Eines gleich vorweg: Wer eine große Videospielreihe à la EA SPORTS FC oder NBA 2K erwartet, wird enttäuscht. Der virtuelle Handball fliegt im Gegensatz zu anderen großen Ballsportarten unter dem Radar. Was nicht bedeutet, dass es gar keine Möglichkeiten gibt, die digitale Halle zu erleben.
Die neueste Simulation wurde Ende 2020 von Bigben Interactive und Nacon in Zusammenarbeit mit Entwickler Eko Software veröffentlicht: Handball 21. Das Lizenzpaket umfasst acht europäische Spielklassen - darunter die Handball-Bundesliga und die zweite deutsche Liga - sowie 131 Mannschaften. Was fehlt, sind jedoch Nationalmannschaften. Eine Europameisterschaft kann folglich nicht nachgestellt werden.
Der Titel bietet dafür verschiedene Modi. "Schnelles Spiel" ist das Pendant zum Anstoßmodus in FC 26, die Partien können auch in der Online-Umgebung ausgetragen werden. Im "Liga"-Modus werden THW Kiel, SC Magdeburg & Co. über die Saison hinweg in der jeweiligen Liga gespielt. Die Aufgabe in "Solo" wiederum ist es, eine eigene Mannschaft zusammenzustellen und sie aus der Drittklassigkeit nach oben zu führen.
Verbesserte Abwehr und erhebliche Schwächen
Die Rahmenbedingungen sind folglich durchaus vielversprechend - Gameplay und Grafik haben allerdings schon damals keine guten Kritiken erhalten. Mit anderen Sport-Simulationen wie FC oder Madden NFL kann Handball 21 dahingehend nicht mithalten, was vor allem am deutlich geringeren Budget liegt. Vielerorts wurde sich an hölzernen Animationen und mangelnder atmosphärischer Kulisse gestört.
Gegenüber Vorgänger Handball 17 nahmen die meisten Fans dennoch signifikante Verbesserungen wahr. Gerade das manuelle Verteidigen galt in früheren Ablegern als Schwachpunkt, daran arbeitete der Entwickler. Am technischen Puls der Zeit lag Handball 21 bereits zum Release Ende 2020 nicht. Wer allerdings in möglichst modernem Setting zum virtuellen Kempa-Trick ansetzen will, kann dennoch zuschlagen.
Nationalteams - aber von vor zehn Jahren
Sechseinhalb Jahre vor Handball 21 hatten Nacon und Bigben Interactive eine Simulation in offizieller Partnerschaft mit der IHF, dem Weltverband, herausgebracht. IHF Handball Challenge 14 war der zweite und letzte Titel einer kurzen Serie, die 2011 mit IHF Handball Challenge 12 eröffnet worden war.
Großer Vorteil gegenüber Handball 21 sind die 20 lizenzierten Nationalmannschaften. Somit kann tatsächlich etwas mehr EM-Stimmung erzeugt werden. Obwohl die Kader personell natürlich weit von denen entfernt sind, die hierzulande um den Titel kämpfen. IHF Handball Challenge 14 bietet des Weiteren insgesamt 80 Teams aus den obersten Ligen unter anderem Deutschlands, Frankreichs und Spaniens.
Schnelle Spiele, der Kampf um die Meisterschaft und die Herausforderung, eigene Teams und Wettbewerbe zu kreieren - IHF Handball Challenge 14 hat diverse Modi und Spielformen zu bieten. Die Simulation schlägt sich allerdings mit ähnlichen Problemen herum wie Handball 21. Grafik und Gameplay waren schon 2014 keineswegs "State of the Art". Folglich fiel der Großteil der Tests damals auch eher mäßig aus. Nach heutigen Standards sollte gar nicht erst gemessen werden.
Handball fristet im Gaming ein Nischendasein, 2023 wurde kein relevanter Titel zur beliebten Sportart veröffentlicht. Die Optionen, an PC oder Konsole auf Torejagd zu gehen, sind demnach begrenzt. Wer unbedingt mit dem digitalen Adler auf der Brust gegen andere Länder antreten möchte, muss mit IHF Handball Challenge 14 über erhebliche Grafik- und Gameplay-Mängel hinwegsehen. Handball 21 ist neuer und sieht entsprechend auch besser aus - EM-Feeling kommt ohne Nationalteams aber wohl kaum auf.