Das Spiel der Browns "zuhause" gegen die Minnesota Vikings hätte der große Durchbruch für Running Back Quinshon Judkins sein können - ja vielleicht sogar müssen. Die Niederlage in letzter Minute sorgte jedoch dafür, dass seine Leistung fast ein bisschen unterging.
Judkins mit starkem Auftritt in London
Womöglich ist dieser Part den Verantwortlichen der Browns aber auch nicht ganz unrecht. Sowohl in der Medienverfügbarkeit des Teams am Freitag, als auch nach dem Spiel wurde er nicht auf das Podium zur obligatorischen Pressekonferenz geschickt.
Grund dafür hätte es durchaus gegeben: 23 Läufe für 110 Yards, ein Catch für weitere 18 Yards - allerdings fehlte ihm einerseits ein Touchdown, für den es einige gute Gelegenheiten gegeben hätte. Andererseits wurden gleich vier seiner Läufe wieder durch Strafen zunichtegemacht, die zusammen 69 Yards und einen Touchdown gebracht hätten.
In den bislang vier Partien hat Head Coach Kevin Stefanski immer mehr auf den 21-jährigen Running Back vertraut und seine Snaps von anfangs 10 über 18 und 21 auf jetzt 23 Snaps erhöht. Eine Taktik, die sich bislang gelohnt hat: Zwei Touchdowns stehen auf der Habenseite, am Sonntag das erste Spiel mit über 100 Yards und vor allem noch kein einziger Turnover.
Vorwürfe und Vertrag im Sommer
Sein Saisonstart und vor allem sein Auftreten stand dabei immer unter besonderer Beobachtung - mehr als bei fast jedem anderen Rookie: Der Zweitrundenpick war Mitte Juli wegen Vorwurfs häuslicher Gewalt gegen seine (Ex-)Partnerin in Florida festgenommen und einem Richter vorgeführt worden.
Gegen Zahlung einer Kaution und Auflagen wurde er wieder auf freien Fuß gesetzt, vier Wochen später entschieden sich die Behörden gegen eine weitere strafrechtliche Verfolgung aufgrund einiger Umstimmigkeiten. Was wirklich passiert ist, wissen nur die beiden Beteiligten.
Die Browns hatten den Ausgang des Verfahrens abgewartet und anschließend noch eine ganze Weile mit seinem Management weiterverhandelt, vorwiegend um einige Sicherungen in den Vertrag einzubauen. Kurz vor Saisonbeginn war er daher auch der überhaupt letzte Spieler des Drafts 2025, der seinen Vertrag unterschrieb. Um in NFL-Form zu kommen, bekam er eine zweiwöchige Ausnahmeregelung, in der er offiziell noch nicht zum Kader gehörte.
Clevelands starke Rookieklasse
Das Warten hat sich offensichtlich gelohnt: Der Mann mit den auffällig zweifarbigen Zöpfen ist Teil einer bärenstarken Rookieklasse, die sich von Woche zu Woche steigert, auch wenn man das - wie in Tottenham - noch nicht unbedingt am Endergebnis sehen kann. Quarterback Dillon Gabriel warf für 190 Yards und zwei Touchdowns ohne Interception, einen Score davon fing Tight End Harold Fannin Jr. Linebacker Carson Schwesinger kam auf elf Tackles und Erstrundenpick Mason Graham steuerte ebenfalls zwei bei.
Allesamt sehen aus, als ob sie keine Eintagsfliegen wären und so macht sich trotz der knappen Niederlage und der aktuellen 1-4 Bilanz verhaltene Euphorie breit. Ob irgendwann auch Viertrundenpick Dylan Sampson (Running Back) und Fünftrundenpick Shedeur Sanders (Quarterback), der mal wieder abseits des Feldes für Aufsehen sorgte, für die richtigen Schlagzeilen sorgen, bleibt abzuwarten.
Judkins sportlich im Fokus, Medien müssen noch warten
Quarterbacks stehen naturgemäß mehr unter Beobachtung wie ein Defensive Tackle oder üblicherweise auch Running Backs. In Judkins Fall ist das etwas anders, aber bislang hat er in seinen wenigen Wochen in der NFL überzeugt - auf und neben dem Feld.
Dass er trotzdem bei keiner Pressekonferenz auftauchte, hatte übrigens nichts mit den Vorfällen im Sommer zu tun, wie man spekulieren könnte. Die Beat Writer des Teams erklärten auf Nachfrage, dass sich die Browns einfach nur an die Mindestanforderungen der Liga halten würden, was eine Medienverfügbarkeit anginge: Head Coach Stefanski, Defensiv-Star Myles Garrett und der Starting Quarterback, in diesem Fall eben Dillon Gabriel, wären verpflichtend, alles andere eine freiwillige Zusatzleistung.
Hätte sein Touchdownlauf gezählt oder er über 200 Yards gekommen, wäre man womöglich nicht umher gekommen, auch ihn ans Podium zu schicken.
Mitspieler loben Rookie der Browns
So stand da von der offensiven Seite einzig Dillon Gabriel nach seinem Debüt, hatte aber auch viel Lob für seinen Running Back übrig: "Er hat sich den Allerwertesten aufgerissen und ist ein Spieler, auf den wir uns stützen. Ich halte sehr viel von ihm. Er ist ein Workhorse und ich sehe nicht, dass sich das ändert."
Allerdings war Judkins direkt vor der Endzone einmal gegen den erfahreneren Jerome Ford ausgetauscht worden, wie Head Coach Stefanski später auf Nachfrage begründete: "Wir vertrauen Jerome in einigen dieser Momente, genauso auch wie Q. Allerdings habe ich immer die Workload, die ich Q gebe, im Hinterkopf."
Die wird mit wachsender NFL-Erfahrung mehr werden, auch wenn er jetzt schon bei 23 Carries lag (plus die durch Strafen zurückgenommenen). Bislang hat er das Vertrauen von Trainer, Mitspielern - und auch die Kritiker - nicht enttäuscht.