Beim EHC Kloten herrscht derzeit Ernüchterung. Nach 30 absolvierten Partien steckt das Team von Headcoach Lauri Marjamäki tief im Tabellenkeller fest und belegt den zweitletzten Rang, die Playouts rücken bedrohlich nahe. Von Aufbruchsstimmung oder Playoff-Träumen ist aktuell nichts zu sehen.
Dabei lohnt sich ein Blick zurück: Vor genau einem Jahr präsentierte sich die Lage in der Flughafenstadt noch deutlich rosiger. Mit 47 Punkten und sogar einem Spiel weniger rangierte Kloten auf dem starken fünften Platz und galt als eine der positiven Überraschungen der Liga. Der Absturz innerhalb von zwölf Monaten wirft Fragen auf: Was ist passiert?
Der grosse Umbruch im Sommer
Ein zentraler Faktor ist der grosse Umbruch im Kader, den die Verantwortlichen im vergangenen Sommer vollzogen haben. Zahlreiche Leistungsträger verliessen den Klub, neue Spieler mussten integriert werden, ein Prozess, der bislang nicht wie gewünscht aufgegangen ist. Die fehlende Konstanz, sowohl in den Linien als auch in den Resultaten, ist deutlich spürbar. Wir werfen einen Blick auf die Abgänge und Neuzugänge
Die verlorenen Leistungsträger
Ein sicherlich entscheidender Faktor für den in dieser Saison bislang nicht überzeugenden Auftritt der Klotener sind die zahlreichen Abgänge, die der Klub verkraften musste, insbesondere bei den Importspielern. Ein Blick auf die besten vier Scorer der vergangenen Saison verdeutlicht das Ausmass: Miro Aaltonen wechselte zu Bern, Niko Ojamäki zog es nach Tschechien, Sami Niku schloss sich Lausanne an und Daniel Audette verliess den Verein ebenfalls Richtung Tschechien. Sämtliche Leistungsträger sind weg und die entstandenen Lücken konnten bisher nicht geschlossen werden.
Gerade bei einem Spieler wie Niku zeigt sich aktuell eindrücklich, wie sehr sie einem Team helfen können. Niku schlug bei Lausanne sofort ein, übernimmt eine tragende Rolle und steht bereits bei sechs Toren und neun Assists.
Fünf neue Imports und junge Spieler
Zu Beginn der Saison sah es noch so aus, als hätte der EHC Kloten auf dem Transfermarkt ein glückliches Händchen bewiesen. Vor allem die beiden Finnen Robert Leino und Petteri Puhakka schlugen im Team sofort ein und sorgten früh für offensive Akzente. Mit Brandon Gignac aus der AHL, Lukas Klok vom SC Bern sowie Max Lindroth aus Finnland verstärkte der EHCK den Kader zusätzlich.
Neben den Imports setzte Kloten auch auf mehrere junge Spieler. Diese konnten bislang noch nicht restlos überzeugen, verfügen jedoch über Zeit und Entwicklungspotenzial. Zwar führen Leino und Puhakka die interne Scorerliste an, doch um den Abgang von gleich fünf Leistungsträgern zu verkraften, muss auch von den anderen Imports noch mehr kommen. Insbesondere der fast vollständige Austausch der Importspieler stellt das Team vor grosse Herausforderungen. Automatismen fehlen noch, das Zusammenspiel ist nicht immer stimmig und genau das macht sich im bisherigen Saisonverlauf bemerkbar.
Die Offensive als grosser Wundpunkt
Ein Blick auf die Tabelle offenbart das grösste Problem des EHC Kloten sofort. 62 Tore in 30 Spielen, ligaweit ist das, neben Schlusslicht Ajoie, der schwächste Wert. Zu wenig für ein Team, das den Anspruch hat, sich im Mittelfeld zu etablieren. Doch woran liegt das?
Natürlich spielt der nahezu komplette Austausch der Importspieler eine zentrale Rolle. Allerdings greift diese Erklärung zu kurz, denn auch bei den Schweizer Spielern gibt es klare Rückschritte. Ein Beispiel dafür ist Mischa Ramel. Beim 22-Jährigen geht es nicht darum, ihm bereits die volle Verantwortung aufzubürden, dafür ist er noch zu jung. Der Leistungsabfall ist dennoch augenfällig. In der vergangenen Saison überzeugte Ramel mit starken 27 Scorerpunkten und war damit der fünftbeste Scorer sowie bester Schweizer im Team. In der laufenden Spielzeit steht er nach 25 Einsätzen hingegen bei gerade einmal vier Punkten.
Die Abhängigkeit der Imports
Eine weitere Bilanz beim EHC Kloten ist beunruhigend und sie ist nicht neu. Auch in dieser Saison steht in den Top 5 der teaminternen Scorer lediglich ein Schweizer. Zwar ist dieses Bild auch bei anderen Teams zu beobachten, der entscheidende Unterschied liegt jedoch in der Produktivität: Dort liefern die Schweizer Spieler zumindest solide Punktzahlen ab. In Kloten hingegen bleibt der Ertrag überschaubar.
Herausragend ist einzig die Leistung von Dario Meyer. Der Stürmer kommt in 29 Spielen auf zehn Tore und vier Assists. Dahinter wird es jedoch schnell dünn. Keanu Derungs steht bei elf Scorerpunkten und Axel Simic bei neun. Simic wird den EHC Kloten bekanntlich Ende Jahr verlassen, was die ohnehin angespannte Situation weiter verschärft.
Ein Verjüngungsversuch ohne Durchschlag
Die Schweizer Neuzugänge im Sommer waren allesamt sehr jung, ein mutiger und langfristig nachvollziehbarer Schritt. Kurzfristig hat sich dieser Ansatz allerdings nicht ausbezahlt. Keiner der jungen Spieler konnte bislang nachhaltig überzeugen oder eine tragende Rolle übernehmen.
Natürlich gilt es zu berücksichtigen, dass diese Akteure Zeit brauchen. Doch gerade weil Kloten bereits in der Vorsaison stark von den Importspielern abhängig war, hätte es zusätzliche Verpflichtungen von Schweizer Leistungsträgern gebraucht. So bleibt die Offensive weiterhin stark auf die Imports ausgerichtet.
Lichtblick im Tor
Bei aller Kritik gibt es beim EHC Kloten auch Lichtblicke und einer davon findet sich auf der Goalie-Position. Nach dem angekündigten Abgang von Ludovic Waeber auf die kommende Saison hin drohte dort das nächste Sorgenkind. Mit Davide Fadani und Ewan Huet zeigten zwei junge Torhüter, dass sie bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Beide waren Zuzüge auf diese Saison hin, Transfers, die sich bislang klar ausbezahlt haben.
Bemerkenswert ist dabei auch die Geduld, die der Club bewies. Als Waeber verletzt ausfiel, verzichtete Kloten bewusst auf die Verpflichtung eines Import-Goalies und schenkte den jungen Goalies das Vertrauen. Eine Entscheidung, die sich bezahlt machte. Fadani und Huet nutzten ihre Chancen, sammelten wichtige Erfahrungen und sendeten ein positives Signal für die Zukunft.