Seit mittlerweile zehn Jahren ist Schwartmann fester Bestandteil der deutschen eSport-Szene rund um FIFA respektive EA SPORTS FC. Seine aktive Karriere begann 2016 beim FC Schalke 04 - einem der wenigen Fußballvereine, die sich damals schon ernsthaft mit dem Thema beschäftigten.
"Wenn man kurz zurückdenkt: 2016 kam ich zu Schalke. Es gab faktisch nur zwei Vereine, die im eSport aktiv waren. Ich war einer der ersten Vereinsspieler, die diese Anfangszeit miterlebt haben. Natürlich lief nicht alles perfekt - trotzdem war es eine schöne Zeit. Man hat sich als Team und als Verein erst mal gefunden." Bis August 2021 gehörte Schwartmann dem Aufgebot der Königsblauen an.
"Es gab damals auch noch keine Klub-Vorbilder, was mittlerweile ganz anders ist", erklärt der ehemalige Profi weiter. "Heute ist fast jeder Verein beteiligt. Dazu kommen sehr viele Nachwuchsakademien und Klubs, die Spieler gezielt fördern und diesen Gemeinschaftsgedanken vorantreiben."
Gerade für junge Spieler sei das wichtig: "Für 15-, 16- oder 17-Jährige ist dieses Zusammenkommen extrem wertvoll. Genau dadurch hast du als Spieler die Möglichkeit, Anschluss zu finden und den ersten Schritt in Richtung Profi zu machen."
„Wenn du dich für das VBL Grand Final qualifizierst, spielst du zu 99,9 Prozent im kommenden Jahr auch in der VBL Club Championship mit.“ (Tim 'Latka' Schwartmann)
Auch der Zugang zur Szene habe sich deutlich verbessert: "Der Weg in den eSport ist heutzutage recht leicht. Du musst einfach gut genug sein. Das klingt vielleicht komisch, aber wir haben mittlerweile so viele Wettbewerbe - Stichwort VBL Open."
"Wenn du dich darüber für das VBL Grand Final qualifizierst, spielst du zu 99,9 Prozent im kommenden Jahr auch in der VBL Club Championship mit. Weil du auffällst. Das ist ein wahnsinniges Sprungbrett, das jeder nutzen kann - sogar von zu Hause aus. Man muss nur gut genug sein", meint Schwartmann.
Mehr Möglichkeiten für junge Talente
Auf Nachfrage, ob sich Strukturen und Atmosphäre verändert hätten, hebt Schwartmann das Wachstum der vergangenen Jahre hervor: "Damals war alles ein bisschen familiärer, weil es noch nicht so viele Spieler gab wie heute. Das ist mittlerweile ein Vor- und Nachteil für Einsteiger. Der Konkurrenzkampf ist deutlich größer geworden, weil das Thema über die Jahre enorm populär geworden ist - vor allem durch die VBL."
In der VBL Club Championship treten inzwischen 35 Vereine an. Außer dem FC Schalke 04 sind unter anderem auch der FC Bayern München, Borussia Dortmund und der Hamburger SV vertreten. Im bevorstehenden Finale, das am 7. und 8. März in Hamburg ausgetragen wird, treffen die 16 besten Vereine der Ligaphase aufeinander.
Als Top-Favorit gilt aktuell nicht etwa der Titelverteidiger aus Leipzig, sondern der SC Freiburg. Die Breisgauer haben die Gesamttabelle mit 93 Punkten auf Platz 1 abgeschlossen. Sie erreichten jeden der fünf Showdowns, gewannen den letzten in Stuttgart und kamen stets mindestens ins Halbfinale.
Keine Spielgarantie für Duos mehr
"Auch wenn du bei einem Verein spielst, ist Erfolg nicht garantiert", betont Schwartmann jedoch. "In der VBL gibt es Teams mit Kadern von drei bis fünf Spielern. Da ist nicht immer sicher, wer tatsächlich zum Einsatz kommt. Daran sieht man, wie sehr die Bedeutung des Ganzen zugenommen hat. Zu meiner Zeit gab es zwei Spieler. Wir haben einfach immer gespielt - und das war's."
Sein Fazit: "Man erkennt deutlich, welche großen Schritte die Vereine in Sachen Professionalisierung gemacht haben." Am kommenden Wochenende wird Schwartmann selbst Teil des Geschehens sein: Beim Finale der VBL Club Championship fungiert er als Host und Moderator.