Die Parallelen zur WM 2020 sind unübersehbar. Damals schied Raymond van Barneveld gegen den US-Amerikaner und klaren Außenseiter Darin Young in der ersten Runde völlig überraschend aus - und verkündete wenig später sein Karriereende. Nur einige Monate später kehrte "Barney" aus finanziellen Gründen wieder zurück auf die Tour. Nun steht er nach der klaren Niederlage gegen Bellmont, der als erster Schweizer überhaupt ein WM-Spiel gewann, erneut am Scheideweg.
"Es war natürlich ein sehr schlechtes Jahr. Auf dem Papier bin ich fünfmaliger Weltmeister, aber es kommt einfach nicht raus", sagte ein enttäuschter van Barneveld bei Viaplay nach einer Partie, in der er zwar den besseren Drei-Dart-Average aufwies (92,5 vs. 91,36), jedoch kaum Würfe auf die Doppelfelder bekam. Ungewöhnlicherweise wechselte er zu Beginn des dritten Satzes die Darts, doch das brachte auch keine Wende. Nur zwei Legs gewann van Barneveld in der gesamten Begegnung.
Dementsprechend hart ging auch die Presse mit dem viermaligen BDO-Weltmeister und PDC-Champion von 2007 ins Gericht. Die niederländische Zeitung De Telegraaf bezeichnete den Auftritt als "Debakel", der englische Mirror schrieb von einem "katastrophalen Ausscheiden". Van Barneveld sei "vernichtend geschlagen" worden.
Barney gerät ins Grübeln
Ob van Barneveld auch im kommenden Jahr im Ally Pally zu sehen sein wird, ließ die Darts-Ikone offen. "Wie es jetzt weitergehen soll, das muss ich mich fragen. Jede Woche Schmerzen erleiden, das will niemand. Das tut weh", sagte der Niederländer, der sich als fairer Verlierer zeigte. Bellmont habe "fantastisch gespielt. Er hat einfach alles getroffen."
Und das trotz der gefürchteten "Barney-Army", van Barnevelds Fanklub, der ihn seit Jahrzehnten zu Höchstleistungen treibt. Auch am Donnerstag waren wieder zahlreiche Fans des Altmeisters anwesend, doch Bellmont behielt die Nerven und zweigte sogar Motivation ab, wie er bei Sport1 verriet. "Es hat als Ablenkung etwas geholfen. Mit den ganzen Barney-Army-Rufen konnte ich mich ein bisschen pushen”, sagte der 36-Jährige. "Heute hat es sicher ein paar Mal gepusht."
Was van Barneveld ihm nach dem Sieg ins Ohr flüsterte, verriet Bellmont auf der anschließenden Pressekonferenz. "Er sagte zu mir: 'Gut gespielt, tolle Doppel, verdienter Sieg.' Nette Worte." Es waren womöglich die letzten von van Barneveld auf einer WM-Bühne.