Moritz Müller zögerte lange, sehr lange. Über zwei Monate ließ sich der Kapitän der Eishockey-Nationalmannschaft nach dem Play-off-Ritt mit den Kölner Haien Zeit, diskutierte im Sommer gemeinsam mit der Familie und dem Klub ein mögliches Karriereende. Doch der Dauerbrenner entschied sich für ein weiteres Jahr, der Gedanke an seine dritten Olympischen Spiele war zu verlockend.
"Das war auch ein Grund, weiterzuspielen", sagt Müller im Interview mit dem SID. Um seinen Platz im 25-köpfigen Aufgebot für Mailand und Cortina muss aber auch er kämpfen. Nur die NHL-Stars sind gesetzt, ein ausgewählter Kreis darf sich ab Donnerstag beim Deutschland Cup empfehlen. Nicht zu diesem Kreis gehören wird Tobias Rieder. Der Ex-NHL-Profi fällt kurzfristig verletzungsbedingt aus. "Jeder andere Spieler muss seine Hausaufgaben machen", weiß Müller: "Wie die Leistung dann bewertet wird, liegt am Bundestrainer."
Der Auftakt gegen Lettland (19.45 Uhr/live und kostenlos bei MagentaSport) wird Müllers 213. Länderspiel sein. Er ist der erfahrenste Profi im deutschen Kader, mit der Nationalmannschaft nahm Müller an zwölf Weltmeisterschaften teil, 2018 gehörte er zu den Silberhelden von Pyeongchang/Südkorea, auch vier Jahre später in Peking war er dabei. In 23 Saisons mit den Haien kommt Müller auf bislang 1148 DEL-Spiele - Platz zwei in der ewigen Bestenliste.
"Er ist ein Spieler, der die Nationalmannschaft und das deutsche Eishockey geprägt hat wie ganz, ganz wenige", sagte Bundestrainer Harold Kreis. Doch das alles zählt in Landshut kaum. In knapp zwei Wochen wird Müller 39 Jahre alt. Er müsse zeigen, so der Verteidiger, dass "ich noch laufen und die Mannschaft führen kann. Man weiß, was man mit mir für einen Typen bekommt, aber man muss sich vergewissern, dass ich das sportlich noch abrufen kann."
Bei der vergangenen Weltmeisterschaft fehlte Müller, eine Schulterverletzung aus den Play-offs zwang ihn im Sommer zu einer Pause. Zum Deutschland Cup kehrt er ins Nationalteam zurück, selbstverständlich übernimmt der gebürtige Frankfurter das Kapitänsamt. "Ich will, dass wir auch schon im Hinblick auf die Olympischen Spiele eine Kultur in der Kabine etablieren", fordert Müller.
Für Müller wäre eine dritte Teilnahme an den Winterspielen "etwas ganz Besonderes. Das wären meine ersten Olympischen Spiele in Europa, nach zweimal in Asien. Und ich meine, mit 39 Jahren bei den Olympischen Spielen, das ist ja auch was."
Nach der Saison ist dann, wie Müller sagt, "wahrscheinlich" Schluss. Eine Hintertür lässt er sich aber offen. "Ich bin kein Freund davon, etwas einfach kategorisch auszuschließen", erklärt der Abwehrmann: "Aber ich weiß, dass ich nicht für immer spielen kann. Ich möchte in Würde gehen."