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Krupp im Interview: "Draisaitl ist ein Messi, ein Ronaldo"

kicker

Wir treffen uns im Eisstadion von Landshut mit Blick auf die Eisfläche, auf der gerade die Jugend trainiert, auch Uwe Krupps Sohn. Ein Verteidiger, wie einst der Papa in 810 NHL-Spielen inklusive Play-offs. Beim Traditionsklub aus Niederbayern soll der 60-Jährige eine mehrjährige Aufbauarbeit leisten. In dem einstündigen Gespräch äußert Krupp sich zu allen relevanten Eishockey-Themen der Gegenwart und wünscht sich mehr Aufmerksamkeit für einen Superstar wie Leon Draisaitl.

Der EV Landshut feierte 1983 seine zweite und bis heute letzte Deutsche Meisterschaft, als Sie beim Kölner EC ihre erste Profisaison spielten. Wie viel Nostalgie steckte in Ihrer Entscheidung, Trainer in Landshut zu werden, Herr Krupp?

Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, als Landshut eine ganz große Nummer im deutschen Eishockey war. Natürlich habe ich Erinnerungen daran, schon aus dem Nachwuchsbereich. Das Eishockey hat sich in den Jahrzehnten danach so verändert, dass eine kleine Stadt wie Landshut etwas den Anschluss im Profibereich verloren hat. Doch sie ist nach wie vor eine Eishockeystadt.

Als die für mich überraschende Anfrage kam, fiel die Entscheidung relativ schnell. Eine Rolle spielte für mich, dass wir als Familie einen guten Lebensmittelpunkt finden wollten, meine Tochter und mein Sohn sind zehn und elf Jahre alt. Landshut hat mir eine gewisse Stabilität angeboten, die man im Trainerjob in der Regel nicht unbedingt findet. Zudem wurde meine Aufgabe hier etwas anders definiert; es geht nicht nur um das Langzeitziel Aufstieg in die DEL, sondern zunächst auch darum, den Standort zu stabilisieren, die Vereinsidentität auszubauen und mit einer Personalphilosophie anzutreten, bei der der Nachwuchs hier eine Station findet, bei der Talente in einem professionellen Rahmen ihre Profikarriere beginnen können.

Wir sind diese Saison die Mannschaft mit den meisten Spielminuten für U-Spieler im Deutschen Profieishockey, aber schaffen es bisher trotzdem, den Anschluss zu den Top-Mannschaften der DEL2 nicht zu verlieren. Die Jungs machen einen super Job und das sind genau die Merkmale, auf die man in Landshut stolz ist und womit sich der Verein im deutschen Eishockey positioniert, mal unabhängig von der Ligazugehörigkeit.

Zweite und letzte Nostalgiefrage: Hat Erich Kühnhackl, die Landshuter Legende schlechthin, schon mal vorbeigeschaut und sich informiert?

Erich ist eine Ikone, hat hier kürzlich den bayerischen Verdienstorden verliehen bekommen, ich durfte dabei sein. Vor nicht allzu langer Zeit ist er an der Arena vorbeispaziert, als wir gerade den Bus zu einem Auswärtsspiel vollgeladen haben. Er hat sich riesig gefreut, wie die Spieler ausgestiegen sind, um ihm Hallo zu sagen. Für mich gehört er zum Stadtbild.

Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung Ihrer Mannschaft?

Man kann die Jungs eigentlich nur loben. Die ziehen seit dem ersten Tag im Trainingslager mit. In den vergangenen Jahren bewegte sich der EVL eher im Mittelfeld der Tabelle. Wir hatten einen guten Start, aber die Liga ist insgesamt sehr ausgeglichen. Es gibt nicht wie im Fußball die Konstante Bayern München und dann lange nichts.

„Eishockey ist im Vergleich immer noch kein TV-Sport, der Puck ist einfach zu klein.“ (Uwe Krupp)

Ist der Aufstieg in die DEL mittelfristig das Ziel?

