Schon zweimal bezwang Beau Greaves Weltmeister Luke Littler in diesem Jahr - und wie ordnet sie sich selbst vor dem Start in die WM so ein? "Ganz ordentlich für ein Mädchen", sagt die 21-Jährige entspannt. Ab Freitag werden die Augen der Branche auf sie gerichtet sein.
"Sie hat sehr viel Talent. Sie ist mit Abstand die beste Dartsspielerin", sagte Ex-Weltmeister Gary Anderson kürzlich: "Ich glaube, sie ist der weibliche Luke Littler. Wenn sie als Paar spielen würden, dann könnte sie keiner auf der Welt schlagen."
Sie spielen aber eben gegeneinander, und da sah es zuletzt zweimal schlecht aus für Littler: Bei der Junioren-WM und bei einem Show-Turnier gewann Greaves gegen den 18 Jahre alten Top-Favoriten. In die WM der Großen im Londoner Ally Pally startet sie nun am Freitagabend (ca. 21.10 Uhr/Sport1 und DAZN) gegen den Nordiren Daryl Gurney. Greaves, die noch bei ihren Eltern in Doncaster wohnt, ist eine von fünf Frauen, die sich in diesem Jahr für die prestigeträchtige WM qualifiziert haben - ein neuer Rekord.
Max Hopp sieht in ihr gar eine Schlüsselfigur für die Entwicklung des gesamten Sports. "Greaves ist die Frau, die nach Fallon Sherrock die Tour wieder richtig aufmischen kann", sagte Deutschlands WM-Rekordteilnehmer: "Das ist eine Entwicklung, mit der nochmal neue Zielgruppen zum Darts gebracht werden."
Für die WM qualifiziert hatte sich die Engländerin bereits in den drei Vorjahren, ein Doppelstart bei beiden Weltmeisterschaften ist jedoch seit 2023 nicht mehr erlaubt. Sie verzichtete daher zuletzt zweimal zugunsten der Frauen-WM - und gewann diese nun schon dreimal in Folge. Jetzt kehrt sie zurück, für Greaves ist es die zweite Teilnahme nach der WM 2023, als sie dem Iren William O'Connor mit 0:3 unterlag. Gegner Daryl Gurney ist dennoch gewarnt. "Niemand will gegen Beau spielen. Sie ist eine großartige Dartsspielerin", sagt er.
Fast ein Jahr Pause wegen Dartitis
Aber auch eine, die schon in jungen Jahren mit Problemen zu kämpfen hatte. Ende 2020 erkrankte die damals 16-Jährige an "Dartitis", einer psychischen Krankheit, die das Abwerfen der Darts zum richtigen Zeitpunkt behindert. Sie nahm sich deshalb eine beinahe einjährige Pause. "Ich war mit allem beschäftigt, außer den Dartsport zu genießen", blickte sie im Interview mit der PDC zurück. Doch sie überwand diese schwierige Phase und danach war für sie umso klarer, "dass ich unbedingt Dartspielerin werden und eine gute Karriere haben möchte".
In diesem Jahr sicherte sich Greaves die begehrte Tour Card und wird damit 2026 als erst zweite Frau einen Großteil der Turniere bestreiten. Auch dort wird ihr einiges zugetraut. "Nimm die Tourkarte lieber nicht an", sagte Littler, der einen sexistischen Kommentar eines Users nach seiner Niederlage vielsagend beantwortete, mit einem Augenzwinkern.
Und Greaves selbst? Die bleibt weiter bescheiden. "Ich fühle mich einfach wie ein normales Mädchen", sagt sie, "nicht anders als vor meinem Sieg gegen Luke."