Am Dienstagabend wartet eine schwierige Aufgabe auf den EV Zug. Im CHL-Viertelfinal-Rückspiel müssen die Zentralschweizer einen 1:3-Rückstand aufholen. Eine Aufgabe, die zunächst schwierig erscheint, aber definitiv machbar ist. Einen Vorteil haben die Zuger: den Heimvorteil. Ob dieser jedoch den nötigen Schwung verleiht, wird sich zeigen.
Die Defensivstärke von Lukko
Was im Hinspiel gegen die Finnen schnell auffiel, war ihre starke Defensive. Ganze 52 Schüsse feuerte der EV Zug ab, die Ausbeute blieb jedoch äusserst bescheiden: Nur ein Treffer gelang.
Ein ähnliches Bild zeigt sich auch in der finnischen Liiga. Dort stellt Lukko die zweitbeste Defensive der gesamten Liga. Bereits im Hinspiel blockten die Finnen 13 Schüsse, das heisst, dass sie sich auch im Rückspiel in jeden Abschluss werfen werden.
Einen entscheidenden Anteil daran hatte Goalie Antti Raanta. Der 36-Jährige überzeugte im Hinspiel mit einer unglaublichen Fangquote von 97 Prozent. Der Name dürfte einigen bekannt vorkommen, stand Raanta doch in der vergangenen Saison noch beim Geneve-Servette HC zwischen den Pfosten.
Raanta und sein "Lieblingswettbewerb"
Antti Raanta dürfte dem EV Zug am Dienstagabend mit Abstand am meisten Mühe bereiten. Doch seine Leistungen sind nicht immer so herausragend wie gegen die Zentralschweizer. Der Finne scheint zwei Gesichter zu haben: In der Liiga ist seine Fangquote solide, aber bei weitem nicht so überzeugend wie in der Champions Hockey League.
Vor allem in der finnischen Liiga teilt sich Raanta den Platz im Tor mit dem jungen Daniel Salonen. Seine Fangquote dort liegt bei 90,5 Prozent - solide, aber nicht aussergewöhnlich. Ganz anders präsentiert sich der 36-Jährige jedoch auf internationaler Bühne. In der CHL zeigt Raanta immer wieder absolute Klasseleistungen, als würde ihm dieser Wettbewerb besonders liegen.
Raanta ist in der CHL ein entscheidender Faktor für Lukko. In sechs von neun Spielen stand er bisher im Tor und jedes Mal ging Lukko als Sieger vom Eis. In den drei Partien, in denen sein junger Teamkollege zwischen den Pfosten stand, setzte es hingegen zwei Niederlagen ab. Auf den ersten Blick mag dies nur wie eine zufällige Statistik wirken, doch ein ähnliches Muster zeigte sich bereits in Raantas Zeit bei Geneve-Servette. In der National League kam er dort auf eine Fangquote von 90,2 Prozent. Kaum spielte er jedoch international mit den Grenats in der CHL, stieg dieser Wert auf beeindruckende 94,4 Prozent.
Die grosse Stärke des EVZ
Etwas, das das Team von Michael Liniger jedoch besonders auszeichnet, sind die Special Teams, eine klare Stärke der Zentralschweizer. In der National League stellt der EV Zug das zweitbeste Powerplay der Liga, was angesichts der grossen Namen im Kader wenig überrascht.
Diese Qualität zeigte sich auch im Hinspiel des CHL-Viertelfinals gegen Lukko: Das einzige Zuger Tor fiel im Powerplay. Doch auch im Penaltykilling präsentierte sich der EVZ in der laufenden CHL-Saison stark. Mit einer Erfolgsquote von über 89 Prozent funktioniert das Boxplay zuverlässig. Ein Eindruck, der im Hinspiel bestätigt wurde, als die Zuger beide Powerplays der Finnen schadlos überstanden.
Die grösste Waffe bleibt dennoch das Powerplay. Gegen Lukko, dessen Boxplay nicht zu den stärksten gehört, werden sich Chancen bieten. Diese wird der EV Zug im Rückspiel zwingend nutzen müssen.
Zu wenig Jungs, die "heiss laufen"
"Wir haben aktuell sicher zu wenig Jungs, die zu heiss laufen", sagte Michael Liniger nach dem 1:3 im Hinspiel gegenüber der Luzerner Zeitung. Ein Satz, der die Niederlage nur bedingt erklärt. Denn grundsätzlich warf der EV Zug vieles in die Waagschale: Der Zug zum Tor war da, die Schüsse kamen, Chancen waren vorhanden. Wirklich vorwerfen lassen mussten sich die Zuger nur einige defensive Fehler, die zu Gegentoren führten.
Und doch trifft Linigers Aussage den Kern der Situation. In Spielen, in denen man sich am Gegner die Zähne ausbeisst, braucht es oft einen Akteur, dem an diesem Abend alles gelingt, also einen Spieler, der "heiss läuft". Genau das fehlte dem EVZ im Hinspiel.
Entsprechend richten sich die Blicke nun auf die beiden Topscorer Dominik Kubalik und Gregory Hofmann. Von ihnen wird erwartet, dass sie den Unterschied ausmachen können. Allerdings bleibt zu hoffen, dass die beiden an ihre Leistungen im EVZ-Trikot anknüpfen und nicht an jene bei den Swiss Ice Hockey Games. Dort konnten sie nicht wirklich überzeugen, insbesondere Hofmann, der im letzten Spiel gegen Finnland nach einer unschönen Aktion mit einer Spieldauerdisziplinarstrafe vorzeitig unter die Dusche musste.