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Politisch salonfähig, beruflich verdächtig: Schaden Gaming und eSport im Lebenslauf?

kicker

Mit der Entscheidung des Bundesrats ist es beschlossene Sache: Ab 2026 gelten eSport-Vereine als gemeinnützig. Steuerliche Vorteile, neue Fördermöglichkeiten und die rechtliche Gleichstellung mit traditionellen Sportarten sind die Folgen.

Für den E-Sport-Bund Deutschland (ESBD) ist dieser Schritt mehr als ein formaler Akt. Die ehrenamtlichen Strukturen werden gestärkt, weil Vereine nun auf Augenhöhe mit klassischen Sport- und Jugendvereinen agieren können, glaubt ESBD-Vizepräsident Christopher Flato. Die Anerkennung könnte auch dabei helfen, alte Vorurteile abzubauen.

Zwischen Klischee und Kompetenz

Im Arbeitsalltag stehen viele Personaler dem Hobby Gaming weiterhin kritisch gegenüber. Auch als Berufskompetenzen werden eSport-Erfahrungen eher weniger anerkannt. Das zeigt eine Online-Umfrage von E Wie Einfach E-Sports unter 503 Personalverantwortlichen aus unterschiedlichsten Unternehmen. Alte Vorurteile prägen trotz politischer Aufwertung das Denken.

Zwar verbinden über 60 Prozent der Befragten Gaming mit strategischem Denkvermögen, noch mehr schreiben Bewerbern eine hohe Technikaffinität zu. Gleichzeitig gelten Gamer jedoch weiterhin als ungesund und werden mit Eigenschaften wie geringer Sozialkompetenz und mangelnder Teamfähigkeit in Verbindung gebracht.

Für Flato ist diese Wahrnehmung längst überholt. "Sie basiert weniger auf Erfahrung als auf veralteten Bildern", sagt er. Aktuelle Studien, die er kenne, sprächen eher vom Gegenteil. Im Umfeld des ESBD gebe es sogar Unternehmen, die sich gezielt auf die Schnittmenge zwischen HR, Talentförderung und eSport spezialisiert haben - mit eigenen Programmen, Scouting-Maßnahmen und Ligen.

Wer Gaming pauschal negativ bewerte, übersehe, "wie komplex, sozial und leistungsorientiert viele Spiele heute sind. Insbesondere im kompetitiven Umfeld."

Teamfähig, belastbar, lernbereit

Speziell der Vorwurf mangelnder Sozialkompetenz ist widerlegt. Bereits 2019 stellte Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln dar, dass Teamfähigkeit und Kommunikation in Spielen wie League of Legends essenziell sind. Ohne klare Absprachen, Führung und Rollenverständnis läuft dort wenig. Gamer seien aus diesem Grund sogar die besseren Arbeitnehmer.

Auch körperlich passt das Bild vom unsportlichen Gamer längst nicht mehr zur Realität. Laut einer weiteren Studie von Froböse aus dem Jahr 2020 erfüllten 80 Prozent der befragten eSportler die Aktivitätsvorgaben der Weltgesundheitsorganisation WHO. Warum also halten sich die Vorbehalte so hartnäckig?

GG - Generationsfrage Gaming

Die Studie von E Wie Einfach E-Sports zeigt, dass die Bewertung von Gaming im Lebenslauf stark von Alter und Firmenumfang abhängt. Großunternehmen bewerten Gaming deutlich häufiger positiv (36 Prozent) als kleine Betriebe mit bis zu zehn Mitarbeitenden (15 Prozent).

Besonders aufgeschlossen zeigt sich die Altersgruppe der 25- bis 35-Jährigen. Am anderen Ende der Skala stehen die 56- bis 65-Jährigen: in dieser Kategorie empfinden 60 Prozent die Angabe des Hobbys als leicht bis stark negativ.

"Die angesprochene Skepsis zeigt vor allem, dass es hier noch eine Wissens- und Erfahrungslücke gibt, nicht ein reales Defizit bei Gamerinnen und Gamern", so Flato. Wer eSportler pauschal aussortiere, verzichte auf leistungsorientierte und lernbereite Talente, die besonders gut in dynamische, digitale und projektgetriebene Arbeitsumfelder passen.

Am Ende steht die Bilanz, dass Gaming wohl weiterhin ein Risiko für Bewerbungen bleibt. Beim kleinen Betrieb mit traditioneller Führungsebene ist Zurückhaltung im Umgang mit dem Hobby ratsam. In großen, digitalisierten Unternehmen kann eSport-Erfahrung dagegen genau die gefragten Kompetenzen sichtbar machen.