Am Mittwochabend brennt im St. Jakob-Park der Schweizer Klassiker: Der FC Basel empfängt den FC Zürich. Bei beiden Teams lief es aber zuletzt nicht wie gewünscht. Die Bebbi kassierten zuletzt gegen Lausanne-Sport eine peinliche 1:5-Klatsche, während beim FCZ nach der Trainerentlassung zwar leichte Besserung zu erkennen war, doch gegen die Young Boys sorgte ein katastrophaler Last-Minute-Elfmeter für eine 2:3-Niederlage. Aber wo genau liegen die Probleme der beiden Mannschaften?
Beim FCZ fehlt der letzte Drücker
Gegen die Berner Young Boys kam der FCZ zwar wieder zu mehr Torchancen, doch das altbekannte Problem bleibt: Die Zürcher treffen einfach zu selten. 61 Prozent Ballbesitz sprechen eigentlich für einen dominanten Auftritt, doch die Young Boys hatten mit sieben Torschüssen mehr Abschlüsse auf das Tor als die Mannschaft von Dennis Hediger. Zwar konnte der FCZ immerhin zwei Treffer feiern, doch die Torflaute davor war gravierend: In den beiden vorherigen Spielen blieb das Team ohne Treffer und bevor Philippe Keny die Mannschaft endlich erlöste, standen die Zürcher bei 235 torlosen Minuten.
Auch die Statistiken aus den vorherigen Partien zeigen ein klares Bild: Mehr Ballbesitz, aber der Zug zum Tor fehlt, der letzte Drücker fehlt. Gegen Lugano hatte man trotz Überlegenheit nur drei Schüsse aufs Tor, im Derby gegen die Grasshoppers waren es gerade einmal zwei. Kein Wunder, dass man 0:3 verlor. Auch Captain Brecher bestätigt die Analyse seiner Vorderleute:
„"Wir kommen zu wenig klar in den Sechzehner, zu wenig klar zu Torchancen. Der Abschluss und der letzte Drücker fehlen."“ (Yannik Brecher, via blue Sport, 26.10.2025)
Die Schlussphase des letzten Spiels als Schub nutzen
Die ersten Minuten gegen die Berner verliefen für den FCZ alles andere als nach Plan. Doch im Verlauf der Partie zeigte das Team zwei starke Phasen. Überraschend sorgte Keny in der 38. Minute für den Ausgleich und plötzlich agierten die Zürcher wieder mutig und selbstbewusst. Die Belohnung: ein Doppelschlag, der die Führung brachte. Die zweite starke Phase kam am Ende des Spiels. Der FCZ drückte die Berner tief in die eigene Hälfte, kreierte einige gute Chancen, ein Ausgleich wäre verdient gewesen. Schliesslich gab es sogar einen Penalty, doch die Chance blieb ungenutzt.
Captain und Goalie Yanick Brecher sieht in dieser schwierigen Phase dennoch Hoffnung: "Wir müssen die zweite Halbzeit mitnehmen, nicht die ersten zehn Minuten, als wir die beiden Tore kassiert haben. Aber danach haben wir das Spielgeschehen übernommen. Wir waren dominant, hatten Ballbesitz und haben sie in ihre eigene Hälfte gedrückt."
Der fehlerhafte Aufbau des FC Basel
Beim FC Basel schleichen sich vor allem im Spielaufbau viel zu viele Fehler ein. Schon im Europa-League-Spiel gegen Olympique Lyon führte ein Aufbaufehler zum 0:1, dort war es FCB-Keeper Marwin Hitz, der patzte. Auch gegen Lausanne-Sport wiederholte sich das Muster: Jonas Adjetey spielte einen haarsträubenden Pass im Aufbau und lud die Hausherren zur Führung ein. In nur drei Tagen hatten die Basler damit zwei gravierende Fehlpässe, die eiskalt bestraft wurden. Wenn solche Fehler weiterhin passieren, dürfte auch der FC Zürich nicht zögern, diese Schwächen gnadenlos auszunutzen.
Der Spielstil soll aber gleich bleiben
Trotz der Fehler im Aufbau mit dem eigentlich gewollten dominanten Ballbesitzfussall betont Dominik Schmid nach dem Spiel, dass der FCB seinen Spielstil nicht ändern werde. Die Gegentore seien klar auf individuelle Fehler zurückzuführen, nicht auf das System. "Mit diesem Spielstil haben wir auch schon 5:0 oder 6:0 gewonnen", so Schmid. Neben Schmid bestätigte auch Trainer Ludovic Magnin dieses Vorgehen: Die Mannschaft ist von ihrem Spielstil fest überzeugt und will daran festhalten.
„Die Leute kommen in Basel ins Stadion, weil sie eine dominante Mannschaft mit Ballbesitz sehen wollen. Das ist unsere DNA.“ (Ludovic Magnin, Blick, 26.10.2025)
Magnin wusste, dass es gegen Lausanne mit einem Team, das ein so starkes Pressing spielt, riskant werden würde, doch dass sein Team gleich derart ins offene Messer laufen würde, damit hatte er nicht gerechnet.
Auch die Offensive überzeugt momentan nicht wirklich
Zwar ist das Problem in der Offensive nicht ganz so gravierend wie beim FC Zürich, doch auch beim FC Basel schleichen sich derzeit einige Schwierigkeiten ein. Besonders auffällig ist die mangelnde Chancenverwertung, diese lässt nämlich zu wünschen übrig.
Bei der 1:5-Niederlage gegen die Westschweizer hatte der FCB durchaus Möglichkeiten, um zurück ins Spiel zu finden, doch diese wurden nicht ausgenutzt. Klar, der Fokus liegt nach der herben Niederlage auf den schlimmen Fehlern in der Defensive, doch vorne seine Chancen nicht zu nutzen, macht die Niederlage fast zwangsläufig.
Auch in den beiden Spielen zuvor zeigte sich ein ähnliches Bild. Gegen Lyon erspielte sich der FCB Chancen, die jedoch ungenutzt blieben. Hätten die Bebbi diese genutzt, wäre die Mannschaft vielleicht mit einem Punkt nach Hause geflogen. Trainer Ludovic Magnin kritisierte diese Schwäche bereits nach dem 3:0-Sieg gegen den FC Winterthur in der Super League. Obwohl der FCB gewann, störte ihn vor allem die mangelhafte Chancenverwertung in der zweiten Halbzeit, ein Problem, das sich bis heute fortsetzt.
Fazit: Die beiden Teams haben überraschend viele Ähnlichkeiten
Tabellenplatz hin oder her, der FC Zürich und der FC Basel haben mehr Gemeinsamkeiten, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Beide Teams setzen auf Ballbesitzfussball. Beim FCB klappt das zwar etwas besser, doch auch sie können daraus oft nur begrenzt Kapital schlagen. Auch in der Offensive zeigen sich Parallelen: Während man in Zürich vom fehlenden letzten Zug zum Tor spricht, schwächelt in Basel die Chancenverwertung. Wenn beide Teams weiterhin auf Ballbesitz setzen und ihre Effizienz vor dem Tor nicht steigern, könnte ein torloses Unentschieden durchaus ein realistisches Szenario sein.