Mit der endgültigen Entscheidung des Bundesrats ist ein lang erwarteter Schritt vollzogen: Ab dem 1. Januar 2026 wird eSport in Deutschland als gemeinnützig anerkannt. Damit endet eine Phase der Unsicherheit. Und es beginnt eine neue, in der der organisierte eSport unter klaren rechtlichen Rahmenbedingungen agieren kann. Diese Entscheidung erkennt eine Realität an, die längst existiert.
In ganz Deutschland engagieren sich Vereine, Ehrenamtliche und Initiativen rund um den eSport. Sie organisieren Trainings, Wettkämpfe und Bildungsangebote, sie schaffen Gemeinschaft und Verantwortung, sie leisten Jugendarbeit in einer digitalen Lebenswelt. Die Gemeinnützigkeit schafft nun erstmals eine ordentliche und rechtliche Grundlage für dieses Engagement.
Anerkennung und Verantwortung
Der Status der Gemeinnützigkeit ist kein Selbstzweck. Er steht für Vertrauen und für den Anspruch, einen Beitrag zum Gemeinwohl zu leisten.
Genau das tun eSport-Vereine bereits heute. Sie fördern Teamgeist, Fairness und Leistungsbereitschaft. Sie vermitteln Medienkompetenz und einen reflektierten Umgang mit digitalen Spielen. Sie bieten jungen Menschen einen Ort, an dem sie sich engagieren, Verantwortung übernehmen und Teil einer Gemeinschaft sein können.
Gleichzeitig bringt die Gemeinnützigkeit neue Pflichten mit sich. Transparenz, klare Strukturen und eine saubere Trennung von gemeinnützigen und wirtschaftlichen Tätigkeiten werden wichtiger denn je. Der organisierte eSport ist bereit, diese Verantwortung zu übernehmen. Die Anerkennung schafft den Rahmen, um diese Entwicklung strukturiert und nachhaltig zu gestalten.
Was sich für Vereine konkret ändert
Für viele Vereine ist die Gemeinnützigkeit ein echter Wendepunkt. Sie eröffnet neue Möglichkeiten der Finanzierung durch Spenden und Fördermittel. Sie erleichtert die Zusammenarbeit mit Kommunen, Schulen und anderen Institutionen. Sie stärkt das Ehrenamt und macht Engagement planbarer und verlässlicher.
Laut aktuellem Sportentwicklungsbericht zeigt sich, dass nur ein sehr geringer Anteil der Sportvereine in Deutschland derzeit eSport-Angebote macht - rund zwei Prozent. Was unterstreicht, wie groß der Nachholbedarf ist und wie sehr die Gemeinnützigkeit diesen traditionellen Sportvereinen nun die rechtliche Sicherheit gibt, eSport in ihr Programm aufzunehmen.
„Mit dem Inkrafttreten der Gemeinnützigkeit beginnt die eigentliche Arbeit.“ ()
Damit diese Chancen auch genutzt werden können, braucht es Aufklärung und Begleitung. Viele Vereine stehen vor ganz praktischen Fragen: Wie muss eine Satzung gestaltet sein? Welche Tätigkeiten sind begünstigt? Wie läuft die Anerkennung durch die Finanzämter ab? Diese Fragen lassen sich nicht mal eben nebenbei klären.
Die nächsten Schritte ab 2026
Mit dem Inkrafttreten der Gemeinnützigkeit beginnt die eigentliche Arbeit. Eine unserer zentralen Aufgaben beim E-Sport-Bund Deutschland e.V. (ESBD) wird es sein, Vereine bundesweit über die Umsetzung zu informieren. Leitfäden, Schulungen und Beratungsangebote werden entscheidend sein, um einen reibungslosen Übergang zu ermöglichen.
Ebenso wichtig ist der Austausch zwischen Vereinen. Die Vielfalt im eSport ist groß - von kleinen lokalen Initiativen bis hin zu umfangreicheren Strukturen. Erfahrungen aus der Praxis müssen geteilt werden, damit gute Lösungen sichtbar werden und Fehler nicht mehrfach gemacht werden.
Auch der Dialog mit Politik und Verwaltung bleibt zentral. Gemeinnützigkeit entfaltet ihre Wirkung nur dann, wenn sie einheitlich verstanden und praxisnah angewendet wird. Dabei braucht es Offenheit auf allen Seiten und den Willen, gemeinsam Lösungen zu entwickeln.
Ein Anfang mit Perspektive
Die Gemeinnützigkeit ist kein Endpunkt, sondern ein Startschuss. Sie schafft die Grundlage dafür, dass sich der eSport in Deutschland langfristig weiterentwickeln kann. Strukturell, gesellschaftlich und im Ehrenamt.
2026 markiert den Beginn eines neuen Kapitels. Eines, in dem der eSport nicht mehr erklären muss, warum er Teil des Vereinswesens ist. Sondern sich darauf konzentrieren kann, seine Stärken auszuspielen.
Das gilt es natürlich erst mal zu feiern. Mein Dank geht insbesondere an alle, die uns in diesem Vorhaben in den letzten Jahren tatkräftig unterstützt haben. Im neuen Jahr geht es dann darum, weiterhin Verantwortung zu übernehmen, Strukturen zu festigen und gemeinsam zu zeigen, welchen Beitrag der eSport für unsere Gesellschaft leisten kann.