Der Wunsch steht im Raum, das Ziel lautet immer gewinnen, sonst müsste man gar nicht antreten. Alles ist möglich im Sport, aber um so ein Projekt ernsthaft zu verfolgen, müssen auch die Rahmenbedingungen den Erwartungen entsprechen. Viele Vereine leben immer noch von den Zuschauereinnahmen, mit einer Hallenkapazität von 4600 würden wir uns da aber in der DEL am unteren Ende einordnen. Auch wenn die Fernsehgelder steigen, ist Eishockey im Vergleich immer noch kein TV-Sport, der Puck ist einfach zu klein.

Im Fußball wird man Fan durchs Fernsehen und geht dann zum Live-Spiel. Im Eishockey ist es umgekehrt. Die Begeisterung für den Sport wäre hier sicherlich vorhanden, beim Deutschland-Cup ist die Halle seit Jahren voll, Landshut liegt mitten in einer Eishockey-Region mit Straubing, Dingolfing, Deggendorf in der Nähe.

Straubing spielt seit vielen Jahren erfolgreich in der DEL. Graben die Tigers dem EVL durch die geografische Nähe das Wasser ab?

Das könnte sein, andererseits liegt Straubing weiter weg von München, Landshut hat als Einzugsgebiet Erding und die Flughafenseite von München. In Straubing wurde über Jahre hinweg konstant gut gearbeitet. Die Familie Sennebogen hat mit großem Investment und mit Hilfe der Stadt etwas Großes aufgebaut, die Trainings- und Lebensbedingungen für die Spieler dort muss man in Deutschland erstmals andernorts finden.

Wie schätzen Sie das sportliche Niveau der DEL2 ein?

Für unsere besten U-20-Nationalspieler bietet die DEL2 das perfekte Umfeld. Das sind aber nicht viele Spieler, etwas mehr als zehn vielleicht, die hier in Deutschland sind. Eine recht große Zahl spielt auch schon in Nordamerika. Ich denke, der größte Unterschied zur DEL findet sich im körperlichen Aspekt, die Spieler sind durch die Bank nicht ganz so groß. Zudem ist das Eishockey nicht ganz so geradlinig, die Import-Spieler sind technisch teils sehr versiert, aber unter 1,80m Körpergröße. Viele davon kommen vom College oder aus US-Universitäten. Mir gefällt generell die traditionelle Fankultur, wenn Landshut gegen Kaufbeuren oder Rosenheim spielt, ist die Hölle los. Mit den Standorten Düsseldorf und Krefeld wurde die Liga zudem aufgewertet, sie bietet insgesamt ein gutes Produkt.

Wer ist Ihr Aufstiegsfavorit?

Krefeld schätze ich momentan als am stärksten besetzt ein. Aber abwarten, ob das in den Play-offs dann reicht. Dazu Kassel und Rosenheim. Die DEG würde ich auch nicht abschreiben.

Sind Sie ein Befürworter von Auf- und Abstieg oder als langjähriger NHL-Profi für eine geschlossene Gesellschaft?

Ich glaube, in Deutschland muss man aufgrund der Sport- und Fankultur um Auf- und Abstieg spielen. Ein Fan davon bin ich jedoch nicht unbedingt. Für die Vereine ist das Wirtschaften dadurch enorm schwer, Angst spielt eine zu große Rolle auf dem Eis. Mit Lugano musste ich in der vergangenen Saison die Relegationsrunde spielen, hatte so etwas weder als Spieler noch als Coach erlebt. Das hat eine andere Dynamik und hat unterm Strich wenig mit normalem Eishockey zu tun. Puristen brauchen keine Spieler, die durch existenziellen Druck und Stress einfachste Pässe nicht mehr spielen können. Für die Fans mag es trotzdem Spektakel sein.

Wer ist für Sie aktuell Favorit auf die Deutsche Meisterschaft in der DEL?

