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"eSport ist ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft"

kicker

Immer wieder im Koalitionsvertrag, immer wieder versprochen, immer wieder aufgeschoben: Die Debatte um eine Anerkennung des eSports als gemeinnützig zog sich in den letzten Jahren wie ein Kaugummi - und scheint nun endlich beendet. Am Donnerstag gab der Bundestag seine Zustimmung, die Bestätigung des Bundesrats scheint Formsache. Ein historischer Schritt, den der Geschäftsführer des Branchenverbands game, Felix Falk, für uns im Interview einordnet:

Es war ein langer Weg bis zu dieser Entscheidung. Was waren die Hindernisse, die es zu überwinden galt und was hat am Ende den Durchbruch ermöglicht?

Seit der ersten Ankündigung, eSport-Vereine gemeinnützig stellen zu wollen, sind tatsächlich viele Jahre vergangen. Zum ersten Mal stand das Ziel 2018 im Koalitionsvertrag der letzten Merkel-Regierung - damals vorangetrieben vor allem von den digitalpolitisch Engagierten. In der Sportwelt führte das zur Überraschung und dann schnell zu Skepsis.

Später in der Ampelkoalition war man sich eigentlich einig. Das Projekt scheiterte aber daran, dass einige Koalitionspartner eine umfassende Reform der Gemeinnützigkeit - etwa auch für den Journalismus - zur Bedingung machten. Weil es dazu keine Einigung gab und dann die Koalition zerbrach, fiel auch der eSport wieder heraus.

Umso mehr freue ich mich, dass die aktuelle Regierung dieses lange gegebene politische Versprechen nun endlich einlöst, und zwar gleich jetzt am Anfang. Eine wichtige Rolle haben dabei Bundesforschungsministerin Dorothee Bär und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil gespielt, die sich sehr gut mit Games auskennen und schon lange die Potenziale sehen.

„Die Gemeinnützigkeit für eSport-Vereine ist vor allem ein starkes Signal der Anerkennung für die eSport-Community.“ (Felix Falk)

Welche politischen Schritte müssen jetzt folgen, damit die Gemeinnützigkeit nicht nur auf dem Papier existiert, sondern nachhaltig wirkt?

Nach Zustimmung von Bundestag und Bundesrat tritt die Gemeinnützigkeit für eSport-Vereine am 1. Januar 2026 in Kraft. Danach können sich lokale Vereine direkt um ihre Anerkennung bemühen - oder bestehende gemeinnützige Sportvereine eSport anbieten, ohne befürchten zu müssen, ihre Steuerprivilegien zu verlieren.

Was bedeutet die Anerkennung der Gemeinnützigkeit konkret für die Games- und eSport-Branche, die Sie vertreten - etwa steuerlich, strukturell oder strategisch?

Die Gemeinnützigkeit für eSport-Vereine ist vor allem ein starkes Signal der Anerkennung für die eSport-Community. Sie zeigt: eSport ist ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft und vermittelt Werte wie Teamwork, Fairplay und Gemeinsinn. Es ist also auch eine wichtige gesellschaftspolitische Einladung an diese Community, Teil des Vereinswesens und der darin gelebten Werte zu werden.

Für Unternehmen hat die Entscheidung keine und für den professionellen eSport nur mittelbare Effekte - etwa wenn mehr gut ausgebildete Talente aus der Jugendarbeit der lokalen Vereine in den Profisektor nachrücken. Hier hilft die Förderung von eSport-Talenten, wenn zum Beispiel auf internationaler Ebene die besten Nationalmannschaften gegeneinander antreten. Da sollten wir als Deutschland deutlich stärker vertreten sein. Die Gemeinnützigkeit von Vereinen mit eSport-Angebot schafft dafür eine wichtige Grundlage.

Viele eSport-Vereine kämpfen mit Nachwuchsarbeit, Räumen, Finanzierung. Welche unmittelbaren Vorteile bringt ihnen der neue Status und was ändert sich für kleine, ehrenamtlich geführte Klubs wirklich? Was haben einzelne Gamer davon? Wird die Gemeinnützigkeit für Spieler zu Hause überhaupt spürbar, oder bleibt der Effekt auf Verbandsebene hängen?

Die Gemeinnützigkeit senkt nicht nur die Steuerlast der Vereine, sondern eröffnet durch absetzbare Spenden auch neue Einnahmequellen. Das stärkt die lokalen eSport-Strukturen dauerhaft und schafft zusätzliche Angebote. Profitieren können dabei auch klassische Sportvereine: Sie können nun rechtssicher eSport anbieten, ohne ihren Gemeinnützigkeitsstatus zu riskieren. Das hilft bei der Gewinnung neuer Mitglieder und stärkt vor allem die Kinder- und Jugendarbeit.

„Ich glaube, dass genau diese Freiheit auf Grundlage klarer Regeln der richtige Weg ist.“ (Felix Falk)

Auch Kommunen oder Bundesländer können dann die Vereine unterstützen, indem beispielsweise öffentliche Orte mitgenutzt werden dürfen. Das ist ohne den Status der Gemeinnützigkeit oft nicht möglich.

Im Zuge der anhaltenden Debatte wurde lange darum gerungen, ob Shooter von der Gemeinnützigkeit ein- oder ausgeschlossen werden. Nischen jenseits von Videospielen - etwa Excel-eSport - fallen zudem ob der gewählten Definition von eSport durch das Raster. Sind Sie mit dieser Form der Gemeinnützigkeit zufrieden?

Die jetzt gefundene Lösung ist sinnvoll. Zum einen wird die jeweilige Autonomie von eSport und klassischem Sport gewahrt. Das ist wichtig, denn auch wenn es viele Parallelen gibt, so bleiben beide Bereiche eben doch auch sehr unterschiedlich.

Zum anderen bestätigt die Regelung jetzt die hohen Jugendschutzstandards, die es in Deutschland insbesondere mit den Alterskennzeichen der USK schon heute gibt. Auch in anderen Vereinen sind nicht alle Angebote für alle Altersgruppen gedacht, beispielsweise beim Bogenschießen oder Boxen.

Selbstverständlich müssen diese Vereine die geltenden Jugendschutzregelungen vor Ort befolgen und dürfen beim eSport zukünftig selbst entscheiden, welche Games sie in ihre Arbeit einbeziehen wollen und welche nicht. Ich glaube, dass genau diese Freiheit auf Grundlage klarer Regeln der richtige Weg ist.