Nach dem knappen Aus im Pokal gegen den VfB Stuttgart und dem kämpferisch starken 1:1 in der Liga gegen Aufsteiger Bielefeld nutzte Braunschweigs Heiner Backhaus das Ende einer intensiven Woche für ein paar grundsätzliche Worte, die tiefe Einblicke in seine Grundüberzeugungen als Fußballlehrer gewähren. "Ich habe große Sympathie für Vereine, die erkennen, auf welchem Weg du erfolgreich sein kannst", sagte der 43-Jährige mit Bezug auf den jüngsten Gegner Arminia, aber durchaus grundsätzlich gemeint. "Du kannst viel Geld in die Hand nehmen, für Spieler in einem gewissen Alter, die einen Namen haben - oder du machst es nach einem klaren Plan", so Backhaus.
Angesprochen durfte sich als Adressat der Gegenüber dieses Spieltags fühlen, Bielefelds Mitch Kniat. Backhaus mit lobendem Unterton: "Ihr habt nicht die großen Namen im Kader, aber eine Spielidee, die über allem steht. Und ähnlich versuchen wir das jetzt hier auch." In Braunschweig werde man dabei wie in Bielefeld, das wie der BTSV mit sieben Punkten aus vier Spielen in die Saison startete, mutmaßlich auch immer mal einen guten Spieler "nach oben", sprich: zu einem gut situierten Klub, abgeben. Aber die Art und Weise, wie man spielen wolle, bleibe trotz eines Abgangs gleich. Vorbild Arminia: "Da ist jeder Laufweg, jeder Passweg klar. Da ist dann auch gar nicht mehr so wichtig, wer da spielt."
Viel Erfahrung aus einer bunten Karriere
Unabhängig von einzelnen Namen und Persönlichkeiten stehe die Mannschaft und eine klare Philosophie über allem. Backhaus: "Ich mag Konzeptfußball. In einem Traditionsklub ist das ein bisschen schwieriger, weil immer mehr das Ergebnis bewertet wird, nicht die Leistung oder die Entwicklung." Für die Vereine, die dieses Missverhältnis jedoch erkennen und ihm entgegensteuern, habe er diese besagte "gewisse Sympathie".
Backhaus darf für sich in Anspruch nehmen, aus eigener Erfahrung zu sprechen. Als Spieler führte ihn sein Weg zu über 20 Stationen bis nach Malta, Hong Kong oder Saudi-Arabien, aber eben auch zu Vereinen mit großer Tradition wie Rot-Weiss Essen, Hannover 96, Union Berlin, Kickers Offenbach und eben Arminia Bielefeld. Nach seiner bunten Karriere als Aktiver stand er als Coach unter anderem beim BFC Dynamo und Alemannia Aachen an der Linie. Nun ist Braunschweig sein Arbeitsplatz, offenbar der richtige Ort im richtigen Moment.
"Wenn wir uns Zeit geben, wächst etwas zusammen"
Beim BTSV Eintracht sieht der Weitgereiste gute Möglichkeiten, seinen Plan vom Fußball umzusetzen. "Du spürst die Sehnsucht der Leute nach Erfolg und einer sorgenfreien Saison. In Braunschweig ist man im Moment mit sehr wenig zufrieden. Es ist ein toller Zeitpunkt für mich, hierher zu kommen. Denn über diese Bescheidenheit definiere ich mich ja auch als Trainer." Man lebe bei den Niedersachsen auf dem Boden der Tatsachen, müsse sich alles erarbeiten. Mit ausreichender Bodenhaftung, weiterhin harter Arbeit und noch einigen klugen Transfers aber gebe es gute Aussichten, den seit Saisonstart eingeschlagenen Weg "mit voller Kraft" fortsetzen zu können.
Die Erkenntnis aus der zurückliegenden Woche verbindet Backhaus mit einem Bekenntnis: "Egal, was ist. Die Jungs schütteln sich und spielen auch nach einem Gegentor wieder nach vorne. Man sieht, dass es stimmt. Es ist ein ganz toller Prozess in einem ganz tollen Klub, wo das Umfeld das wertschätzt und auch die notwendige Zeit für die Entwicklung gibt." In einem Verein mit großer Geschichte wie Eintracht Braunschweig sei das ein Privileg.
Jetzt hofft der engagierte Trainer darauf, dass das Umfeld diesen Weg mitgeht. "Wenn wir es hinkriegen, das Gute eines Traditionsvereins zu bewahren und uns die Zeit für diese Entwicklung geben, dann wächst hier etwas zusammen."