Die Eisbären Berlin hatten zu Beginn der Saison Verletzungspech, ich würde aber keine Rechnung ohne sie machen. Ingolstadt spielt sehr gut, Köln hat die Mannschaft total umgekrempelt, sie haben einen sehr guten Torwart, der finnische Trainer Kari Jalonen macht einen guten Job. Sie werden zumindest ein unangenehmer Gegner in den Play-offs sein. Mannheim ist die vielleicht am besten und tiefsten aufgestellte Mannschaft, sie sind mein Favorit.

Sie spielten aktiv für Köln, waren zweimal Trainer dort. Schlägt in Ihnen noch das Haie-Herz?

Das ist eine zweischneidige Sache, weil ich dort groß geworden bin und lange als Trainer gearbeitet habe. Mit ein bisschen Abstand und im Rückspiegel war meine zweite Runde dort als Trainer wahrscheinlich keine gute Entscheidung. Meine Frau hat damals zu mir gesagt, das sei, wie wenn man zur Ex-Frau zurückkehrt, mach's nicht. Und durch Corona wurden fast drei Jahre in Köln unter Bedingungen gespielt, die wenig mit sportlichen Zielen gemeinsam hatten. Das trübt rückblickend natürlich das Gesamtbild und dementsprechend hat auch das Haie-Herz einen ordentlichen Knacks abbekommen.

„Für uns ist die Schweiz das Vorbild in Zentraleuropa, verstecken müssen wir uns aber nicht.“ (Uwe Krupp)

Auf welchem Stand befindet sich das deutsche Eishockey im internationalen Vergleich?

Bei der Qualität der Ligen sind die Schweiz und Schweden vor uns, Russland lasse ich mal außen vor. In Tschechien gibt es zwei, drei Mannschaften, die in Europa top sind, dafür ist das Leistungsgefälle in der Liga stärker. In Finnland ist das Leistungsgefälle ähnlich wie bei den Tschechen. Trotzdem bilden sie viele Spieler aus, das Wirtschaftskonzept der Klubs beruht darauf, 17-, 18-jährige Spieler einzusetzen, die Verträge in der NHL unterschreiben. Von der Ausbildungsentschädigung leben diese Klubs. Für uns ist die Schweiz das Vorbild in Zentraleuropa, verstecken müssen wir uns in Deutschland aber nicht.

Und die Nationalmannschaft?

Als Bundestrainer bist du immer darauf angewiesen, wer aus der NHL dazustößt. Bei einem Olympia-Turnier ohne NHL-Stars brauchen wir uns nicht zu verstecken, das hat man 2018 mit der Silbermedaille erlebt. Mit NHL-Spielern wird es schwierig.

Trauen Sie Deutschland in Mailand eine Überraschung zu oder kann es die nach menschlichem Ermessen gegen Kanada, die USA oder Schweden nicht geben?

Normalerweise setzen sich diese großen Nationen in einem "Best vs. Best"-Turnier uns gegenüber durch. Alles andere wäre eine Riesen-Überraschung. Wir haben in Deutschland rund 30.000 Eishockey-Spieler. Allein im Einzugsgebiet von Toronto gibt es über 300.000 Nachwuchsspieler. Und dann sitzen wir am Fernseher und fragen uns, wie man jetzt 1:7 gegen Kanada verlieren kann. Dabei ist es gegen die genannten Länder unglaublich schwer, auch wenn mit Russland eine Top-Nation weniger dabei ist, zudem Belarus, das man auch erstmal schlagen muss. Positiv ist, dass wir uns in den vergangenen Jahren deutlich von Norwegen, Lettland, Österreich abgesetzt haben.

Unabhängig von Platzierungen: Erlebt das deutsche Eishockey mit NHL-Stars wie Leon Draisaitl, Tim Stützle oder Moritz Seider gerade einen Höhepunkt oder kommt künftig noch mehr?

