Erst knapp anderthalb Monate ist es her, als die NBA-Welt diskutierte, ob der nun zehn Jahre alte Saisonrekord der Warriors vor seinem Ende steht. 73 der 82 Spiele hatte das Team um Anführer Draymond Green damals gewonnen. Dass so bald eine Mannschaft kommen würde, die diesem Laufe ein Ende bereitet? Nur wenige glaubten wirklich daran.
Zu Beginn der laufenden Spielzeit wendete sich diese Diskussion allerdings. OKC, zu diesem Zeitpunkt frischgebackener NBA-Champion, hatte da gerade 21 der ersten 22 Spiele gewonnen und selbst Green überzeugt: "Diese 73 Siege haben mich Jahre meines Lebens gekostet. Das ist wirklich hart gewesen, aber ich denke, dass sie es schaffen können."
Bereits heute, Ende Januar, ist klar, dass dem nicht so ist. Allein im laufenden Monat musste OKC bereits fünf Niederlagen einstecken. Insgesamt steht der amtierende Meister somit bei zehn Pleiten. Freilich muss hier auch erwähnt werden, dass die Bilanz von 38-10 noch immer die beste der Liga ist. Im Westen ist man der Konkurrenz auch weiterhin klar enteilt.
Beispiellose Verletzungsmisere von OKC
Und auch die jüngste Ergebnisdelle dürfte in Oklahoma City noch nicht die Alarmglocken läuten lassen. Angesichts einer fast beispiellosen Verletzungsmisere ist die Ausbeute der vergangenen Wochen durchaus vertretbar.
In Cason Wallace ging dem Team zuletzt der siebte Spieler des 15-Mann-starken Kaders verloren. All-Star Jalen Williams, Starting-Center Isaiah Hartenstein, Glue-Guy Alex Caruso, nicht zu vergessen Durchstarter Ajay Mitchell sowie die Perspektivspieler Thomas Sorber und Nikola Topic - allesamt stehen derzeit nicht zur Verfügung.
In seiner Hilfosigkeit musste Coach Mark Daigneault zuletzt auf zwei G-League-Spieler zurückgreifen, um wenigstens zehn Akteure auf dem Spielbogen führen zu können.
Bedenklich sind die Resultate der vergangenen Woche deshalb weniger für OKC, sondern eher für die Konkurrenz. Das Offensivrating von 116,7 im Januar wird weiterhin nur von einer handvoll Mannschaften getoppt. Defensiv machen sogar nur die "Bad Boy"-Pistons den Thunder etwas vor.
SGA auf dem Weg zum nächstem MVP-Titel
Dass das Team auch trotz der vielen Ausfälle und der damit verbundenen sabotierten Rotation noch so gut dasteht, ist einerseits beeindruckend und zu großen Teilen auf Starspieler Shai Gilgeous-Alexander zurückzuführen. In den vergangenen fünf Spielen erzielte der amtierende wertvollste Spieler der Liga 36,0 Punkte bei überragenden 67% aus dem Feld und nur 1,4 Ballverlusten. In weiterer Abwesenheit von MVP-Konkurrent Nikola Jokic steuert der Kanadier damit auf seine zweite Auszeichnung in Folge zu.
Andererseits sind diese Resultate auch durchaus notwendig. Bis auf Wallace, der als "fraglich" gelistet ist, führt der Verletzungsreport der NBA alle anderen sechs Verletzten als "out". Heißt: ein kurzfristige Rückkehr ist erstmal nicht in Sicht.
Eine Gefahr für OKC droht eher durch eigene Handlungen. Werden die Verantwortlichen rund ein Vierteljahr vor Playoff-Beginn nervös, ob der permanenten Ausfälle, besonders auf der Bank? Verhandlungsmasse hat Oklahoma City mitsamt zahlreicher Erstrundenpicks sowie verheißungsvoller Jungstars schließlich zu Genüge. Die rationale Antwort lautet eigentlich nein. Und damit dürfte wohl auch dieser temporäre Knick nur ein weiteres Warnsignal darstellen - allerdings nicht für OKC, sondern die Konkurrenz.
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