Die meisten Fußballfans denken bei "GOATS" wahrscheinlich an Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo. Overwatch-2-Spielern hingegen läuft es kalt den Rücken runter: Mit drei Supportern und drei Tanks war die "GOATS"-Komposition dafür berüchtigt, dass HP-Leisten immer voll blieben - und das Balancing-Team von Blizzard keine Lösungen fand.
"Wir hatten große Schwierigkeiten mit einer Antwort, weil das auf einem normalen Level nicht wirklich gespielt wurde", sagt Aaron Keller im Gespräch mit kicker eSport. Der US-Amerikaner arbeitet seit 2003 bei Blizzard - erst für World of Warcraft, später an den Hero-Shootern Overwatch und Overwatch 2. Seit 2021 ist er Game Director.
Keller kommt gut an: In der Community gilt er als nahbar, kompetent und fast schon als Kultfigur. Dabei beschreibt er sich selbst ganz anders: "Ich bin eigentlich eine recht schüchterne Person - ich bin introvertiert. Aber ich liebe dieses Spiel und ich liebe Fans des Spiels. Deshalb rede ich sehr gerne mit ihnen darüber, wenn sie nach Shows zu mir kommen." Oft geht es natürlich ums Balancing.
Meta aus dem Blizzard-HQ
Für Keller steht an erster Stelle immer das Spielgefühl. "Wir wollen, dass die Spielerfahrung von Overwatch 2 die beste der Branche ist. In dem Moment, in dem du ins Spiel gehst, soll es sich so makellos und klar wie möglich anfühlen", sagt er. Dazu gehöre auch die "Lesbarkeit" - also, dass in jeder Szene auf den ersten Blick deutlich wird, was gerade passiert.
Damit das klappt, wird in den Blizzard-Büros täglich getestet. "Unsere Abteilungen spielen jeden Tag zusammen, das gehört zur Kultur des Teams", erklärt Keller. "In unserer Chats werden ständig neue Playtests angekündigt. Und Leute aus verschiedenen Abteilungen spielen dann zusammen."
Einerseits werden so neue Helden, Karten oder Modi ausgiebig geprüft, bevor sie veröffentlicht werden. Andererseits wird auch das Balancing von älteren Aspekten des Spiels von diesen Tests beeinflusst.
Dazu komme ein erstklassiges Quality-Assurance-Department, sagt Keller: "Das sind einige der besten Spieler überhaupt, ihr Feedback ist unersetzlich." Sie erproben die Helden in kompetitiven Settings, wie es dann auch in den höchsten Rängen der Rangliste oder sogar im Profi-Bereich passieren soll.
Was hat der eSport damit zu tun?
Denn der professionelle eSport nimmt heute direkter Einfluss denn je. Seit dem Ende der Overwatch League ist die neue Struktur, die Overwatch Champion Series eng mit der Entwicklung verzahnt. "Die gesamte eSport-Abteilung ist zu einem Teil des Entwicklungsteams geworden. Wir haben jetzt viel bessere Kommunikationswege und eine gemeinsame Ausrichtung. Ich spreche wöchentlich mit unserem eSport-Leiter Sean Miller. Unsere Zusammenarbeit funktioniert besser als jemals zuvor", sagt Keller.
So können Probleme wie die "GOATS"-Meta in Zukunft besser angegangen werden. Es gibt auch andere Beispiele für eSportler, die die Arbeit des Balancing-Teams beeinflusst haben: "Ich erinnere mich an eine unserer ersten Weltmeisterschaften. Da war ein Winston-Spieler, der irgendwie auf ein Schild über eine Tür gekommen ist. Als ich das gesehen habe, dachte ich mir: Oh mein Gott, das müssen wir fixen, sobald wir zurück im Büro sind."