Der FC Bayern München träumte bis zuletzt von der Aufholjagd. Paris Saint-Germain führte weiterhin knapp, doch die Platzverweise gegen Willian Pacho und Lucas Hernández hielten die Hoffnungen der Bayern auf einen Last-Minute-Ausgleich hoch.
Die Zeit lief erbarmungslos gegen die Münchner – in der fünften Minute der Nachspielzeit umzingelten die verzweifelten FCB-Verteidiger Achraf Hakimi, in der Hoffnung, noch einmal an den Ball zu kommen.
Doch genau in diesem Moment, als alle erwarteten, dass der Marokkaner den Ball zur Eckfahne schleppen würde, tat Hakimi das Unerwartete: Eng gedeckt von Harry Kane, senkte er den Kopf, ließ Dayot Upamecano und Thomas Müller mit einer Körpertäuschung stehen – pure Eleganz in Bewegung. Die drei Verteidiger lagen hinter ihm, der Weg nach vorne war frei. Weniger ästhetisch, aber genauso effektiv ging es weiter: Trotz des Drucks von Konrad Laimer und Serge Gnabry legte Hakimi überlegt zurück auf Ousmane Dembélé, der mit einem trockenen Rechtsschuss den Traum der Bayern endgültig zerstörte.
"Nach meinem Dribbling habe ich hochgeschaut, um den Ball noch in die Mitte bringen zu können. Ich habe Ousmane da hinten gesehen – und ich wusste, dass er den Unterschied machen wird", erklärte Hakimi nach der Partie.
Hakimi gehört zu den prägenden Figuren dieses PSG-Teams, das sich in den letzten Monaten über mannschaftliche Geschlossenheit definiert. Vom Rechtsverteidiger ausgehend, ist seine Präsenz im offensiven System von Luis Enrique überall zu spüren. Defensiv erfüllt er seine klassische Rolle, doch in der Offensive nutzt er jeden Freiraum, der durch das ständige Positionsspiel seiner Mitspieler entsteht. Außen wie innen agiert Hakimi als Flügelspieler, Verteidiger, Schienenspieler – oder taucht sogar als zentrale Offensivkraft im Strafraum auf.
Diese Vielseitigkeit verleiht dem variablen System von Luis Enrique eine zusätzliche Dimension: "Heute hat Hakimi seine klassische Position etwas mehr gehalten, weil wir in manchen Drucksituationen wenig Zeit hatten, um andere Räume zu besetzen", erklärte der PSG-Coach. "In der Offensive versuchen wir, verschiedene Räume zu nutzen, unsere Beweglichkeit ist eine unserer größten Stärken – und Haki versteht das perfekt."
"Der Trainer gibt mir eine gewisse Freiheit, die mir guttut", sagte Hakimi nach dem Auftritt im Mercedes-Benz-Stadion in Atlanta im Gespräch mit FIFA.com. "Er hat mein Spiel enorm weiterentwickelt, mir Dinge beigebracht, die ich vorher gar nicht auf dem Schirm hatte."
Der offensive Beitrag des marokkanischen Nationalspielers zieht sich durch eine herausragende Saison 2024/25: Vier Tore und sechs Assists in der Ligue 1, vier Tore und fünf Vorlagen in der Champions League, dazu ein Treffer und eine Vorlage im französischen Pokal. Auch bei der FIFA Klub-Weltmeisterschaft ist Hakimi schon mehrfach in Erscheinung getreten: Er traf beim 2:0 gegen die Seattle Sounders, erzielte eines der vier Tore gegen Inter Miami und bereitete den entscheidenden Treffer von Dembélé gegen Bayern vor. Insgesamt stehen damit 11 Tore und 13 Assists in der laufenden Spielzeit zu Buche.
Hakimi, der bereits beim historischen Halbfinal-Einzug Marokkos bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Katar 2022™ eine Schlüsselrolle spielte, kennt die Geheimnisse des Strafraums nur zu gut: „Ich habe schon als kleiner Junge als Stürmer angefangen“, erinnert er sich im Gespräch mit FIFA.com. „Das vergisst man nie. Wenn du im Strafraum bist, spürst du das, du riechst das – und genau das macht mir Spaß.“
In seinen frühen Jahren, lange bevor die Welt einen der besten Außenverteidiger überhaupt kennenlernte, spielte Hakimi als Angreifer beim Club Deportivo Colonia Ofigevi – auch seine ersten Schritte in der Nachwuchsakademie von Real Madrid absolvierte er in der Offensive.
Neben seinem Einfluss auf beiden Seiten des Spielfelds hat sich Hakimi auch als einer der Anführer in einem PSG-Team etabliert, das gezielt auf junge Spieler setzt: "Wir haben in dieser Saison viele schwierige Momente durchlebt, aber das Team hat Charakter und Persönlichkeit bewiesen. Gerade in den schweren Phasen halten wir zusammen. Heute haben wir das zweite Tor gemacht und gezeigt, dass wir weiter in diesem Wettbewerb bleiben wollen – wir gehören zu den Titelkandidaten."