Die Maßnahmen greifen und tragen Früchte, die noch unter Franz Reindl als DEB-Präsident in Zusammenarbeit mit der DEL angestoßen wurden, zum Beispiel die Verpflichtung zur Nachwuchsarbeit oder die Einstellung hauptamtlicher Trainer dort. Wird es noch besser? Wir sind ein Land mit unheimlich viel Ressourcen, haben 84 Millionen Einwohner, also müssten wir normalerweise einer Nation wie Finnland mit gut fünf Millionen Einwohnern den Rang ablaufen können.

Aber wir sind eine Fußballnation, die beste der Welt. Eishockey reiht sich mit Basketball und Handball dahinter ein. Dennoch glaube ich, dass mehr gehen würde, es fehlt allerdings an Infrastruktur. Neue Eishallen werden kaum gebaut. In Tschechien gibt es fast in jeder kleinen Nachbarschaft eine Eishalle.

Ist das Viertelfinale ein realistisches Ziel für Deutschland beim olympischen Turnier?

Man könnte sagen, dass es ohne Russland eine reelle Chance gibt, auch dank unserer goldenen Generation. Mit Mo Seider haben wir den vielleicht besten Defensivverteidiger der gesamten NHL, ein Ausnahmejunge. Leon Draisaitl ist weltweit einer der Top-3-Stürmer bei der Offensivproduktion. Was Leon leistet, kann nur mit Dirk Nowitzki verglichen werden.

„In der deutschen Sportgeschichte fallen mir auf diesem Level außer Nowitzki nur Boris Becker, Steffi Graf und Michael Schumacher ein.“ (Krupp über Draisaitl)

Dabei läuft er in Deutschland immer noch unter dem Radar.

Es gibt in Deutschland ganz wenige Leute, die verstehen, was Leon Draisaitl in der NHL abreißt. Konstant, Jahr für Jahr, nicht nur eine Saison. Er ist ein Messi, ein Ronaldo. In der deutschen Sportgeschichte fallen mir auf diesem Level außer Nowitzki nur Boris Becker, Steffi Graf und Michael Schumacher ein. Das Beste daran, wenn du ihn kennst: ein super Typ, bescheiden, anständig, hat keine Allüren. Leon ist ein Aushängeschild, ein totales Vorbild.

Warum wird er nicht entsprechend gewürdigt?

Weil es Eishockey und nicht Fußball ist, er nachts unserer Zeit tausende von Kilometern entfernt spielt.

Sie haben ihm zwei Stanley Cups voraus.

Daran wird er natürlich gemessen, der Cup fehlt ihm noch. Um den Stanley Cup zu gewinnen, muss alles stimmen, alles. Egal, wie gut du individuell bist, du musst zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Du benötigst besondere Leistungen der Mannschaft, innerhalb dieser individuelle Jungs, die zwei Sahnemonate haben, in denen du in der Regel jeden zweiten Tag spielst. Der Torwart muss gut sein, das Umfeld stimmen und das Ganze muss zielorientiert, aber trotzdem irgendwie harmonisch sein.

Wie oft werden Sie auf ihr Cup-Winning-Goal für Colorado 1996 noch angesprochen?

Schon noch, aber für die Jungs hier ist das abstrakt. Das hat so ein bisschen Beigeschmack wie das Wunder von Bern oder die WM’74 (lacht). Es ist ewig her.

Von 2005 bis 2011 waren Sie Bundestrainer. Gehört ein Stück des Kuchens Aufschwung im deutschen Eishockey Ihnen mit dem vierten Platz bei der Heim-WM 2010?

Wir hatten unter Hans Zach ein paar kämpferische Jahre mit guten Platzierungen, als wir ins Viertelfinale gekommen sind. Aber seine Mannschaften hatten nie die internationale Qualität, sie kamen über taktische Disziplin und Geschlossenheit. Ich habe die Entwicklung der Spieler von 2010 davor als Co-Trainer der U 20 und U 18 begleitet, diese Generation hatte eine andere Qualität.

