Gaetan Haas, wie geht es dir?
Gut.
Bei dir ist diese Frage wichtiger als bei anderen Spielern, wenn man weiss, was letzte Saison gewesen war.
Genau, das ist so. Jetzt ist es eine gute Frage, letztes Jahr wäre es keine gute Frage gewesen. Es geht mir gut, ich bin froh, dass mein Leben wieder gut ist und ich überhaupt wieder Eishockeyspielen kann.
Ist deine Gesundheit wieder perfekt oder hast du noch Einschränkungen?
Perfekt wird meine Gesundheit nicht mehr sein. Es wird immer etwas in meinem Kopf sein, das viel Respekt hat. Die Gesundheit ist sehr gut und wichtig ist, dass die schlechten Gedanken nicht mehr da sind. Klar, wir spielen Eishockey und das Risiko ist immer da, aber das gilt für jeden. Ich weiss, dass ich mit meiner Vergangenheit einen kleineren Bonus habe als andere, aber, wie gesagt, ich bin gesund, ich habe mein Spiel und mein Niveau gefunden, von dem her bin ich glücklich.
Musstest du deinen Spielstil anpassen?
Ich glaube schon, ja. Es gibt sicher ein kleines Prozent, das ich angepasst habe, gerade beim Risiko. Ich nehme in meinem Spiel weniger Risiko als noch vor der Verletzung. Ich versuche mich noch mehr, immer in gute Positionen zu bringen. Zudem habe ich viel mit meinen Augen und an meiner Sicht gearbeitet. Entsprechend habe ich mich darin auch verbessert. Und ich bin einfach froh, dass ich da bin (lacht).
Machst du vor den Trainings und vor den Spielen zusätzlich Übungen für die Augen? Das kennt man ja vor allem von den Torhütern.
Ja, ich mache Augen- und Nackenübungen, um das System für alle Checks vorzubereiten, die wir kassieren. Es geht auch darum, dass die Augen bereit sind, alles sehr schnell wahrzunehmen. Dieses Programm habe ich aber nicht nur für die Spiele, sondern jeweils über eine ganze Woche. Das wurde zu einer Routine in meinem Leben.
Zum Anfang der Saison hast du in einem Interview mit MySports gesagt, dass du dich als Captain noch nicht so um die jungen Spieler kümmern kannst, weil du mehr Zeit für dich selbst in Anspruch nehmen musst. Hat sich das mittlerweile etwas geändert und du kannst die Captain-Rolle wieder etwas mehr wahrnehmen?
Ja, es hat seine Zeit gebraucht und am Ende muss jeder für sich schauen und ist ein Leader für sich selbst. Am Anfang musste ich mein Spiel und meinen Rhythmus wiederfinden. Es war nicht so, dass ich keine Zeit hatte für die jungen Spieler, sondern mehr, dass ich zuerst meine Leistungen bringen wollte, um dem Team zu helfen, bevor ich auf die anderen schaute. Nach zehn bis 15 Partien habe ich mein Spiel langsam gefunden und ich konnte die Captain-Rolle wieder mehr übernehmen. Am Ende muss aber gesagt werden, dass wir ein Captain-Team und viele Leader haben. Ich bin nicht alleine. Ich musste in den letzten Jahren auch lernen, dass ich auch delegieren kann und nicht alles alleine übernehmen muss.
„Es ist wirklich eine richtige Schweizer Nati und alle sind zufrieden, dass sie für die Schweiz spielen können.“ (Gaetan Haas)
Du sprichst von zehn bis 15 Spielen, die du gebraucht hast. Ich hatte das Gefühl, dass bereits zwischen dem ersten und dem fünften Spiel ein riesiger Unterschied zu sehen war. Auch die Statistiken sind beeindruckend: Du bist auf dem Weg zu deiner besten Saison in Biel, was die Scorerpunkte betrifft, und du führst die Liga bei den ersten Assists mit drei weiteren Spielern an. Dir läuft es also.
