Es wird kalt. Es wird nass. Es wird ungemütlich. Mit anderen Worten: Es ist der perfekte Rahmen - findet Stefan Leitl. "Keine Schönwetter-Fußballer" will Herthas Trainer am Dienstagabend in der 2. Runde des DFB-Pokals im Olympiastadion gegen den Liga-Konkurrenten SV Elversberg sehen - und gibt als Credo aus: "Arbeiten, arbeiten, arbeiten. Zweitliga-Fußball, morgen, zu Hause. Super-Wetter, Top-Stadion, Top-Rasen, alles ist da."
Die letzten Resultate gegen die SVE: 1:4, 0:4, 0:2
Der Hauptstadtklub will den Schwung des 1:0-Sieges gegen Fortuna Düsseldorf, für den Maurice Krattenmacher am Samstagabend mit seinem Lucky Punch tief in der Nachspielzeit die Weichen gestellt hatte, in den Pokal mitnehmen. "Emotional ist das Spiel für uns absolut top gewesen", sagt Leitl. "Man sieht, dass diese Mannschaft funktioniert und in sich geschlossen ist. So ein Spiel macht etwas mit der Mannschaft. Ich glaube schon, dass es Kräfte freisetzen kann. Aber jedes Spiel ist harte Arbeit." Erst recht, wenn der Gegner Elversberg heißt. Herthas Zweitliga-Horrorbilanz gegen die saarländischen Newcomer: ein Sieg im Dezember 2023, danach vier Niederlagen, insgesamt 8:15 Tore.
Die jüngste Abfuhr, das 0:2 im Olympiastadion Ende August, liegt erst zwei Monate zurück. In der Vorsaison hieß es aus Berliner Sicht 1:4 (H) und 0:4 (A). "Über die letzten Jahre hat sich gezeigt, dass dort in einem ruhigen Umfeld sehr gut gearbeitet wird und die Mannschaft sehr gut zusammengestellt ist", erklärt Leitl mit Blick auf den aktuellen Zweitliga-Dritten. "Ich habe selber in einem kleineren Verein in der 2. Liga gearbeitet. Du wirst nicht unterschätzt, aber du bekommst nicht die Beachtung, die du dir verdient hast. Dadurch ist es leichter, so mitzuspielen. Dementsprechend ist es für mich überhaupt keine Überraschung, dass diese Mannschaft in dieser Saison wieder so stabil und so gut ist. Sie hatten zwar einen großen Aderlass, aber wenn du dir die Einzelspieler anschaust, die sie verpflichtet haben, ist das schon richtig gut."
Elfmeterschießen als Programmpunkt im Training
Auch nach vier Niederlagen in Folge gegen diesen Kontrahenten sieht der Berliner Coach Elversberg nicht als Angstgegner. "Ich hatte das als Spieler nicht, und ich habe das auch als Trainer nicht. Es gibt Situationen oder Serien, die mal stehen, wenn du über eine längere Phase nicht gewinnst", sagt Leitl. "Aber wir haben die Überzeugung, dass wir das Spiel morgen gewinnen können. Dazu bedarf es einer Top-Leistung." Und - ziemlich sicher - einer besseren Darbietung als in der 1. Runde in Münster, als Hertha vor der Pause vorgeführt wurde, sich später straffte und im Elfmeterschießen mit 5:3 gewann.
Auch diesmal sind die Berliner für eine eventuelle Zusatzschicht präpariert. "Elfmeterschießen kann Teil des Spiels morgen werden. Wir haben die Jungs im Training schon nochmal schießen lassen, um einen Rhythmus und ein Gefühl dafür zu bekommen und zu sehen, wer vielleicht in Frage kommt", sagt Leitl, der einige frische Kräfte in der Startelf bringen will. Für seinen späteren Dienstagabend favorisiert er aber einen anderen Verlauf als einen nervenaufreibenden Showdown vom Punkt: "Ich würde mir schon wünschen, dass es vorher erledigt ist. Ich brauche nicht wieder 23.30 Uhr raus aus dem Stadion."