Der Boxsport lebt auch von spektakulären Knockouts - und von Boxern, die sie praktizieren. Mike Tyson etwa war jemand, dessen Schläge einen Kampf jederzeit entscheiden konnten. Oder auch ein Deontay Wilder, dessen unglaubliche Schlagkraft manches boxerisches Defizit ausgleichen konnte.
Agit Kabayel ist keiner für die spektakulären, krachenden K.-o.-Siege. Aber auch er weiß, wie man Kämpfe vorzeitig gewinnt. Weil er etwas beherrscht, das es im Boxen gar nicht so oft gibt. Der Bochumer ist ein Experte für Leberhaken - und hat damit schon so manchen Gegner in die Knie gezwungen, zuletzt den Chinesen Zhilei Zhang.
Diese Art des Boxens hat ihm den Spitznamen "Leberking" eingebracht, wenngleich er sich den Namen auch selbst gegeben hat. Doch inzwischen ist es zu einem geflügelten Wort geworden, denn Kabayel beherrscht diese Technik wie kaum ein anderer.
"Für die meisten ist Boxen einfach nur hau drauf. Aber es ist wirklich so, du musst Sachen sehen, die nicht jeder sehen kann. Und ich weiß, dass ich die letzten Finishes immer auf den Körper geholt habe", erklärt Kabayel im Interview mit DAZN.
Doch wer glaubt, dass es nur darum geht, möglichst viel auf den Körper einzuschlagen, der irrt. "Die Arbeit davor, diese Treffer, die wir auf den Kopf setzen und dann die Leber fixieren, das macht eigentlich das Große aus, weil die Schläge auf den Kopf so wehtun, dass die meisten die Arme hochziehen. Und dass man dann quasi zum Körper gehen kann", sagte er.
Etwas, das er von seinem langjährigen Trainer Sükrü Aksu gelernt hat. "Es gab noch nie im Schwergewicht drei Siege nacheinander durch Leberhaken", betont Aksu die besonderen Leistungen seines Schützlings. Allerdings habe Kabayel auch sehr viel eigenen Ehrgeiz mitgebracht, um der gefürchtete "Leberking" zu werden.
"Das sind alles Sachen, das lernst du nicht von heute auf morgen, sondern über Jahre. Diese Disziplin, die der Junge mitgebracht hat, bis er die Leber gefunden hat, das hat bestimmt vier Jahre gedauert", erklärt Aksu. "Heute macht er das im Schlaf, aber die ersten vier, fünf, sechs Kämpfe hat er die Leute zwar gehauen, aber die sind nicht runtergegangen, weil er die Leber nicht getroffen hat."
Kabayel habe sogar im Internet ganz genau geschaut, wo die Leber sitzt, um sie gezielter treffen zu können. "Das spricht ja alles für den Jungen", stellt Aksu klar. Kabayel hält jedoch fest, dass es nicht die Strategie sei, jeden Kampf durch Leberhaken zu beenden - viel mehr seien sie das Ergebnis seiner Herangehensweise.
"Ich gehe nie in den Kampf rein mit dem Ziel: Ich will den Finish jetzt auf den Körper holen. Wenn er auch auf den Kopf kommt, kommt er auch auf den Kopf. Aber in den meisten Situationen ist es so, dass der Gameplan dann aufgeht, dass wir halt die Leute dann meistens zum Körper treffen", erklärte er.
Auch seinen nächsten Gegner Damian Knyba will Kabayel wieder mit Schlägen eindecken und am besten vorzeitig in die Knie zwingen. Am 10. Januar kommt es in Oberhausen zum spektakulären Fight im Schwergewicht. Fans sind live auf DAZN mit dabei - und können den Kampf für nur 9,99 Euro dazubuchen!