Vor weit über einem Monat hatte EA SPORTS erneut versucht, den Volley-Glitch in FC 26 zu patchen. Beim FC Pro Open Cup im Dezember avancierte er aber wieder zum Hauptdarsteller - zumindest beim Blick in die sozialen Netzwerke. Die Feeds und Kommentarspalten waren am Wochenende voll von Diskussionen, Sticheleien und Schuldzuweisungen.
Der Volley-Glitch ist ein Spielfehler: Der Ball wird per Rainbow Flick in die Luft gehoben und dann mit einem Bicycle Kick aus spektakulären Entfernungen und Winkeln zuverlässig ins Tor befördert. Zu verteidigen ist das in den meisten Situationen kaum. Dass auch EA SPORTS die Aktion nicht als legitimen Teil des Spiels versteht, belegt besagter Fix-Versuch.
Stokes, Pombo und das Rattenrudel
Zu beobachten war der Volley-Glitch respektive dessen Nutzung im FC Pro Open Cup unzählige Male. Was bei eSportlern, die auf diese ungewollte Mechanik verzichteten, teils zu erhitzten Gemütern führte. Besonders deutlich wurde der englische Profi Tom Stokes nach seiner Swiss-Niederlage gegen den Portugiesen Diogo Pombo.
Stokes bezeichnete 'Tuga' auf X als "Glitcher" und versah seinen Post mit einem GIF, das ein Rudel Ratten zeigte. In den Kommentaren legte er sich anschließend mit jedem an, der Pombos Verhalten verteidigte oder auch nur relativierte. 'Tuga' selbst schoss wenig später ebenfalls auf X zurück: "EA SPORTS hat es erlaubt, ich habe es genutzt."
Der Spieler von Betclic Apogee Esports fügte hinzu: "Weniger Tweets, mehr Training... vielleicht ist es aber auch Zeit für dein Karriereende." In Anspielung darauf, dass Stokes inzwischen 31 Jahre alt ist und seinen sportlichen Zenit bereits überschritten hat. Die Fronten verhärteten sich im Verlauf des Wochenendes immer weiter.
RBLZ sticheln gegen Portugiesen
Auch Donovan Hunt von RBLZ Gaming sah sich im Achtelfinale einem Portugiesen gegenüber - Tiago Pires nutzte ebenfalls den Volley-Bug. Was der X-Account der Leipziger eSport-Abteilung nach der 'Tekkz'-Pleite im Elfmeterschießen sarkastisch kritisierte: "Portugiesische Spieler waren echte 'Gentlemen' an diesem Wochenende."
Pires selbst berief sich in seiner Reaktion darauf, dass das Verwenden zu starker oder kaputter Mechaniken in FIFA und FC schon Tradition habe - und sich früher niemand derart laustark beschwerte. Zustimmung erhielt 'Darkley' unter anderem von Content Creator 'Jake', der keinen Unterschied zur Nutzung des Anstoß-Bugs ausmachte.
"Jeder Profi nutzt jede einzelne Meta-Mechanik oder -Taktik aus, um einen möglichen Vorteil zu erhalten", schrieb der FUT-Influencer: "Es liegt allein an EA SPORTS, dieses Problem zu beheben." Eine durchaus verständliche Haltung, schließlich ging es beim FC Pro Open Dezember Cup je nach Platzierung um mehrere Tausende Euro.
EA SPORTS überlässt die Szene sich selbst
Weswegen es in den Augen der meisten Fans und Experten die Aufgabe von EA SPORTS wäre, entweder einen passenden Fix vorzunehmen oder die Verwendung des Volley-Bugs unter Strafe zu stellen. Einen Präzedenzfall gibt es: In FC 24 hatte der Publisher und eSport-Organisator die Fünferkette in vielen Wettbewerben verboten.
Alternativ könnte der Entwickler den Rainbow Flick aus dem Spiel nehmen, um schon die Entstehung zu unterbinden. Und sei es nur temporär, bis eine dauerhafte Lösung für die Kombination zum Bug gefunden ist. EA SPORTS wählte jedoch keine der beiden Optionen - und überließ die Spieler und ihren aufgestauten Frust damit sich selbst.
„Es ist richtig krank, dass EA SPORTS das offiziell nicht verbietet.“ (Furkan Kayacik über den Volley-Glitch)
"Wenn das eSport ist, dann will ich kein eSportler sein", sagte Profi Furkan Kayacik vom FC Bayern München in einem Instagram-Video: "Es ist richtig krank, dass EA SPORTS das offiziell nicht verbietet. Dass es diesen Bug gibt, ist die eine Sache. Aber dass sie ihn nicht mal bei offiziellen Turnieren ausschließen, ist völlig absurd."
Das Studio aus Vancouver ist für die faire und sportlich integre Durchführung seiner eigenen Turniere verantwortlich. Dem Auftrag, der sich dadurch ergibt, kommt EA SPORTS aktuell nicht nach - wodurch die eSport-Szene gespalten wird. Und sich der Fokus von den FC-26-Glanzleistungen hin zu öffentlichen Streitereien verschiebt.
'Nassada' schon wieder Zweiter
Denn fantastische Performances auf dem virtuellen Rasen gab es am Wochenende auch - die bekamen nur weniger Aufmerksamkeit. In der Region Europa Ost setzte sich der Italiener Raffaele Cacciapuoti im Finale gegen Nassim Dahman durch.
Der Freiburger 'Nassada' wurde im Rahmen der FC Pro Open Cups zum zweiten Mal in Folge Zweiter. Nur zwei Tage, nachdem er auch bei Showdown 3 der VBL Club Championship mit dem SC eine Finalpleite erlitten hatte.
In Europa West triumphierte der Argentinier Matias Bonanno: Der eSportler von Manchester City bezwang im Finale den Vize-eEuropameister Emre Yilmaz. Die Region Lateinamerika Süd gewann überraschend der Brasilianer Matheus Henrique. RBLZ-Profi Guilherme Barros musste derweil schon im Achtelfinale gegen 'PHzin' die Segel streichen.