Ja, es läuft nicht schlecht. Leider läuft es dem Team nicht so. Ich würde gerne ein paar Scorerpunkte weniger auf dem Konto haben, wenn dafür das Team in der Tabelle weiter oben klassiert wäre. Wenn wir von den Punkten reden: Es hat wirklich zehn Spiele gebraucht, bis ich angefangen habe, Punkte zu sammeln. Nach fünf Spielen hat es vielleicht angefangen besser auszusehen, aber der letzte Pass und der letzte Schuss hat immer etwas gefehlt. Nach zehn bis 15 Spielen wurde ich geduldiger und war etwas ruhiger im Kopf, dann hat es mit den Scorerpunkten angefangen. Mein Ziel ist es aber, dass es der Mannschaft läuft und ich versuche ihr so gut wie möglich zu helfen. Wir müssen gemeinsam einen Weg finden, mehr Punkte zu holen.
Wenn du sagst, dass es erst nach zehn Spielen richtig angefangen hatte mit den Scorerpunkten, dann ist es umso beeindruckender zu sehen, wo du jetzt stehst.
Es gab eine Zeit, da lief wirklich alles für unsere Linie. Während einer Saison geht es immer wieder auf und ab. Manchmal bist du auf der Welle am Surfen und plötzlich bist du unten und es läuft nichts mehr. Es gab Spiele, da haben wir mit unserer Linie etwas überperformt und zuletzt lief es nicht mehr ganz so gut. Deshalb müssen wir als Mannschaft noch einen Weg finden, dass wenn eine Linie etwas unterperformt, eine andere den Unterschied machen kann.
Wie ist es für dich, zurück in der Schweizer Nationalmannschaft zu sein?
Sehr schön. Es ist eine Weile her, seit ich zum letzten Mal in der Nati war, aber es sind immer noch die ähnlichen Spieler hier. Es gibt einige neue Spieler, mit denen ich noch nie gespielt habe, aber es gibt auch die alten Spieler, die ich schon lange kenne. Für mich ist es immer eine Freude, dabei zu sein. Es ist wirklich eine richtige Schweizer Nati und alle sind zufrieden, dass sie für die Schweiz spielen können.
„Fischer wollte das Schweizer Eishockey nach oben bringen und die Mentalität sicher ein bisschen ändern, die wir früher gehabt haben. Das merkt man auch, nach zehn Jahren ist es jetzt total anders, wenn man in die Nati kommt.“ (Gaetan Haas)
Die Olympischen Winterspiele in Mailand stehen vor der Tür. Für dich wäre es die dritte Teilnahme nach 2018 und 2022. Anfangs Saison war die Teilnahme bestimmt noch kein Ziel, das dürfte sich aber geändert haben?
Das ist so. Anfangs Saison wusste ich nicht, ob ich überhaupt noch spielen kann. Nach zehn Spielen dachte ich, dass die Nationalmannschaft noch sehr weit entfernt ist. Plötzlich bin ich etwas ruhiger geworden, es wurde besser auf dem Eis und die Olympischen Spiele wurden zu einem Ziel.
Wie hast du mitbekommen, dass Patrick Fischer nach der Heim-Weltmeisterschaft die Karriere beenden wird?
Wir hatten ein Meeting mit der ganzen Organisation. Wir bekamen den Termin, mussten uns einloggen und dann wurde es uns mitgeteilt.
Was macht Patrick Fischer als Trainer besonders gut und was hast du von ihm gelernt?
Sicher den Stolz, für die Schweiz zu spielen. Er wollte das Schweizer Eishockey nach oben bringen und die Mentalität sicher ein bisschen ändern, die wir früher gehabt haben. Das merkt man auch, nach zehn Jahren ist es jetzt total anders, wenn man in die Nati kommt. Die Ziele haben sich geändert und er pusht uns jeden Tag, dass wir das beste Eishockey zeigen können.
Was erwartest du von den drei Spielen an den SWISS Ice Hockey Games?
Ein gutes Niveau, angesichts der Top-Mannschaften aus Europa, die dabei sind. Es werden sicher harte Spiele und wir wollen hier zu Hause zeigen, dass wir bereit sind.