Die Tragweite dessen, was Ubisoft am Mittwochabend verkündet hat, ist dem französischen Unternehmen absolut bewusst. Als "radikalen Schritt" erkennt der Videospiel-Gigant die internen Maßnahmen an. Nicht zuletzt weil sechs Spiele eingestellt und mehrere Studios geschlossen oder umstrukturiert werden.
Zu den abgesagten Titeln zählt das Remake von Prince of Persia: The Sands of Time, das im Frühling erscheinen sollte. Ebenfalls betroffen: Vier noch nicht öffentlich angekündigte Spiele - darunter drei neue IPs und ein Mobile-Game. Geschlossen wurde Anfang Januar bereits das Halifax Mobile Studio, das Stockholmer Studio soll folgen. Umstrukturiert werden Abu Dhabi, RedLynx und Massive. Doch warum die vielen Kürzungen?
"Kreativhäuser" als struktureller Lösungsansatz
Ubisoft will sich fortan auf Open-World-Abenteuer und "GaaS-native Erfahrungen" fokussieren. Letzteres steht für "Games as a Service" - Spiele, die durch fortlaufende Content-Updates kontinuierlich bei der Stange halten sollen. Dorthin fließen auch einige der frei gewordenen Ressourcen: Sieben Titel, die diesen Kriterien entsprechen, erhalten zusätzliche Entwicklungszeit.
Organisiert wird die Arbeit an derlei Spielen fortan in fünf "Kreativhäusern", die jeweils für eine eigene Kategorie zuständig sind. Vantage Studios kümmert sich als Kreativhaus 1 beispielsweise um die großen Franchises Assassin's Creed, Far Cry und Rainbow Six. Kreativhaus 3 beschäftigt sich derweil mit Live-Titeln, Kreativhaus 5 mit familienfreundlichen Games.
Die Kreativhäuser verfügen laut Ubisoft über "vollständige Verantwortung und finanzielle Autonomie". Zudem sollen sie Produktion sowie Vertrieb zusammenfassen und so die Beziehung zur Spielerschaft vereinheitlichen.
Aktie fällt binnen kürzester Zeit um fast 35 Prozent
Das Unternehmen erhofft sich langfristig ein "nachhaltiges Wachstum" und die Rückeroberung der "kreativen Führungsrolle" innerhalb der Branche. Zudem gehe es darum, massiv Kosten zu senken. Ubisoft sei auch klar, dass der "radikale Schritt" sich in näherer Zukunft erst mal negativ auf Zahlen und Finanzen auswirken könnte.
So kam es dann am frühen Donnerstag auch: Seit Börsenstart um 9 Uhr ist die Aktie um fast 35 Prozent gefallen. Ubisofts Börsenwert sank innerhalb einiger Stunden von über 900 auf weniger als 600 Millionen Euro. Zur Einordnung: Vor fünf Jahren war die Videospiel-Firma noch mehr als zehn Milliarden Euro wert. Der freie Fall setzt sich fort.
Verheerende Prognose für das laufende Geschäftsjahr
Was aktuell aber nicht nur an der verkündeten Umstrukturierung liegt, sondern auch an den neuesten finanziellen Erkenntnissen: Hatte Ubisoft sich zuletzt noch positiv gestimmt präsentiert, haben sich die Vorzeichen nun gedreht. Für das laufende Geschäftsjahr wurde am Mittwochabend ein operativer Verlust von rund einer Milliarde Euro prognostiziert.
Die sechs eingestellten Spiele reißen ein Loch in die monetären Planungen, das auf Dauer aber geflickt werden soll. Einerseits durch den Strategiewandel und die Einsparmaßnahmen, andererseits durch den bevorstehenden Tencent-Deal, der zumindest die Schulden tilgen soll.