Dazu hat die Chemie gestimmt, und anstatt nur mitzukämpfen, konnten wir auf einmal mitspielen. Aus der NHL kamen mit Marcel Goc und Christian Ehrhoff zwei super Jungs dazu, und du hattest mit Dennis Endras den MVP der WM. Wenn Deutschland Erfolge hatte, stimmte es immer im Kollektiv. Auf die Zeit damals bin ich stolz, das war ein persönliches Highlight für mich.

Was raten Sie jungen Talenten: So früh wie möglich nach Nordamerika oder erstmal in der Heimat durchsetzen?

Das Wichtigste ist, sich nicht zu vergleichen. Es gibt nicht den einen Weg, jeder soll den gehen, der zu ihm passt, zur körperlichen Entwicklung, der Reife. Kritisch ist, dass der Spielbetrieb, in dem man wächst, mit den vorher genannten Aspekten zusammenpasst. Drei Minuten Eiszeit in der DEL bringen nichts. Die DEL2 ist vom Level sicherlich eine bessere Option für diese Talente, auch die Oberligen würde ich nicht außen vor lassen.

Mein Rat lautet: Du brauchst einen guten Plan, deinen Plan, nicht den von Mo Seider oder Leon Draisaitl. Josh Samanski ist ein gutes Beispiel. Ein Junge aus Erding, der sich in Straubing durchgesetzt hat und jetzt sein Glück versucht in Bakersfield, dem Farmteam der Edmonton Oilers spielt.

Der Weg in die NHL ist für ihn wie für alle Talente trotzdem lang und schwierig.

Als offensiver Spieler ganz sicher. Die gucken dich an und sagen: Der blockt keine Schüsse, Unterzahl spielt er auch nicht, im Powerplay ist er ganz gut. Wissen Sie, wie viele es von dieser Sorte gibt? Zehntausend. Anpassung und Erkenntnis sind nötig, dass du als Junior zwar 50 Tore geschossen hast, du aber in der AHL und höher in der dritten Reihe deine Bullys gewinnen musst. Kannst du das, siehst du dich in dieser Rolle? Nur wer das erkennt und dann möglicherweise bereit ist, sein Spiel zu verändern, hat eine Chance.

Ich kam mit 19 nach Buffalo, dachte ich wäre offensiv eine gute Nummer. Im Trainingslager stand ich dann mit 30 anderen Verteidigern auf dem Eis. Der eine schoss besser, der nächste passte besser, ein anderer lief besser Schlittschuh als ich. Ich dachte nur: Wie passe ich da rein? Die Antwort war, in dem Moment, in dem ich Schüsse blockte, hart spielte, auch mal kämpfte. Wenn sie Interesse an dir haben, geben sie dir eine Rolle. Sei ein Star in dieser Rolle und arbeite und zeige jeden Tag im Training allen, die zuschauen, dass du noch mehr drauf hast.

Woraus bestand Ihre Motivation, 1985 als 19-Jähriger in die NHL zu gehen? Zu einer Zeit, als noch viel weniger Spieler aus Europa dort spielten.

Ich hatte Leute wie Udo Kießling, Gerd Truntschka, Uli Hiemer um mich rum, die Deutsch-Kanadier im Team. Alle sagten: Du bist gedraftet worden, geh! Mach es! Zurückkommen kannst du immer. Mir hat immer die Geschichte des spanischen Eroberers Hernan Cortez gefallen. Er landete 1519 mit seinen Schiffen vor Mexiko, die Küste war voller bewaffneter Einheimischer. Als alle seine Soldaten in den Booten zum Ufer saßen, sagte er: Burn the boats, verbrennt sie!

Keine Rückkehr, ganz oder gar nicht. Das traf damals auch auf mich zu, ich wollte es unbedingt schaffen. Es gab keinen Plan B. Ich habe mein Spiel umgestellt und gelernt, dass man nicht an seinen guten, sondern an seinen schlechten Tagen gemessen wird. Jeder hat bei diesem Programm schlechte Tage. Wer an denen dennoch noch etwas beisteuert, der darf bleiben.

