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Backhaus zündet Braunschweig an: "Die können doch alle bekloppt sein"

kicker

Er ist wie ein Vulkan am Seitenrand. 90 Minuten auf Spannung, die sich am Samstag mehrfach entlädt. Heiner Backhaus in seinem Element, der neue Trainer der Braunschweiger Eintracht zündet Klub und Stadt an. Erstmals seit 2016/2017 starten die Blau-Gelben mit zwei Siegen in die Zweitligasaison. Zuvor war das ebenfalls 2012/2013, 2011/2012 sowie 1989/1990 und 1980/1981 der Fall.

Braunschweig siegt. Mit Leidenschaft, Spannung und Spektakel. "Du hast sehr viel geboten bekommen für dein Geld", sagt Backhaus zufrieden und ist erfreut, es den Experten und Hochrechnern zu Saisonbeginn mal zu zeigen. "Sechs Punkte aus zwei Spielen hätte uns ja niemand zugetraut."

„Du musst bereit sein dafür, dass du auch mal einen abkriegst.“ (Eintracht-Trainer Heiner Backhaus über die "Nehmer-Qualitäten" seiner Mannschaft)

Dazu gehörte am Samstag gegen die SpVgg Greuther Fürth (3:2) eine große Portion Wille und auch das Glück des Tüchtigen, in der Nachspielzeit zog Joker Sebastian Polter einen Strafstoß und verwandelte diesen zum Sieg. 0:1 hatte die Eintracht zuvor im eigenen Stadion hinten gelegen, kurz vor Schluss das 2:2 gefressen. "Das ist wie beim Boxen", erklärt Backhaus. "Du musst bereit sein dafür, dass du auch mal einen abkriegst." Die wahre Stärke sei es, dann weiterzumachen, der neue Trainer spricht von "enormen Nehmer-Qualitäten" seiner Mannschaft.

Mut will er sehen von den Spielern, dieser soll, so der Wunsch, häufiger belohnt als bestraft werden. "Wir müssen immer mehr Lust haben auf ein drittes Tor, auch beim Stand vom 2:2, als Angst, dass wir dann noch ein drittes kriegen", so der Coach. Wenn’s mal schiefgeht? "Dann kriegen wir mal ein drittes, aber in unserer Art." Und nicht nach dem Motto: „Wir machen jetzt alles dicht und gucken mal. Das kann ich auch gar nicht coachen, dafür stehe ich gar nicht."

Backhaus’ Forderung: "Noch geradliniger werden"

Der 43-jährige Ex-Coach von Alemannia Aachen steht für Emotionen, für Powerfußball, für eine stets nach vorne gerichtete Spielweise, Pässe nach hinten waren ihm gegen Fürth noch zu viele dabei. Seine Forderung: "Unser Spiel mit dem Ball muss noch gradliniger werden, muss noch mehr in unsere Stärken rein, nicht zu viel in unsere Schwächen rein."

Es ist eine Art des Fußballs, die sich der Fast-Absteiger der Vorsaison erst mal aneignen muss. "Beim Anlaufen", streicht Backhaus heraus, "war es schon viel besser. Ich glaube, die erste Halbzeit war in vielen Spielphasen der Fußball, den ich sehen wollte. Das war schon ein großer Schritt zu Magdeburg." Beim FCM hatte sein Team am 1. Spieltag mit 1:0 gewonnen. In Unterzahl.

Der neue Trainer will die Fans nicht bremsen

Mit sechs Punkte gehört der Relegations-Teilnehmer der Vorsaison nun zur Spitzengruppe. Gewiss nur eine Momentaufnahme, die dennoch Träume entstehen lassen könnte. Muss der neue Trainer da bremsen? "Die können doch alle bekloppt sein", ruft er den Eintracht-Fans zu.

Er selbst wolle sich voll auf seine Mannschaft konzentrieren. "Ich muss ja diesen Prozess weiterentwickeln. Nur so können wir auf Dauer auch diese Gefühle haben." Wohlwissend, dass es auch Rückschläge geben wird. "Deswegen", so der Rat an sich und seine Spieler, "nicht zu hoch fliegen." Aber die leidgeprüften Fans dürften "auch mal träumen und auch mal das eine und andere Bier auf die Eintracht trinken".

2016/2017: Fast gelang der Aufstieg in die Bundesliga

2016/2017 übrigens, als die Eintracht letztmals mit zwei Siegen in die Saison startete, scheiterte das Team erst in der Relegation gegen den VfL Wolfsburg am Aufstieg in die Bundesliga.