um neue Jerseys und Ausrüstung zu finanzieren.
Dillon Gabriel bringt alles mit, was man von einem modernen NFL-Quarterback erwartet: Erfahrung, Führungsqualitäten und Präzision im Kurzpassspiel. Nun erhält er die Chance, vom Rookie mit College-Rekorden zum echten Franchise-Leader der Browns zu reifen - und zu beweisen, dass seine Körpergröße dabei kein Hindernis ist.