Auf welcher Station hat es Ihnen am besten gefallen, wer war ihr bester Mitspieler?

Ganz klar in Colorado, nicht nur wegen des Stanley Cups 1996. Eine top geführte Organisation, damals mit Pierre Lacroix als General Manager. Bei den Spielern würde ich immer Joe Sakic die Scheibe geben, wenn es um den Sieg geht. Ich habe mit ein paar ganz guten Jungs gespielt, Steve Yzerman oder Peter Forsberg zum Beispiel, aber Joe war der beste.

Colorado marschiert derzeit in der NHL in der Regular Season durch. Sind die Avalanche der Top-Favorit auf den Cup?

Das ist schwierig zu beantworten. Sie zeichnet auf jeden Fall eine super Mischung aus sehr guten Stürmern und einer guten Abwehr aus, die Torhüter sind beide absolut top. Das darf man nicht unterschätzen, in den Play-offs entscheiden die Goalies ganz entscheidend mit.

Noch einmal zurück zu den Olympischen Spielen: Braucht die NHL die Plattform Olympia für ihr Wachstum international oder das IOC die NHL zur Aufwertung des Turniers mehr?

Ich glaube, die Olympischen Spiele brauchen die NHL. Das ist ein besonderes Turnier, das Sidney Crosby und Connor McDavid braucht. Die besten Namen der Welt, um dem Turnier den besonderen Status zu geben.

Das Finale wird logischerweise Kanada gegen die USA lauten?

Außer, es stolpert jemand, kommt am Defensiv-Riegel der Finnen nicht vorbei oder die Schweden erwischen einen Lauf. Es ist keine Best-of-seven-Serie, ein Spiel entscheidet. Vom Sportlichen her ist es super schade, dass Russland nicht dabei ist, auch wenn unter geopolitischen Gesichtspunkten ihre Teilnahme nicht tragbar ist.

Über Marco Sturm müssen wir noch reden: Wie schlägt sich der ehemalige Landshuter Ihrer Meinung nach als Trainer der Boston Bruins?

Er macht einen Riesenjob. Die Bruins sind auf dem Papier nicht so stark, aber die Jungs ziehen mit, Marco hat einen guten Ton und sich in den vergangenen Jahren über die AHL hoch- und reingearbeitet. Das ist beeindruckend.

Wären Sie auch gerne NHL-Chefcoach geworden?

Ich glaube, das Fenster war kurz da und hat sich wieder geschlossen. Als ich 2014 das erste Mal in Köln aufgehört habe, wäre der Moment gewesen, nach Nordamerika zurückzugehen, dann kam das Angebot der Eisbären Berlin. Ich bereue meine Entscheidungen nicht, es sind auf anderer Ebene viele gute Dinge passiert: meine Frau kennengelernt, Kinder bekommen. In der NHL ist es nochmal ein anderer Job, da bist du ganz anders eingebunden. Mir macht die Arbeit hier Spaß, ich war gerne in Köln, bin gerne in Landshut. Es passt alles.

Haben Sie noch ein Ziel, eine Sehnsucht als Trainer?

Wir suchen alle nach der Mannschaft, die gewinnt, Meister wird, aufsteigt, wollen alles aus ihr rausbekommen. Die Mannschaft hier in Landshut hat in den ersten Monaten auf ihrem höchsten Level agiert. Jetzt geht es darum, wie man das konservieren kann. Als Trainer bis du Lehrer, das macht Spaß. Bei den Avalanche hatten wir vor Kurzem eine Reunion, die Jungs redeten nur übers Golfen und die gesundheitlichen Probleme, die wir als 60-Jährige abgedroschene, ehemalige NHL Spieler haben. Ich bin den ganzen Tag mit jungen Leuten in der Kabine und das macht Spaß.