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Die zwei geschrumpften B: Berlin und Bamberg weit entfernt von einstiger Dominanz

kicker

Es ist noch gar nicht lange her, da standen Alba Berlin und die Bamberg Baskets (künftig werden sie als BMA365 Bamberg Baskets an den Start gehen) fast sinnbildlich für die Dominanz im deutschen Basketball. In den 2010er Jahren gewannen die damaligen Brose Baskets aus Bamberg sieben Deutsche Meisterschaften binnen acht Jahren, von 2020 bis 2022 ging der Meistertitel dreimal in Folge an Alba. Gemeinsam mit dem FC Bayern München bildeten sie das Machtzentrum der deutschen Basketball-Liga BBL: die "drei großen B", wie man sie nannte. Titel in Deutschland und europäische Achtungserfolge gingen nahezu nur über diese drei Mannschaften: Die Hallen waren voll, die Ambitionen groß, die Identität klar.

Doch während die Bayern weiterhin nach oben streben, hat sich die Situation in der Hauptstadt und in Bamberg verändert. Berlin stolperte durch die Saison, schied im Viertelfinale der Play-offs sang- und klanglos mit 0:3 gegen Ulm aus und wurde in der Euroleague wie im Vorjahr Letzter. Bamberg erreichte zwar das Pokalfinale, kam in der Liga aber nicht über einen enttäuschenden 15. Platz hinaus. Die Gründe für den Abwärtstrend sind auf den ersten Blick mit etwas zeitlichem Unterschied vergleichbar, bei genauerem Hinschauen lassen sich aber doch größere Unterschiede feststellen.

Die klarste Parallele zwischen beiden Standorten ist wohl die Abkehr von der Euroleague, der Königsklasse im europäischen Basketball. Dort messen sich die größten Klubs des Kontinents wie Real Madrid, der FC Barcelona oder Panathinaikos Athen in einem nahezu geschlossenen Wettbewerb. 13 Klubs sind als sogenannte A-Lizenz-Inhaber und Anteilseigner unabhängig vom Abschneiden in der nationalen Liga gesetzt. Die übrigen Startplätze werden an den Sieger des Eurocups oder per Wildcard gegen hohe Gebühren vergeben.

Champions League statt Euroleague: Rückschritt und Chance zugleich

Und genau dort liegt das Problem, denn weder Bamberg noch Berlin haben - im Gegensatz zu Bayern München - eine A-Lizenz erhalten. Bamberg begeisterte vor etwa zehn Jahren mit einem Star-Ensemble unter Andrea Trinchieri ganz Europa, aber der Standort in einer Kleinstadt passte nicht so recht in die Vision der Euroleague, die gern die großen Metropolen bespielen wollte. "Für uns ist wichtig, Planungssicherheit für die kommenden Jahre zu haben", sagte Bambergs damaliger Geschäftsführer Rolf Beyer im Sommer 2021, als er den Wechsel in die vom Weltverband FIBA organisierte Basketball Champions League erklärte. "Diese Planungssicherheit haben wir durch die langfristige Partnerschaft mit dem FIBA-Wettbewerb erhalten."

„Die Bedingungen für einen Euroleague-Startplatz haben sich zuletzt jedoch extrem verändert.“ (Marco Baldi, Alba-Geschäftsführer)

In ein ähnliches Horn blies im Mai dieses Jahres auch Alba-Chef Marco Baldi, der sich mit seinem Verein nach über 20 Jahren aus den von der Euroleague organisierten Wettbewerben verabschiedete: "Wir haben eine lange Tradition mit der Euroleague, und wir wollen immer im sportlich bestmöglichen Wettbewerb spielen. Die Bedingungen für einen Euroleague-Startplatz haben sich zuletzt jedoch extrem verändert." Er spielt dabei auf die Wildcard-Gebühren und die Expansion der Euroleague in den mittleren Osten an, die in der kommenden Spielzeit den BC Dubai in ihrem Wettbewerb begrüßt. Daher wird Alba zur kommenden Saison den gleichen Schritt wie Bamberg vier Jahre zuvor gehen und in der Champions League spielen.

Sportlich gesehen mag das zunächst wie ein Rückschritt erscheinen, infrastrukturell kann er aber auch eine Chance sein, denn die Anzahl der Spiele reduziert sich drastisch. Während die Euroleague nach der Expansion auf 20 Mannschaften in der Saison 2025/26 künftig 38 Spieltage austragen wird, bevor es in die Play-offs geht, ist die Champions League mit verschiedenen Gruppenphasen deutlich schlanker. Bis zum Titel sind maximal 20 Partien zu absolvieren. Die Kader müssen daher nicht mehr ganz so groß sein, die Reisekosten sind deutlich geringer, die Chance auf sportlichen Erfolg ist größer. Auf der anderen Seite kann man auf dem Spielermarkt nicht mehr mit dem Pfund Euroleague wuchern.

Alba Berlin: Reduzierter Top-Etat

Der größte Unterschied zwischen Berlin und Bamberg bei der Abkehr von der Euroleague ist aber der finanzielle Aspekt. Während die Oberfranken über Jahre durch millionenschwere Investitionen von Michael Stoschek und dessen Firma Brose gepusht wurden, ist Berlin nicht abhängig von einer Einzelperson. Stoschek fuhr sein Engagement nach dem Wechsel zur FIBA sukzessive zurück, parallel verließ mit Coach Trinchieri und Sportdirektor Daniele Baiesi immer mehr sportliche Kompetenz den Traditionsstandort. Es folgten Jahre geprägt von Inkonstanz, vielen Trainerwechseln und mäßigem sportlichen Erfolg. Mittlerweile sind die Bamberg Baskets mit einem Personal-Etat von 2,67 Millionen Euro - ein Bruchteil im Vergleich mit vor zehn Jahren - im Mittelfeld der Bundesliga angekommen und spielen auch sportlich in diesen Gefilden.

Ob Berlin das gleiche Schicksal droht? Eher nicht, denn der Klub steht wirtschaftlich gut da und konnte in der laufenden Spielzeit laut Auskunft der BBL 8,15 Millionen Euro in sein Personal investieren. Dies wird in Zukunft deutlich weniger sein, wie die Verantwortlichen bereits durchklingen ließen - doch auch im Falle einer möglichen Reduktion dürfte in Berlin noch immer das zweithöchste Budget der Liga beheimatet sein. Dennoch wird man sich unter der Regie von Sportdirektor Himar Ojeda und dem während der Saison für den geschassten Israel Gonzalez eingesprungenen Trainer Pedro Calles neu aufstellen müssen.

So stehen bereits die Abgänge der beiden Eigengewächse Elias Rapieque und Tim Schneider fest, weitere Leistungsträger dürften folgen, weil sie weiterhin in der Euroleague spielen möchten. Dennoch ist Baldi zuversichtlich, was die sportliche Perspektive angeht: "Wir sind sicher, dass sich die Europa-Wettbewerbe unter dem Dach der FIBA in den nächsten Jahren stark entwickeln werden." Ein möglicher Einstieg der NBA in Europa - gemeinsam mit der FIBA - steht nämlich weiter im Raum. Und wer weiß, vielleicht gewinnt das große B Berlin in Zukunft in einer möglichen NBA Europe wieder an Volumen.