Erst im zurückliegenden Sommer durchliefen die Boston Celtics einen der wohl größten Umbrüche der NBA. Angeheizt vom Achillessehnenriss von Jayson Tatum, einem infolgedessen enttäuschenden Zweitrundenaus gegen die Knicks und der aufgeblähten Gehaltssituation entschieden sich die Verantwortlichen, zahlreiche personelle Änderungen vorzunehmen.
In Jrue Holiday, Kristaps Porzingis und Al Horford verließen die Kelten nicht nur drei Starter, sondern auch einige Eckpfeiler des Titelgewinns 2024. Weil mit der Rückkehr Tatums frühestens zum Playoff-Beginn gerechnet wurde, sprachen Experten in Bezug auf die Spielzeit 2025/26 von einer Übergangssaison. Selbst das Verpassen der Playoffs stand zur Debatte.
Nun, nach gut einem Drittel der NBA-Saison, dürfte davon keine Rede mehr sein. Die Celtics haben nicht nur 22 ihrer bisherigen 34 Spiele gewonnen. Sie sind zudem eines der heißesten Teams der Liga, sieben der vergangenen acht Partien wurden erfolgreich bestritten. Ob der Formkrise in New York ist auch der zweite Tabellenplatz nicht mehr weit entfernt.
Celtics überragen offensiv gegen den Trend
Die Gründe für die bisherige Überperformance sind vielschichtig. Einerseits hat es das Trainerteam geschafft, ideale Rollenspieler für das vorhandene System zu formen. Neemias Queta, Jordan Walsh und Luka Garza sind nur drei Positivbeispiele, die im Vergleich zu ihren Vorsaisons große Fortschritte gemacht haben.
Queta, der im Sommer noch die deutsche Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft vor Probleme stellte, ist nach dem Abgang der Center Porzingis, Horford und Luke Kornet unangefochtener Starter. Das Vertrauen zahlte der Portugiese mit einer deutlich gesteigerten Produktion sowie sehr solidem Ringschutz zurück.
Anders als seine Vorgänger verfügt Queta dagegen über keinerlei Distanzwurf. Am offensiven System hat dieser Umstand dennoch nicht viel geändert. Die Celtics bleiben auch in dieser Saison ihrem Motto treu, so viele Schüsse von der Dreierlinie abzufeuern, wie nur möglich. Mit 15,8 Treffern von draußen verbucht man zwar knapp 1,5 weniger als noch 2024/25. Dennoch rangieren die Celtics damit auf Platz zwei im Ligavergleich - nur hinter den Warriors.
Ebenfalls unverändert ist die Pace der Celtics. Während so ziemlich alle NBA-Teams schnellere Umschaltmomente predigen, bewegt sich Boston in die entgegengesetzte Richtung: Die derzeit 96,53 Angriffe pro Spiel liegen sogar noch knapp unter dem Wert der vergangenen Saison. Dass man in der NBA Erfolg haben kann, ohne dem Tempotrend hinterherzulaufen, beweisen die Celtics recht eindeutig: Das Offensivrating von 122,3 wird lediglich von den Denver Nuggets (123,0) überboten.
Brown steigert Volumen und Effizienz
Dass die Offensivmaschinerie trotz Umbruch in ungeminderter Stärke weiterläuft, ist vor allem einer Personalie zu verdanken: Jaylen Brown. Dabei war das so nicht zwingend zu erwarten. Nach dem verletzungsbedingten Ausscheiden von Tatum wechselten sich in den Playoffs seine guten und durchwachsenen Leistungen nahtlos ab. Mal überzeugte er als Ballverteiler mit elf Vorlagen, mal ging offensiv überhaupt nichts.
Umso überraschender ist es, dass der Flügelspieler in dieser Saison die große Konstante der Celtics darstellt: 30,1 Punkte und 5,0 Vorlagen erzielt Brown bislang und ist dabei sogar noch deutlich effizienter als an der Seite Tatums. Beinahe hat man das Gefühl, dass die Beförderung den 29-Jährigen geradezu beflügelt hat.
Das hängt freilich auch mit all den kritischen Stimmen im Sommer zusammen, wie Brown selbst bereits deutlich machte. Zweifel spornten ihn an, seine Kritiker vom Gegenteil zu überzeugen. So auch kürzlich beim Duell mit den L.A. Clippers. Sechs Spiele hatten die Kalifornier bis dato am Stück gewonnen. Kawhi Leonard galt als heißester Akteur der NBA. Folgerichtig forderte Brown Trainer Mazzulla auf, den Schlüsselspieler des Gegners verteidigen zu können. Die Folge: Leonard, zuvor noch mit neuem Karrierebestwert geglänzt, beendete die Partie mit 22 Punkten bei 6/17 Treffern. Und Brown? Der führte sein Team mit überragenden 50 Punkten an.
Anders als es die Konkurrenz der Eastern Conference gehofft hatte, wird es in dieser Saison wohl kein Celtics-Freilos geben. Stattdessen kam kürzlich eine weitere Hiobsbotschaft - aus Gegnersicht - hinzu: Jayson Tatum wird voraussichtlich noch vor Ende der regulären Saison sein Comeback geben. Der Osten darf sich also auch fortan warm anziehen.
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