Wer geboren wurde, als die Bundesregierung dem eSport im Koalitionsvertrag erstmals die Gemeinnützigkeit zusagte, besucht heute schon die Grundschule. Seit 2018 wartete die Branche darauf, dass die Politik das immer wieder gegebene Versprechen einhält - damals war Angela Merkel noch Kanzlerin. Das siebenjährige Versäumnis hat ein Ende.
Wie schon der Bundestag hat auch der Bundesrat am Freitag die Gemeinnützigkeit für eSport-Vereine mit der Verabschiedung des Steueränderungsgesetzes beschlossen. Trotz der im Vorfeld bereits sehr guten Aussichten hatte die Szene bis zuletzt kleinere Restzweifel gehegt - darf sich aber über ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk freuen. Nicht nur für den eSport im engeren Sinne.
69 Prozent: Die Entscheidung sei zeitgemäß
Laut einer repräsentativen Umfrage des Videospiel-Branchenverbands game in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsunternehmen YouGov sagen 69 Prozent der Deutschen, dass die Anerkennung der Gemeinnützigkeit von eSport zeitgemäß sei.
51 Prozent der Eltern von Kindern unter 18 Jahren geben demnach auch an, dass sie sich vorstellen können, ihr Kind bei einem eSport-Verein anzumelden. Insofern ihnen dort der richtige Umgang mit digitalen Medien vermittelt würde.
"Wichtiger Impuls" für Breitensportvereine
"Endlich kommt die lange angekündigte Gemeinnützigkeit von Vereinen im eSport", sagt game-Geschäftsführer Felix Falk in einer Pressemitteilung. "Diese gesellschaftspolitische Anerkennung stärkt ehrenamtliches Engagement in Deutschland."
Darüber hinaus bringe sie "einen wichtigen Impuls für die vielen Breitensportvereine in Deutschland, die nun eSport-Angebote aufbauen können, ohne Angst haben zu müssen, ihre Gemeinnützigkeit zu verlieren. Hier wird einmal mehr deutlich, welche gesellschaftlichen Potenziale in Games stecken - wenn die politischen Rahmenbedingungen stimmen."
"Historischer Schritt" und "Meilenstein"
"Mit der Gemeinnützigkeit ab 2026 macht der deutsche eSport einen historischen Schritt: Unsere Vereine bekommen endlich dieselbe Anerkennung und Rechtssicherheit wie traditionelle Sportvereine", sagt ESBD-Präsident Christopher Flato. "Das heißt: Mehr Förderung für Jugendarbeit, stabile Vereinsstrukturen und echte Chancen für nachhaltige Nachwuchsförderung."
Der Bundestagsabgeordnete Joachim Ebmeyer empfindet den Beschluss als "Meilenstein für Hunderttausende Spielerinnen und Spieler, Trainerinnen und Trainer sowie die vielen Vereine in Deutschland, die seit Jahren professionell, ehrenamtlich und verantwortungsvoll arbeiten."
Die Anerkennung der Gemeinnützigkeit des eSports gilt schon ab dem 1. Januar 2026.