"Ich bin jetzt über 80. In dem Alter kann man vielleicht noch US-Präsident sein, aber beim AFC reicht es nicht." So begründete Dirk Barthel, warum er im November nicht mehr zur Wahl für das wichtigste Amt bei Altona 93 antrat. Der Unternehmer war 26 Jahre lang an der Spitze des Traditionsklubs, insgesamt 36 Jahre lang Sponsor. Sein Name wird weiterhin die Trikotbrust des Regionalliga-Teams zieren - auch wenn Barthel nun Ehrenpräsident ist, immerhin in beratender Funktion.
Neuer starker Mann ist nun auch offiziell Ragnar Törber. Der 51-Jährige treibt schon länger die entscheidenden Projekte voran, während Barthel für Mitglieder und Fans in die Rolle des Moderators geschlüpft ist und bei Heimspielen niemals eine Hand zum Schütteln ausschlägt - egal, ob sie vom potenziellen Mit-Sponsor oder vom Obdachlosen mit Schäferhund kommt. Schließlich ist in der Adolf-Jäger-Kampfbahn jeder willkommen, was dazu geführt hat, dass der AFC trotz der nicht gerade glänzenden sportlichen Leistungen und Platz 17 in der Hinrunde diverse Zuschauerrekorde knackte. Der Schnitt liegt bei 2.462 - ligaweit Rang fünf.
Das letzte Jahr im alten Stadion
Genau auf diesem Gebiet liegt zunächst das Hauptaugenmerk von Törber. Bereits seit 2007 ist die Heimstätte verkauft, in der Griegstraße sollen neue Wohnhäuser entstehen. Stand jetzt geht Altona 93 in das letzte Jahr in seinem Stadion, im Januar 2027 sollen die Bagger rollen. Das neue Stadion soll in das Großprojekt der Deutschen Bahn am Diebsteich integriert werden - doch dort verzögern sich die Arbeiten. Törber konnte nun immerhin verkünden, dass eine Baufirma den Zuschlag erhalten hat und den neuen Spielort bis zum 31. Dezember 2029 fertiggestellt haben will.
Wie die drei Jahre überbrückt werden können, ist offen - das Verhandlungsgeschick des Architekten mit der Stadt und den Baufirmen ist gefragt, mit dem Ziel, so lange weiter in der Adolf-Jäger-Kampfbahn spielen zu können.
Baustellen auch sportlich
In welcher Liga auch immer, denn auch sportlich hat Trainer Andreas Bergmann einige Baustellen. Dass in seiner Mannschaft Potenzial steckt, bewies diese bis Mitte September, als sie nach dem 3:1 beim VfB Lübeck auf Platz zehn stand. Doch wenn die üblichen Rückschläge wie Verletzungen, Sperren oder frühzeitige Auswechslungen hinzukommen, reicht die Qualität des Kaders beim Aufsteiger einfach nicht. Von den letzten elf Partien des Jahres 2025 gingen neun verloren. Noch bitterer war das letzte Pflichtspiel des Jahres, als es im Pokal eine 0:1-Niederlage beim Oberligisten SC Victoria gab und sich somit die Aussicht auf eine DFB-Pokal-Teilnahme in Luft auflöste.
Hoffnung macht die Rückkehr von diversen Verletzten, allen voran Kapitän Pascal El-Nemr, der nach seinem Kreuzbandriss ins Mannschaftstraining integriert werden soll. Hamburgs Fußballer des Jahres 2024/25 fehlte seinem Team nicht nur auf dem Platz, sondern auch als Persönlichkeit.
Punktuelle Ergänzungen
Punktuell soll der Kader noch ergänzt werden, allen voran in der Offensive, die mit 24 Treffern die schwächste der Liga ist. "Wir werden alles tun, um die Klasse zu halten", verspricht Trainer Bergmann, der zudem darauf setzt, dass von den verbleibenden 14 Partien neun zu Hause stattfinden.
Von seinem neuen Präsidenten bekommt er und das Team allerdings keinen Druck. Törber betont: "Wir müssen weiter Strukturen aufbauen und langsames Wachstum anschieben. Die vergangenen drei Jahre haben gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind."