Weit muss man nicht scrollen, um unter dem offiziellen X-Post zum TOTY-Voting den ersten Kommentar zu finden, der Achraf Hakimi vermisst. Viele Fans zeigten sich am Mittwochabend irritiert, manche gar verärgert über die Abwesenheit des PSG-Profis. Aus sportlicher Sicht völlig nachvollziehbar.
Mit den Parisern gewann Hakimi 2025 den französischen Pokal sowie Superpokal, die Meisterschaft in der Ligue 1 und die Champions League. Später wurde der frühere Dortmunder noch als Afrikas Fußballer des Jahres ausgezeichnet und belegte bei der Ballon d'Or-Wahl den sechsten Platz.
In der Königsklasse steuerte der 27-Jährige vier Tore und fünf Vorlagen zum Titelgewinn bei - in der Liga waren es vier Treffer und acht Assists. Nicht wenige Experten halten Hakimi für den derzeit besten Rechtsverteidiger der Welt. EA SPORTS führt ihn nicht mal unter den 89 TOTY-Anwärtern.
Sportliche Geringschätzung oder Fehler?
In den sozialen Netzwerken witterten zahlreiche Nutzer nach Bekanntwerden des Nominierten-Pools der Männer einen Skandal. Schätzt der Entwickler die fußballerischen Leistungen Hakimis im vergangenen Jahr wirklich so gering? Oder hat EA SPORTS den Marokkaner schlicht vergessen?
Eher unwahrscheinlich, schließlich handelt es sich beim TOTY um eine der wichtigsten Kampagnen im FUT-Jahr von EA SPORTS. Und bei Hakimi um einen Profi, der übrigens mit seiner enormen Geschwindigkeit auch perfekt in die Meta von FC 26 passt. Warum also bleibt der Pariser außen vor?
Wegen der Vorwürfe? Bruch nach FIFA 23
Beim Blick auf Hakimis FUT-Historie fällt auf: Für einen Spieler seiner Qualität erhält er seit FIFA 23 kaum Spezialkarten. Eine einzige in den drei darauffolgenden Ablegern, um genau zu sein. Schon in FC 24 und FC 25 war er trotz guter Leistungen nicht im TOTY-Voting vertreten gewesen.
Ganz anders in den beiden Spielen zuvor: Sowohl in FIFA 22 als auch in FIFA 23 war Hakimi sogar im finalen Team of the Year. Was zwischen TOTY-Doppelpack und Ausbootung passiert ist? Schwerwiegende Vorwürfe sind gegen den PSG-Profi erhoben worden.
Im Februar 2023 hatte eine Frau ihn der Vergewaltigung beschuldigt. Die Staatsanwaltschaft in Nanterre beantragte eine Anklage - Hakimi droht ein Prozess. Der Fußballer bestreitet sämtliche Vorwürfe, sein Verein sprach ihm Unterstützung aus.
Greenwood ebenfalls nicht nominiert
Schenkt EA SPORTS dem Rechtsverteidiger aus moralischen Gründen seit FIFA 23 so gut wie keine virtuelle Aufmerksamkeit mehr? Oder um in der öffentlichen Wahrnehmung ein paar Pluspunkte zu sammeln? Diese Theorien legt ein ähnlicher Fall zumindest nahe.
Auch Mason Greenwood kann aktuell nicht ins TOTY gewählt werden. Dabei trafen unter allen Profis der europäischen Top-5-Ligen nur Kylian Mbappé, Harry Kane und Erling Haaland 2025 öfter in ihrer heimischen Spielklasse. Sportlich hätte Greenwood die Aufnahme ins Voting verdient.
Gegen den Engländer wurde einst wegen mutmaßlicher Körperverletzung und Vergewaltigung ermittelt. Manchester United suspendierte den Angreifer, auch aus FIFA 22 flog Greenwood damals. Anfang 2023 wurde die Anklage fallen gelassen, er kehrte in FC 24 digital zurück.
Für das TOTY kommt er bei EA SPORTS wie Hakimi vorerst aber wohl nicht infrage.
Hakimis TOTS-Ärger in FIFA 21
Im Internet kursierten am Mittwochabend auch Thesen über eine ältere Fehde zwischen dem Entwickler und Hakimi. Tatsächlich hatte der Marokkaner 2021 öffentlich kritisiert, nicht ins Team of the Season (TOTS) der italienischen Serie A gekommen zu sein.
"Was für ein Witz! Wenn ihr etwas gegen mich habt, sagt es mir", hatte der damalige Profi von Inter Mailand auf Twitter geschrieben. Dass EA SPORTS ihm das aber wohl nicht allzu krumm nahm, darauf deuten seine TOTY-Karten in den nächsten beiden Titeln hin.