Die ganz großen Emotionen hatte das Duell zwischen Krzysztof Ratajski und Luke Woodhouse bis zum zweiten Leg des dritten Satzes noch nicht entfacht. Doch auf einmal versetzte der Engländer seine Landsleute in Ekstase - ein Neun-Darter lag in der Luft. Leider aber nur dort, denn den entscheidenden Wurf auf die Doppel-12 setzte der Bezwinger von Max Hopp wie schon Gary Anderson einige Tage zuvor weit daneben. Zu allem Überfluss holte sich Ratajski auch noch das Leg und führte wenig später mit 2:1 in Sätzen.
Absetzen konnte sich der "Polish Eagle" in diesem Duell auf Augenhöhe allerdings auch nicht. Der Average von Woodhouse betrug nach dem vierten Durchgang gerade mal 88,90, dennoch gelang ihm vor der letzten Pause der Satzausgleich. Die Schwächen im Scoring legte "Woody" jedoch nicht ab. So kam der konstanter spielende Ratajski dem Sieg immer näher und setzte sich schließlich verdient mit 4:2 durch. Sowohl sein Average (96,68 zu 91,40) als auch seine Checkout-Quote (45,16 Prozent zu 37,04 Prozent) waren schlicht besser als die seines Kontrahenten.
Ratajski zieht damit zum zweiten Mal nach der WM 2021 ins Viertelfinale ein und trifft dort am Neujahrstag auf Luke Littler. Für den Polen ist es auch deswegen ein besonderes Ereignis, da er am 1. Januar seinen 49. Geburtstag feiern wird.
Harrysson lässt in Satz fünf sieben Setdarts liegen
Wesentlich mehr Stimmung kam im zweiten Spiel auf - Jonny Clayton und Außenseiter Andreas Harrysson hauten sich die High-Finishes zu Beginn nur so um die Ohren. Der Schwede checkte 124 und 149 aus, während Clayton 160 und 141 auslöschte. Dazwischen setzte der Weltranglistenfünfte allerdings immer wieder die eine oder andere Fahrkarte auf die Doppel, sodass der Überraschungs-Achtelfinalist mit dem Rauschebart mit 2:1 in Sätzen in Führung ging.
Zwar glich Clayton aus, stand im fünften Satz allerdings gleich wieder mit dem Rücken zur Wand. Harrysson checkte eine 103 aus und führte mit 2:0 in Legs, als er drei Setdarts vergab - später ließ er noch vier weitere Chancen auf den Satzgewinn liegen. Clayton nahm das Geschenk an und hatte nun die Nase vorn.
Auch der sechste Durchgang ging in den Decider, "The Ferret" hatte Anwurf und spielte groß auf. Für den Waliser (Average von 92,57, Checkout-Quote von 44,12 Prozent) ist es wie für Ratajski der zweite Viertelfinaleinzug, er trifft dort auf den Engländer Ryan Searle.
Hood verfehlt sein erstes Doppel erst beim Matchdart
Erneut mit einem Pinguin-Fischerhut und unbeschwert wie immer betrat Shooting-Star Justin Hood die Bühne. Der Publikumsliebling und Ally-Pally-Debütant checkte im Auftakt-Leg gegen Josh Rock gleich mal 108 aus und holte sich schließlich mit einem Elf-Darter im Decider Satz eins. Auch im folgenden Durchgang musste das letzte Leg entscheiden - und wieder hatte die Nummer 86 der Welt die Nase vorn.
Die Sensation nahm endgültig Gestalt an, nachdem auch Durchgang drei an Hood gegangen war. Der Engländer startete danach direkt mit einer 180 und holte die ersten beiden Legs. Seine Quote nach elf Würfen auf die Doppel: 100 Prozent! Rock quittierte die Volltreffer nur noch mit einem Lächeln, "Happy Feet" kam aus dem Grinsen sowieso nicht mehr heraus.
Erst bei seinem ersten Matchdart verfehlte Hood - obwohl Rock das Publikum sogar angefeuert hatte - erstmals sein Ziel und ließ auch drei weitere Chancen auf den Sieg liegen. Doch mehr als ein Leggewinn war nicht mehr drin für den kapitulierenden Nordiren, der mit einem Average von 96,31 (Hood 101,18) und einer Checkout-Quote von 42,86 Prozent nicht mal enttäuscht hatte.
Der wie entfesselt aufspielende Hood nutzte schließlich seinen fünften Matchdart und sank dann zu Boden. Es war die beeindruckendste Vorstellung bei dieser Darts-WM, auch wenn die Checkout-Quote am Ende "nur" noch bei 75 Prozent lag. Sein nächster Gegner ist der Gewinner der Partie zwischen Gary Anderson und Michael van Gerwen.